JvM-Geschäftsführer Jens Pfau "Das Neidgehabe in unserer Branche geht mir auf den Keks"

Freitag, 18. März 2016
Jens Pfau, Geschäftsführer von Jung von Matt/Alster
Jens Pfau, Geschäftsführer von Jung von Matt/Alster
Foto: JvM
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Sein Name steht für deutsche Kreationen, die wie wenige andere international bekannt sind. Vor allem mit Edeka-Kampagnen sorgte Jens Pfau für Aufsehen. Sein Film "Heimkommen" schickt sich an, zum Abräumer des Kreativjahres zu werden. Drei Monate nach dessen Launch zieht der Geschäftsführer von Jung von Matt/Alster im HORIZONT-Interview Bilanz und verrät, welche Themen den sonst so ruhigen JvM-Chef in Rage bringen. An dieser Stelle präsentieren wir Auszüge aus dem Gespräch.

Jens Pfau über

... den agenturinternen Widerstand, auf den das "Heimkommen"-Skript anfangs gestoßen ist:
"Nachdem ich das Skript gelesen hatte, hat es mich nicht mehr losgelassen. Als ich die Idee jedoch mit meinen Kollegen teilte, rieten mir einige davon ab. Die Geschichte könne man nicht drehen, sie sei einfach zu krass. Aber ich wusste einfach, das müssen wir machen." ... die Reaktionen anderer Unternehmen auf "Heimkommen":
"Bestehende Kunden und Marken, für die wir bislang nicht gearbeitet haben, sind mit dem Wunsch auf uns zugekommen: Wir möchten auch so etwas haben. (...) Das Gros der Kunden weiß, ob eine solche Geschichte überhaupt zu ihnen passt. Aber es ist tatsächlich nicht allen klar, dass sich ein solcher Erfolg nicht aus dem Ärmel schütteln lässt. Man kann sich ja auch nicht auf den Fußballplatz stellen und sagen, jetzt spiele ich wie Messi. Training und Einspielen müssen sein."

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... Charaktereigenschaften, die einen guten Kreativen ausmachen:
"Risikofreudig muss man sein. Hartnäckigkeit bringt einen nicht unbedingt weiter. Man muss merken, wann Schluss ist. Ideen mit der Brechstange verkaufen zu wollen, mit denen der Kunde am Ende unglücklich ist, geht nach hinten los. So verdient man sich nicht das nötige Vertrauen und den Respekt, den wir Werber gegenüber unseren Kunden brauchen."

... Themen, die ihn richtig in Rage bringen:
"Ich versuche grundsätzlich, mich wenig aufzuregen. Es gibt in unserer Branche genug Hitzköpfe. Wir sollten alle etwas cooler bleiben, denn am Ende machen wir nur Werbung. Was mir aber wirklich auf den Keks geht, ist das Neidgehabe in unserer Branche. Deutschlands Werberszene fehlt der Zusammenhalt. (...) Bei uns gibt es viele, die anderen nicht mal den Dreck unter den Fingernägeln gönnen. Das ist eine schlechte Haltung. Und sie zeugt von der Unzufriedenheit in unserer Branche, dass wir unsere Kreativität im Alltagsgeschäft oft nicht zeigen können."

... über die Ausbildung junger Kreativtalente:
"Grundlegendes Handwerk lernen die meisten immer weniger. Je umfangreicher der Background ist, desto breiter kann man sich aufstellen und einbringen. In den Agenturen geht es den Kreativen dann viel zu schnell ausschließlich um Konzeption – und um den Aufstieg."
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