Jung von Matt Peter Figge verkündigt das Motto für 2016: "Von der Ideallinie auf die Kampflinie"

Donnerstag, 07. April 2016
JvM-Vorstand Peter Figge
JvM-Vorstand Peter Figge
Foto: JvM

Beim traditionellen Presseabend gestern Abend im Hamburger Stammhaus ließ Jung-von-Matt-Chef Peter Figge das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren. "Herausfordernd ist es gewesen und sportlich, zuweilen anstrengend, aber irgendwie auch geil". 

Jung von Matt gefällt sich in der Rolle des Angreifers, in die die Agentur seit dem Verlust des Mercedes-Benz-Etats gerutscht ist. Davon zeugen nicht zuletzt die spitzen Thesen und kampfeslustigen Ansagen, die Vorstandsmitglied Thomas Strerath in der Öffentlichkeit tätigt. Gestern Abend überließ "der Neue" jedoch Figge das Wort.

Tatsächlich wirkte Strerath ein wenig müde nach der Effie-Affäre und der kurz darauffolgenden Debatte um ein Interview, das er der Telekom-Beratungstochter Detecon gab. Seine darin getätigten Statements zur Kultur und Arbeitsweise bei Jung von Matt sorgten in der Branche für lebhafte Diskussionen. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die „dunkelgrüne“ Kultur von Jung von Matt auch gestern Abend ein großes Thema war. Strategiechefin Larissa Pohl, die wie Strerath seit September 2015 an Bord ist, fasst den Unterschied zu ihrem früheren Arbeitgeber Ogilvy plakativ zusammen: "Während dort noch immer das vor Jahrzehnten von David Ogilvy geprägte Motto 'Gentlemen with brains' vorherrscht, so müsste es bei Jung von Matt heißen: 'Gentlemen with balls'" (das gelte übrigens auch für die Frauen im Team). Figge hatte gestern Abend zwar kein aktuelles Neugeschäft zu verkünden, dafür nannte er Zahlen: Die gesamte Gruppe erzielte inklusive aller Auslandstöchter im Jahr 2015 ein Gross Income von 129 Millionen Euro und beschäftigte zum Ende des Geschäftsjahres 1117 Mitarbeiter. Das Gross Income entspricht einer Steigerung von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Deutschland ging es allerdings um 5 Prozent zurück. Mit dem Verlust des Mercedes-Etats habe dies jedoch nichts zu tun - das wird sich erst in 2016 auswirken. Der Rückgang ist vielmehr auf veränderte Gesellschafterverhältnisse bei den Beteiligungsfirmen Lukas Lindemann Rosinski und Gestalt Communications zurückzuführen. 

Keinen Hehl machte Figge daraus, dass es viele Gespräche und Projektgeschäfte mit unterschiedlichen Autoherstellern gab. Daraus sind feste Partnerschaften mit BMW, Mini, Kia und MAN entstanden. Das Thema Opel scheint vorerst vom Tisch. Selbst wenn der Rüsselsheimer Autobauer tatsächlich eine Ausschreibung starten würde, was in jüngster Zeit immer wieder kolportiert, jedoch stets von Opel dementiert wird, scheint es fraglich, ob Jung von Matt daran teilnehmen würde. Dass es Gespräche zwischen der Agentur und dem Autobauer gab, ist kein Geheimnis mehr - über die Gründe, weshalb sie nun auf Eis liegen, kann nur spekuliert werden. Am wahrscheinlichsten ist es, dass sich JvM von den Gesprächen mehr erhofft hat als Opel zu geben bereit war. 

2016 steht weiteres Neugeschäft auf dem Programm. Spruchreif ist noch nichts. Strerath scheint allerdings sehr umtriebig zu sein: Zum Presseabend kam er später, weil er noch einen Termin bei einem potenziellen Neukunden in Berlin hatte. Außerdem will sich Jung von Matt nach weiteren Erlösmodellen umsehen. Ende 2015 beteiligte sich die Agentur an der Online-Plattform Sponsoo. Figge könne sich weitere Investments in Start-ups sehr gut vorstellen.
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Bild: Cecil Arp

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Eine Sache stellten Figge und Strerath bei ihrem ersten gemeinsamen Presseabend noch einmal klar: Anders als früher Holger Jung gibt es heute nicht mehr einen Kopf, der für die Gruppe spricht, sondern mehrere. Strerath mag mit seinen spitzen Thesen derzeit der Klassensprecher der Branche sein, bei Jung von Matt stellt er sich jedoch bewusst nicht vor, sondern neben Figge. Der ist in der Öffentlichkeit zwar weit weniger angriffslustig ist als sein Vorstandskollege, doch auch ihm scheint das neu erwachte Selbstbewusstsein der Agentur zu gefallen: "Von der Ideallinie auf die Kampflinie" heißt laut Figge das Motto für 2016.

Die Agentur wird also weiterhin einiges dafür tun, um im Gespräch zu bleiben - egal ob positiv oder negativ. Im Sommer feiert Jung von Matt ihr 25-jähriges Jubiläum und das wird garantiert nicht leise vonstatten gehen. bu

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