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Uwe Kohrs, Chef von GPRA
GPRA

Interview mit Uwe Kohrs PR-Rat für härtere Gangart gegenüber Influencern und Content Marketing

Uwe Kohrs, Chef von GPRA
Müssen Influencer und Blogger strenger an die Kandare genommen werden? Braucht es klarere Regeln für Content Marketing? Der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) ist dieser Meinung und nimmt in seiner neu aufgelegten Online-Richtlinie Stellung zu Influencern, Bloggern, Content Marketing, Fake News und Social Bots. Im Gespräch mit HORIZONT Online äußert sich Uwe Kohrs, der Vorsitzende des DRPR-Trägervereins, auch kritisch zu Media Markt.
von Jürgen Scharrer, Donnerstag, 19. Oktober 2017
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    Herr Kohrs, der DRPR hat gerade eine neue Online-Richtlinie verabschiedet. Warum war das nötig, was läuft schief? Die Zusammenarbeit mit Influencern, und die Entwicklung von digitalen Content-Plattformen sind längst integraler Bestandteil von PR. Aber auch in den anderen Disziplinen wird das immer stärker genutzt. Dabei ist eine Grauzone entstanden, in der jeder nach Gusto seine Regeln selbst bestimmt. Wir sind der Meinung das geht gar nicht!

    Und dagegen wollen Sie nun vorgehen? Die PR-Branche hat in der Vergangenheit häufig mit unklaren Regeln und schwarzen Schafen zu kämpfen gehabt. Deshalb haben wir unsere Hausaufgaben gemacht und Kodizes und Richtlinien festgelegt, die für unsere Arbeit verbindlich gelten. Diese Verbindlichkeit und Transparenz muss im Interesse der Verbraucher auch für alle Online-Bereiche gelten.

    Welche Punkte sind Ihnen besonders wichtig? Wir nehmen in der Richtlinie ausführlich Stellung zu Fake News, Social Bots und Influencer Marketing. Besonders wichtig ist uns das Thema Absender-Transparenz. Auch im Internet gilt: Die Identität und die beruflichen Interessen des Absenders müssen eindeutig klar sein. Das Internet hat seine eigene Dynamik, vor allem bei Bloggern und Influencern herrscht ein ziemlicher Wildwuchs. Glauben Sie wirklich, mit Ihrer Online-Richtlinie etwas bewegen zu können? Ich glaube schon, dass wir etwas bewirken können. Hinter dem DRPR stehen als Träger neben dem PR-Verband GPRA auch der Bundesverband deutscher Pressesprecher, die Deutsche Gesellschaft für Politikberatung und die Deutsche Public Relations Gesellschaft. Mein Ziel als Vorsitzender des Trägervereins ist es, weitere Verbände für gemeinsame Regeln zu gewinnen. Themen wie Fake News oder fehlende Absender-Transparenz gehen uns schließlich alle an.

    An welche Verbände denken Sie genau? Zunächst natürlich den Digitalverband BVDW und das Content Marketing Forum CMF. Aber auch die Mediaagenturen sind aufgefordert, bei der Etablierung von Standards mitzuwirken. Wir dürfen es nicht zulassen, dass bei digitaler Kommunikation ein immer größerer Graubereich entsteht. Das schadet am Ende uns allen, Agenturen wie Unternehmen.

    Für Gesprächsstoff sorgt aktuell der Fall Media Markt. Sie kritisieren, dass nicht deutlich genug gekennzeichnet wird, dass das Unternehmen hinter Portalen wie vr-world.com , smart-wohnen.de oder gamez.de steckt. Ja, ich halte das tatsächlich für einen sehr bedenklichen Fall. Media Markt argumentiert, dass sich die Konsumenten an der aus unserer Sicht sehr mangelhaften Kennzeichnung nicht stören. Ich halte diese Argumentation für ziemlich dreist. Kein Mensch hat etwas gegen Branded Content - nur muss der aber so gekennzeichnet sein, dass dem User sofort ersichtlich ist, dass es sich um ebensolchen handelt.

    Der DRPR war in der Vergangenheit sehr zurückhaltend mit Rügen. Ist es nicht höchste Zeit, das zu ändern? Wir diskutieren im Rat den Fall Media Markt gerade sehr intensiv, ob es am Ende zu einer öffentlichen Rüge kommt, wird man sehen. Aber es ist schon richtig: Wir sind als Branche gefordert, selbst für Transparenz und die Einhaltung von Richtlinien zu sorgen. Dazu gehört, Fehlentwicklungen laut und deutlich zu benennen. Dafür kämpfe ich auch persönlich. Gehen Sie mal davon aus, dass Sie vom DRPR in den nächsten Monaten noch einiges zu diesem Thema hören werden. js

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