Interview Wie der GWA auf den New Business Circle von Cherrypicker reagiert

Montag, 11. November 2013
Wolf-Ingomar Faecks sieht im NBC vor allem eine Marketingmaßnahme (Foto: Sapient Nitro)
Wolf-Ingomar Faecks sieht im NBC vor allem eine Marketingmaßnahme (Foto: Sapient Nitro)

Anfang voriger Woche hat die Pitchberatung Cherrypicker den New Business Circle ins Leben gerufen. Er soll als Plattform für den Austausch und die Förderung der Interessen von Neugeschäftsmanagern in Agenturen dienen. An Bord sind einige hochkarätige Agenturen - auch solche, die sich in der Vergangenheit kritisch zu den Aktivitäten von Pitchberatungen geäußert haben. Im Interview mit HORIZONT.NET erklärt der designierte GWA-Präsident Wolf-Ingomar Faecks, wie der GWA zur Initiative von Cherrypicker steht. Wie bewerten Sie die Gründung des New Business Circle (NBC) von Cherrypicker?
Zunächst ist das ja eine Fortsetzung von Aktivitäten, die es bereits gegeben hat und daher eher eine Umfirmierung. In Zeiten stärkeren Wettbewerbsdrucks ist natürlich die Ansprache der New-Business-Verantwortlichen eine nachvollziehbare Strategie. Wir denken, alle Formen von Transparenzschaffung und Austausch in Plattformen sind wertvoll. Daher sind wir als GWA entspannt und beobachten das weiter.

Der GWA hat sich mehrfach kritisch zum Thema Pitchberater geäußert. Wie beurteilen Sie vor diesem Hintergrund, dass namhafte GWA-Agenturen Mitglied im NBC sind?
Pitchberater sind ein reales Phänomen, für das es offensichtlich Nachfrage im Markt gibt. In den angelsächsischen Märkten gehören sie seit Jahren zum Standard-Repertoire der Agentur-Auswahlprozesse. Daher kann man Kritik an einzelnen Marktteilnehmern haben, nicht aber an der grundsätzlichen Existenz einer Zunft. Programmatisch hat sich der neu zu wählende GWA-Vorstand zum Ziel gesetzt, das Thema "Kunden und Markt" zum zentralen Spielfeld des Verbandes zu erklären, daher werden wir uns noch intensiver mit den vorhandenen Markteilnehmern beschäftigen und auch entscheiden, an welcher Stelle Kooperation und an welcher Konfrontation geboten sind. 

Welches Ziel verfolgt Cherrypicker aus Ihrer Sicht mit dem NBC?
Wir glauben, dass das eine Marketingmaßnahme ist, die nicht konfrontativ zu interpretieren ist.

Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht, dass über dieses Netzwerk die Vorbehalte von Agenturen gegen Pitchberater abgebaut werden sollen?
Das könnte eine Rolle spielen, da sicher in der Vergangenheit auf Agenturseite Vorbehalte existierten.

Würden Sie GWA-Mitgliedern zu- oder abraten, in den NBC zu gehen?
Der GWA wird das Thema "Markt und Kunden" sehr viel intensiver besetzen als bisher. Wie und in welcher Form, wird der neue Vorstand gemeinsam beschließen. Empfehlungen an einzelne Mitglieder, wie sie ihren Vertrieb gestalten sollen, werden wir sicher nicht aussprechen.

Droht nicht eine gewisse Konkurrenz zu wichtigen Themen des GWA, zum Beispiel, wenn es um Empfehlungen für Pitchverfahren oder den direkten Kontakt zu Kunden geht?
Konkurrenz belebt das Geschäft, auch hier. Der GWA ist und bleibt ein Verband, der sich zu grundsätzlichen Fragen positioniert. Er dient nicht der Akquise-Unterstützung einzelner Akteure im Markt. Gibt es relevante Angebote, die den Agenturen insgesamt nutzen, dann ist das unser Thema.

Dennoch: Ist es nicht die ureigene Aufgabe des Verbands, diesem Thema eine Plattform unter seinem eigenen Dach zu geben?
Wie gesagt, der Verband ist nicht die verlängerte Hand für individuelle Problemstellung einzelner Agenturen. New Business ist ein originärer Kernprozess jeder im Wettbewerb befindlichen Agentur. Da kann und sollte ein Verband nicht intervenieren. Plattform im Zusammenspiel aller Marktteilnehmer zu sein, ist sicher eher eine originäre Verbandsaufgabe. Welche Ideen in diesem Umfeld entstehen werden, möchte ich dem am Donnerstag neu zu wählenden Vorstand überlassen.

Interview: Mehrdad Amirkhizi 
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