Innovationstag Die Folgen des digitalen Wandels werden sehr, sehr blutig

Donnerstag, 28. September 2017
Alexander Bard beim Innovationstag
Alexander Bard beim Innovationstag
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Langfristig bleibt kein Stein auf dem anderen, umriss Cyberphilosoph Alexander Bard zum Auftakt des 13. Innovationstag die langfristig unschönen Folgen des digitalen Wandels. Für den durch und mit ihm gestalteten Journalismus besteht aber mittelfristig Hoffnung.

„In der Menschheitsgeschichte führten technologische Revolutionen immer zu einem Wechsel der Macht, diese Wechsel waren in der Regel sehr blutig. Die Digitalisierung wird die Industrien, wie wir sie kennen, auslöschen.“ Der vom schwedischen Cyberphilosoph Alexander Bard als „Weckruf“ apostrophierte Ausblick hätte im Münchner Haus der Kommunikation drastischer nicht sein können.

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Am Beginn des 13. Innovationstages der Münchner Serviceplan Gruppe mahnte Bard auf ebenso unterhaltsame wie eindringliche Weise, sich die Geschichte vor Augen zu führen. In gewisser Weise sei die Situation des Internets heute mit der nach 1789 in Frankreich vergleichbar - es herrsche komplettes Chaos. Bard beschrieb Terror und Blutvergießen in jenen Jahren als Spätfolgen oder Symptome der eigentlichen technologischen Revolution, die 1450 mit Einführung des Buchdrucks stattgefunden hatte.

Angesichts der Tatsache, dass sich unter den zehn größten Internet-Unternehmen weltweit kein europäisches befinde, komme den Europäern beim nunmehr ablaufenden Wandel diesmal wohl die Rolle zu, die die Aristokraten 1789 in Versailles einnahmen - sie hatten den Kontakt zur Wirklichkeit in Paris komplett verloren. Das Paris von heute liege unter anderem in Afrika und Asien, hier seien die Gewinner des nächsten Machtwechsels zuhause. Seine Empfehlung: „We have to catch up with the hungry.“

Natürlich ist der Blick auf die Geschichte immer leichter, wenn man sie schon hinter sich hat. Und so galt es auch auf dem Innovationstag, sich mit aktuellen unmittelbaren Herausforderungen der digitalen Kommunikation zu beschäftigen. Doch in der Diskussion über „Journalismus zwischen Fake und Fakten“ zeigte sich recht schnell, das der Grad an Anpassung an die neuen Marktgegebenheiten unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Während sich FAZ-Mitherausgeber Jürgen Kaube Twitter als Recherchequelle nicht vorstellen kann, nutzt Huffington-Post-Chefredakteur Sebastian Matthes den Dienst durchaus als wichtiges Instrument der Information. Geo-Chefredakteur Christoph Kucklick wies darauf hin, dass die Nutzung des in historischen Dimensionen absolut jungen Mediums mit einer starken Lernkurve verbunden sei: In zwei, drei Jahren sei dies ein „faszinierender Vorgang kollektiver Selbstzivilisierung“ gewesen. Kucklick begrüßte die Partizipation der Leser: „ Wir erleben eine Explosion des Schreibens. Wir sollten schätzen, dass sich alle äußern können!“ Gleichwohl begegne er Nachrichten im Web immer häufiger mit Skepsis.

Dem Phänomen der Fake News kam das vom Leiter n-tv-Wirtschaftsredaktion Ulrich Reitz moderierte Panel nur indirekt auf die Spur. Vielleicht lag es daran, dass man sich (anders als von Cyberphilosoph Bard empfohlen) zu sehr mit den eigenen Mediensozialisation befasste und weitgehend vermied, andere (auch historische) Erfahrungen zu bedenken. Denn Fake News sind ja keine Erfindung des digitalen Zeitalters.

So sprach die Runde vor allem über das Kriterium der Qualität. Schnelligkeit in der Berichterstattung dürfe niemals zu Lasten der Qualität gehen. „Es gibt kein Schicksal, das uns zwingt, immer schneller, immer blöder zu werden. Wenn das ein Schicksal wäre, bin ich raus“, definierte Kaube seine rote Linie, gestand aber auch zu, dass er als Feuilleton-Redakteur da keinen Druck verspüre: „Ein Gedanke zu einem Sachbuch, zu einer Aufführung, der am Montag gut ist, ist auch am Dienstag noch gut. Da steht niemand und zittert, wann kommt der Artikel? Die Leser wollen den guten Gedanken und sind auch bereit zu warten.“

Der Gündungschefredakteur der Huffington Post ist optimistisch, dass Click-Bait-Journalismus in den kommenden Jahren immer weniger werde, die Zeiten des wilden Wachstums seien vorbei: „Wir erleben gerade den großen Shift. Es wird sich in den nächsten Jahren alles konsolidieren. Es ist nicht mehr so interessant, eine große Zahl von Leuten zu erreichen.“ Der Indikator der Zukunft werde sein, wie lange Menschen mit einem Text interagieren. „Ich glaube, das wird den Journalismus dramatisch zum Positiven verändern.“

Dem designierten Chefredakteur des Handelsblatts ist vor der Zukunft des Journalismus auf jeden Fall nicht Bang: „Journalisten sind wichtiger denn je“, sagte er und verwies auf den gigantischen Erfolg der New York Times. Und eine Wahl hätten die Medien sowieso nicht: „Wenn unsere Audience in Zukunft massiv bei Facebook ist - unter 30jährige informieren sich primär dort -, dann können wir entweder bei Facebook performen, oder wir finden in Zukunft nicht mehr statt. Guter Journalismus hat eine Zukunft, wir müssen überlegen, wie wir guten Journalismus auf diesen Plattformen zeigen.“

Der Innovationstag wird am Nachmittag fortgesetzt und endet heute abend mit der Verleihung des CMO of The Year-Awards an den Adidas Marketingvorstand Eric Liedtke. Wolfgang Borgfeld

 

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