Hopfen und Malz, Jung von Matt erhalt's Agentur braut Troy Bräu

Mittwoch, 28. Mai 2014
Die erste Würze wurde im Aktenschrank angesetzt (Fotos: Marcel Constantin Wilkens)
Die erste Würze wurde im Aktenschrank angesetzt (Fotos: Marcel Constantin Wilkens)


Niemand ahnte, wie mächtig es im vergangenen Sommer in der Vorstandsetage von Jung von Matt (JvM) rumorte. Eines Nachts wurde das Chefzimmer sogar komplett eingenebelt, aber der Anschlag auf die Agenturmanager blieb unbemerkt, am nächsten Morgen hatte sich der Maischegeruch verflüchtigt. Der war den Plannern Anke Strunz und Christoph Korittke bei ihren ersten Brauversuchen aus ihrem Einmachkessel entwichen. Animiert durch die strategische, aber eben theoretische Arbeit für den Kunden Köstritzer und andere Mandate, wollten die beiden Planner wissen, wie Bierbrauen im realen Leben funktioniert. Im Keller der Hamburger Agentur haben sie mit ihrem früheren JvM-Kollegen Gero Quast auf der Herdplatte des Hausmeisters die Maische gekocht und die geläuterte Würze in einem Wasserbehälter verborgen in ihrem Aktenschrank für mehrere Wochen dem Gärungsprozess überlassen. Ab und an habe es im Schrank mal gegluckert, erzählen sie, aber gemerkt hat vorerst niemand etwas von ihren nächtlichen Brauversuchen.

Als sie dann aber bemerkten, dass der Gerstensaft tatsächlich trinkbar war, mussten sie ihr Planningprodukt offenbaren. Zunächst hat die Versuchsanordnung bei Peter Figge durchaus Fragen aufgeworfen, "die waren aber ausnahmslos bei der ersten Verköstigung in einer Vorstandssitzungen beantwortet", sagt der CEO von JvM. Nachdem er mit dem Finanzchef Ulrich Pallas und Agenturmitbegründer Jean-Remy von Matt einen kräftigen Schluck genommen hatte, gab s sogar einen eigenen Etat für s Planner-Bier. Dessen Höhe soll allerdings ungenannt bleiben.

Mittlerweile wird professionell und im großen Stil gebraut
Mittlerweile wird professionell und im großen Stil gebraut
Diverse Hopfen- und Malzsorten später konnten alle Agenturmitarbeiter unter drei Biersorten ihren Favoriten wählen. Das Rennen machte ein obergäriges (weil die Hefe im Gegensatz zum untergärigen an der Oberfläche bleibt und nicht absinkt) mit Citra-Hopfen gebrautes Pale Ale. "Ich war für die herbere Variante, von der ich geschworen hätte, dass sie gewinnen wird", sagt Figge. Aber der Chef musste sich dem spritzigeren Geschmack der Mehrheit beugen.

Nach einem weiteren Contest steht inzwischen auch das Design des Etiketts und vor allem der Name des agentureigenen Gerstensafts fest: er wurde auf den Namen Troy Bräu getauft. Eine Reminiszenz an die JvM-Philosophie des trojanischen Pferds, dessen Vorderteil noch immer im Hamburger Gründungshaus steht. Das Hinterteil hat das Berliner Büro abbekommen.

Vor drei Wochen haben die JvM-Brauer nun das Troy Bräu im großen Stil in der Grönwohlder Hausbrauerei unweit von Hamburg angesetzt. 110 Kilo Malz, 2,5 Kilo Citra-Hopfenpellets, 550 Liter Wasser und Flüssighefe haben nach 13 Stunden schwerer körperlicher Arbeit 430 Liter Würze ergeben, die mindestens noch sieben Wochen gären muss. In der Zwischenzeit wird weiter an der Verpackung gebastelt und nach einem Hersteller von selbstredend JvM-grünen Bügelflaschen gesucht. Die gibt es ansonsten nämlich nur in braun.

Womöglich müssen die Troy-Brauer danach schon bald die nächsten Chargen ansetzen, denn die ersten knapp 500 Liter Troy-Bräu sind eigentlich schon verplant. Bei dem anstehenden sommerlichen Betriebsausflug "Hitzefrei" wird es sicher in Strömen fließen und auch die anderen JvM-Standorte in München oder Stuttgart wollen etwas davon abbekommen. Die Kunden der Werbeagentur können sich jetzt schon auf ein handgemachtes Weihnachtspräsent freuen, falls bis dahin noch etwas Troy Bräu im Kessel ist. ejej

Die Troy-Brauer Anke Strunz, Gero Quast und Christoph Korittke (v.l.)
Die Troy-Brauer Anke Strunz, Gero Quast und Christoph Korittke (v.l.)
Meist gelesen
stats