Hitzige Debatte Die Reaktionen auf Stephan Vogels Gastbeitrag zum deutschen Olympiadress

Dienstag, 11. Februar 2014
So präsentierte sich das deutsche Olympia-Team in Sotschi (Bild: ZDF)
So präsentierte sich das deutsche Olympia-Team in Sotschi (Bild: ZDF)


Mit seinem Kommentar zum Outfit der deutschen Olympiamannschaft in Sotschi hat ADC-Präsidiumssprecher Stephan Vogel eine hitzige Debatte angestoßen: Der Kreativchef von Ogilvy & Mather Germany ließ an dem von Mode-Ikone Willy Bogner designten Dress kein gutes Haar - was ihm sowohl Zustimmung als auch teilweise heftigen Widerspruch einbringt.


"Der DOSB lässt unsere Olympiamannschaft in einem Dress einlaufen, für den es nur eine adäquadte Vokabel gibt: Provinz-Chic", urteilte Vogel in seinem Meinungsbeitrag. Damit traf der ADC-Chef einen Nerv: Sowohl auf HORIZONT.NET als auf Facebook meldeten sich zahlreiche Leser zu Wort, um Vogel zuzustimmen oder ihm zu widersprechen. Auf Facebook ist die Stimmung durchaus gemischt: Mit Wortmeldungen wie "Mir gefällt das", "Bunt ist doch klasse" oder "Endlich mal was Pfiffiges und nicht so langweilig wie manch andere Outfits" loben viele User die knallbunte Kleiderkombination.

Dem gegenüber stehen Kommentare, die dem Dress nichts Gutes abgewinnen können ("Es ist eigentlich ein Wunder, daß man mit solchen super-gruselig-hässlichen Outfits sportliche Höchstleistungen vollbringen soll"; "Das liegt irgendwo zwischen 'optische Umweltverschmutzung' und 'optische Körperverletzung'; "Das ist visuelle Folter"). Gleichzeitig erinnert ein Kommentar daran, worum es bei Olympia nun einmal geht: "Ist mir komplett wurscht was sie anhaben solange sie Medaillen holen."

„"Wenn das auch nur ein Teil der betroffenen russischen Schwulen und der russischen Gesellschaft als Toleranzgeste begreift, ist das eine virale Kommunikationsleistung, die ADC-Gold verdient"“
Ein vielfach diskutierter Punkt ist, ob Bogner und das deutsche Team mit der Regenbogen-Optik ein Statement gegen die Diskriminierung von Homosexuellen im Olympia-Gastgeberland Russland abgeben wollten. Bogner selbst hat dies bereits bestritten. Nichtsdestotrotz vertreten einige Leser die Meinung, dass das Outfit schon allein durch die öffentliche Diskussion über Schwulenrechte in Russland zu einem Statement wird - ob gewollt oder nicht: "Gelungen ist dieser Farbrausch zwar nicht, aber er hat was von Regenbogen - ob Herr Putin ihn erkannt und gern gesehen hat?", schreibt etwa Günther Dilly im Kommentarbereich auf HORIZONT.NET. Und auf Facebook urteilt Andreas Uhde: "Wenn das auch nur ein Teil der betroffenen russischen Schwulen und der russischen Gesellschaft als Toleranzgeste begreift, ist das eine virale Kommunikationsleistung, die ADC-Gold verdient".

Vogels Kommentar berührt aber noch einen weiteren Punkt, aus dem zahlreiche Kommentatoren keinen Hehl machen: Sollte sich der ADC zum jetzigen Zeitpunkt und in dieser Weise zum deutschen Olympiadress äußern? "Unschön, wenn man hinterher vorher alles besser gewusst hat. Für den ADC eine peinliche Selbstdarstellung", kommentiert etwa Blumberry-Gründer Lutz Meyer auf HORIZONT.NET. Raphael Brinkert, Geschäftsführer bei der Agentur Jung von Matt/Sports (und in dieser Eigenschaft für den Markenauftritt des Deutschen Olympischen Sportbundes zuständig), sieht das ähnlich: "Schade, denn ein einfaches: Mir/uns gefällt es nicht, lasst es uns beim nächsten Mal gemeinsam besser machen, hätte vermutlich gereicht, wäre eine Einladung zum Dialog gewesen. Diese Chance wurde durch die Denunzierung vermutlich vertan. Schade."

„"Der ADC promoted unsere deutsche Kreativität - daher sei ihm dieser Kommentar erlaubt"“
Andere verteidigen Vogels Beitrag: "Es ist völlig richtig, dass sich der Berufsverband der Gestalter und Designer in Deutschland zum jetzigen Zeitpunkt melden. Jetzt sieht man diese Geschmacksverirrung, jetzt ist die Aktualität vorhanden und nicht vor zwei Monaten", findet BplusD-Geschäftsführer Ralf Zilligen. "Die Designer in Deutschland sollten sich ruhig häufiger in die Öffentlichkeit bequemen, wenn der Geschmack eine Verschnaufpause einlegt." Das sieht auch Heinrich Paravicini so: "Der ADC promoted unsere deutsche Kreativität - daher sei ihm dieser Kommentar erlaubt", schreibt der Mutabor-Geschäftsführer, wie Vogel Mitglied des ADC-Vorstandes.

Der ADC hat mit der "BamS"-Serie "50 Ideen für Deutschland" diese Aufgabe in diesem Jahr bereits wahrgenommen - wenn auch auf teils augenzwinkernde Weise. ire
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