Hi-Res Interview mit Agenturchefs Küster und Sinn: "Die Deutungshoheit zurückerobern"

Dienstag, 30. September 2014
Mathias Sinn und Sven Küster von Hi-Res
Mathias Sinn und Sven Küster von Hi-Res
Foto: Agentur

Jahrelang haben Kommunikationsexperten aller Couleur die Segnungen der digitalen Demokratie und des Endkundendialogs auf Augenhöhe gepriesen. Doch gerade in der Automobilindustrie schickt die Contentflut die Hersteller im Netz unter ferner liefen. Sven Küster und Mathias Sinn, Chefs der Berliner Digitalagentur Hi-Res, die unter anderem den Kunden BMW betreuen, wollen das Rad jetzt wieder ein Stück zurückdrehen. Im HORIZONT-Interview äußern sie sich zu...
… zu den Trends im digitalen Marketing der Autobauer: Mathias Sinn:  Die Automobilkonzerne verstehen allmählich, dass Digital ihnen viel bessere Möglichkeiten bietet, ihre Kunden in dem Moment, in dem sie wirklich eine Kaufentscheidung treffen, relevanten Content bereitzustellen. Mit digitalen Quellen kommen die Zielgruppen viel häufiger in Kontakt als mit den klassischen.

Gleichzeitig werden die Anforderungen an digitales Marketing werden immer komplexer. Früher bedeutete Digital in erster Linie die Entwicklung einer Website oder Microsite, die auf dem Desktop funktionieren muss. Heute reden wir über Desktop, Tablet und Smartphone sowie unzählige Plattformen und Kanäle wie Facebook, Youtube, Twitter und die Herausforderung von Seamless-Experiences.

… zu der Nutzung von Automotive Content im Netz:



Sinn:
Laut einer Studie nutzen Autokäufer vor ihrer Kaufentscheidung im Schnitt 18,2 verschiedene Quellen. Die wenigsten davon sind von den Herstellern gesteuert.

Küster: Unsere Wettbewerber im Netz sind deshalb auch nicht Audi oder Mercedes. Es sind die unzähligen, zum Teil extrem gut gemachten Blogs und Foren wie Motor Talk oder Bimmertoday, und es sind die Digitalsites von Special-Interest-Medien. Eine der größten Herausforderungen für die gesamte Automobilbranche ist es deshalb, die Informations- und Deutungshoheit im Netz zurückzugewinnen. Wir wollen mit BMW.de wieder die interessanteste und relevanteste Quelle für den Endkunden werden.


… zu den Anforderungen an den Content von Herstellern:

Küster:
Natürlich wird es nie eine Allmacht für eine Site wie BMW.de geben. Doch wir müssen diesen Anspruch formulieren. Denn er gibt die Richtung vor, in die wir alle gehen müssen und von der die Automobilbranche im Moment noch sehr weit entfernt ist. Schauen Sie sich auf Youtube doch mal an, was da für Filme etwa über den BMW 3er zu finden sind. Da ist eine Menge Mist dabei und ganz oben findet sich so gut wie kein Film direkt aus dem Hause BMW. Die Portale müssen zum Hub werden, im Sinne einer Plattform, die dem User über alle Touchpoints und Kanäle hinweg relevanten Content bereitstellt.

Sinn: Das kann auch Content sein, der nicht von BMW kommt. Es geht dabei um Dreierlei: Aggregation von Content, Schaffung von Orientierung und Aktivierung. Oder ganz kurz: Alles, was relevant ist für den Nutzer und auf die Marketing- und Kommunikationsziele von BMW einzahlt.

Interview: Anja Sturm

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