Heimat-Kreative Teresa Jung "Die Frauen-Initiative des Art Directors Club ist Quatsch"

Dienstag, 08. März 2016
Heimat-Kreativdirektorin Teresa Jung arbeitet für den Kunden Hornbach
Heimat-Kreativdirektorin Teresa Jung arbeitet für den Kunden Hornbach
Foto: Teresa Jung

Als Teresa Jung zusammen mit ihrer Teampartnerin den Otto-Etat für die Berliner Agentur Heimat gewann, war sie gerade mal 25. Damals sorgte das Duo mit einer Reihe von skurrilen TV-Spots für Aufsehen und machte die Handelsmarke zum Talk of the Town. In der Zwischenzeit hat Jung zwei Kinder bekommen und ist heute als Creative Director Art für einen anderen Heimat-Kunden verantwortlich: Hornbach. Im Exklusiv-Interview mit HORIZONT erzählt sie, weshalb sie als Frau nichts geschenkt haben will, wie die Zusammenarbeit mit ihrem Sparringspartner Guido Heffels funktioniert und warum sie eine große Leidenschaft für Kunstblut und abgehackte Körperteile hat.

Bei Heimat sind Sie seit kurzem neben Guido Heffels die Front-Kreative für den Kunden Hornbach. Wie hoch ist der Druck, wenn man die Messlatte mit jeder Aktion noch ein Stückchen höher legen muss, weil jeder in der Branche kreative Bestleistungen von der Marke erwartetMein eigener Ehrgeiz macht hier den größeren Druck als die Frage, was die Branche über die Hornbach-Werbung sagt. Wie Sie schon richtig bemerkt haben: Die Messlatte liegt hoch. Deshalb haben auch alle im Hornbach-Team den Willen und den Ehrgeiz, zu zeigen, dass man da immer noch was drauflegen kann. Aber manchmal reicht es vielleicht schon, die Messlatte einfach woanders hinzulegen. So wie wir es erfolgreich mit dem Hornbach-Hammer getan haben.

Als Creative Director Art ist Kreativchef Guido Heffels Ihr direkter Vorgesetzter. Ist er für Sie eher Sparringspartner oder Chef? Ich würde sagen, er ist die perfekte Mischung aus beidem. Wir schätzen die Meinung des anderen, haben auch mal gemeinsame Ausdenkrunden oder entwickeln Kampagnen zusammen weiter. Aber ich habe immer noch genauso großen Respekt vor ihm wie zu der Zeit, als ich Junior war, auch wenn wir uns inzwischen sogar einen Schreibtisch teilen.

Sie sitzen gemeinsam in einem Büro. Wir sitzen mit allen Kreativen und Beratern in einem Großraumbüro. Bei uns verschanzt sich der Chef nicht irgendwo im Elfenbeinturm. Das mag ich an Heimat. Wir haben hier sehr flache Hierarchien. 

Dennoch sind Sie als Kreativdirektorin einem Team übergeordnet. Fällt es Ihnen hin und wieder schwer, sich als 28-jährige Chefin durchzusetzen? Tatsächlich sind die meisten in meiner Unit älter als ich. Das funktioniert aber sehr gut. Die Kollegen schätzen meine Qualität und meine Meinung. Sie wissen, was ich kann, und verzeihen mir deshalb, dass ich erstens jünger, zweitens eine Frau und drittens nur den halben Tag da bin. 

In vielen Agenturen herrscht immer noch die gängige Meinung, als Teilzeitkraft könne man keine Karriere machen. Sie beweisen das Gegenteil. Wie funktioniert das bei Ihnen? Es funktioniert, indem es klare Absprachen gibt. Wichtige Besprechungen fallen in die Zeit, in der ich da bin. Natürlich beantworte ich auch mal nach Feierabend eine Mail oder einen Anruf, aber es ist nicht so, dass ich den ganzen Tag auf mein Smartphone starre und dann doch keine Zeit für meine Kinder habe. Dazu muss ich aber sagen, dass ich ein sehr gutes Team habe, das auch mal selbst Verantwortung übernimmt. 

Nichtsdestotrotz haben Frauen in der Agenturbranche nach wie vor schlechte Karrierechancen. Wäre es anders, dann bräuchte es nicht solche Fraueninitiativen wie die des Art Directors Clubs. Dazu habe ich eine ganz eigene Meinung. Ich bin selbst erst seit Dezember ADC-Mitglied und vielleicht ist es deshalb ein bisschen unfair, das jetzt öffentlich zu sagen, aber ich finde solche Initiativen Quatsch. Ich habe nie irgendein Fördermittel gebraucht, um gehört, toleriert und akzeptiert zu werden. Deshalb halte ich die Werbebranche auch nicht für besonders frauenfeindlich. Wer etwas Wichtiges zu sagen hat, wird immer gehört, egal, welches Geschlecht er hat. Ich finde es zwar nett, Frauen zu motivieren, aber ich möchte nichts geschenkt haben, bloß weil ich eine Frau bin. Das finde ich viel diskriminierender, als wenn ich mich selbst durchboxen muss. 

Sie haben Ihre gesamte Karriere bei Heimat verbracht. Hatten Sie nie den Wunsch, auch mal eine andere Agentur kennenzulernen? Natürlich gibt es viele andere tolle Agenturen, die man sich anschauen könnte. Ich mag es, solange zu bleiben, bis ich das Gefühl habe, nichts mehr lernen zu können. Dieses Gefühl hatte ich hier noch nicht. Ich sehe es auch als Herausforderung, auf dem gleichen Kunden immer wieder etwas neues Großartiges zu machen. Das halte ich für schwieriger, als ständig die Agentur zu wechseln und hier und da mal einen Zufallstreffer zu landen. 

Bei Otto haben Sie ein Händchen für subtilen Humor bewiesen. Das passt auch gut zu Hornbach. Wie würden Sie generell Ihren Stil beschreiben? Als eine gute Mischung aus skurrilem und ansatzweise intelligentem Humor, gepaart mit einer tiefen Wahrheit. Ich lache wirklich sehr gerne und liebe Comedians wie Louis C.K., Ricky Gervais und Eddy Izzard. Ähnlich wie bei deren Shows finde ich es wichtig, Geschichten zu erzählen, in denen sich die Menschen wiederfinden können. Bei den Otto-Spots haben wir versucht, die Frauen so" darzustellen, wie wir selbst gerne sein würden: cool und solide. Dieses kreischende, dauershoppende Frauenbild, das oft in der Werbung gezeichnet wird, ist mir viel zu platt. 

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Was inspiriert Sie außer den genannten Comedians? Echte Menschen auf der Straße und deren Geschichten. Und ich schaue mir unheimlich gerne alle möglichen Dokumentationen auf N24 an, um unnützes Wissen zu sammeln, das ich vielleicht irgendwann mal gebrauchen könnte. Was ich hingegen total langweilig finde, sind Werber, die sich nur für Werbung interessieren. Das macht das Ganze so klein. 

Die wenigsten Top-Kreativen interessieren sich nur für Werbung, sondern haben oft ungewöhnliche Hobbys: Sie spielen in Bands, sind künstlerisch aktiv et cetera. Welcher geheimen Leidenschaft gehen Sie in Ihrer Freizeit nach? Ich habe tatsächlich ein Hobby, das womöglich etwas gestört ist. Ich feiere unheimlich gern Halloween. Mein Bruder, meine Cousins und ich inszenieren jedes Jahr im Rheingau eine riesige Halloween-Party im Burgturm eines alten Weinguts. Wir bereiten uns das ganze Jahr darauf vor – mit selbstgebauten Särgen, Hologrammen, Geistern, sehr viel Blut, abgehackten Körperteilen und gruseligen Sound- und Lichteffekten. Der Aufwand, den wir dabei betreiben, steht wirklich in keinem Verhältnis. bu

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