Group M im Wechselfieber Tino Krause wird neuer CEO von MEC

Mittwoch, 04. Mai 2016
Tino Krause wird der neue starke Mann bei MEC
Tino Krause wird der neue starke Mann bei MEC
Foto: MEC

Nach Mindshare wechselt mit MEC jetzt eine weitere Group-M-Agentur seinen CEO aus. Nach gerade mal 13 Monaten nimmt der bisherige Deutschlandchef Lars Kirschke den Hut, an die Spitze rückt Tino Krause. Der ist gerade mal 37 Jahre alt - und gilt als enger Vertrauter von Group-M-Chef Matthias Brüll.

Mindshare und MEC: Innerhalb von zwei Wochen verkünden die beiden wichtigsten Group-M-Agenturen nach Marktführer Mediacom einen Wechsel an der Unternehmensspitze. Was steckt dahinter? Die These von HORIZONT Online: Die aktuellen Personalmeldungen lassen die Handschrift von Matthias Brüll erkennen, der seit einem Jahr an der Spitze von Group M Deutschland steht - und der dem Network offenbar einen tiefgreifenden Kulturwandel verordnen will.

Group M, das war bisher: eine perfekt geölte Einkaufsmaschine und der absoluter Krösus, wenn es um Innovationen ins Digitale geht. Nun kommt offenbar ein Drittes dazu: Das Network setzt alles daran, sich als großer Kundenversteher und bester Freund der Werbungtreibenden zu positionieren. Angesichts der Übermacht von Google und Facebook, so die Botschaft ans Werbevolk, sind unabhängige und kompetente Berater wichtiger denn je.

Tino Krause passt perfekt in dieses neue, betont freundliche Bild der bisher oft als technokratisch empfundenen Group M. Wie sein Förderer Brüll arbeitete auch Krause ein paar Jahre auf Kundenseite (Audi und Telefonica), was beide offenbar nachhaltig geprägt hat. Was sehr auffällt: Während - konservativ geschätzt - neun von zehn Agenturchefs zu ihrem Amtsantritt verkünden, nun aber wirklich radikal die digitale Transformation vorantreiben zu wollen, nennt Krause in seinem ersten Statement Kundenberatung und Investitionen in die Kompetenz der Mitarbeiter als oberste Priorität. Das bedeutet natürlich mitnichten, dass digitale Konzepte an Bedeutung verlieren, allein: als Unterscheidungsmerkmal taugt eine maximale Begeisterung für Instagram, Snapchat und alles Programmatische nicht mehr so recht.
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Bild: Mindshare

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Auch Sebastian Hupf passt in dieses neue Group-M-Feeling, das da gerade zu entstehen scheint. Hupf, gerade mal 40 Jahre alt, gab vor zwei Wochen seinen Wechsel von MEC zu Mindshare bekannt. Dort tritt er die Nachfolge von Christian Scholz an, der als kommender CEO der Mediaagentur Initiative zu neuem Glanz verhelfen soll. Auch Hupf entspricht perfekt dem Bild des "Kundenverstehers" und genießt das besondere Vertrauen von Brüll.

Stellt sich noch die Frage, wie es um MEC aktuell bestellt ist. Unter Brüll, der die Agentur bis April 2015 führte, hatte das Unternehmen einen richtigen Lauf. Zuletzt war der Glanz unter Nachfolger Lars Kirschke etwas ermattet. MEC plagt das gleiche Problem wie Mindshare: die Erfolge im Neugeschäft gestalteten sich zuletzt allzu übersichtlich. Das schnell zu ändern, dürfte im Pflichtenheft sowohl von Krause als auch Hupf ganz weit oben stehen. Immerhin: Die Auswahl an guten Leuten scheint bei MEC so gut zu sein, dass Krause, der seit knapp drei Jahren in der Agentur ist, erst einmal keine Spitzenkräfte von außen anheuern muss.

Und wie geht es weiter mit Lars Kirschke? Kirschke arbeite vor seinem Wechsel als Digital Officer bei Group M und war davor unter anderem CEO der Mediaagentur Optimedia. Nun kehrt er zu Group M zurück und will sich wieder ganz auf digitale Themen konzentrieren. Anders als Christian Scholz, dessen Abschied von Mindshare sich betont kühl gestaltet hatte, wird die Leistung von Kirschke von höherer Stelle gebührend und angemessen gewürdigt. MEC-Europachef Alastair Aird lässt sich so zitieren: "Lars Kirschke hat im letzten Jahr fantastische Arbeit geleistet. Er hat mit großem Enthusiasmus und Erfolg die digitale Ausrichtung der Agentur beschleunigt." js

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