Group M Was Katja Brandt bei Mindshare vorhat

Freitag, 26. Mai 2017
Mindshare-Chefin Katja Brandt
Mindshare-Chefin Katja Brandt
Foto: Mindshare

Baron, Scholz, Hupf - und jetzt Katja Brandt. Keine Mediaagentur hat in den vergangenen Jahren so oft ihren Chef gewechselt wie Mindshare. Gibt es diesmal ein Happy-End? Die Chancen, dass die neue Lösung an der Spitze von Mindshare von Dauer ist, sind ziemlich gut. Was für Brandt spricht: Sie hat das volle Backing ihres Global-CEO Nick Emery und - wahrscheinlich genauso wichtig - der entscheidenden Leute bei der Holding Group M, zu der neben Mindshare noch Mediacom, MEC und Maxus gehören.

Dass sie den Job als Agenturchefin draufhat, hat Brandt bei Vizeum (Dentsu Aegis) eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Es gibt aber auch ein paar heikle Punkte. Zum Beispiel: Wie gut harmoniert Brandt mit ihren ehrgeizigen Geschäftsführer-Kollegen Timucin Guezey und Michael Mülbüsch, die Vor-Vorgänger Christian Scholz 2015 von Dentsu Aegis zu Mindshare geholt hatte? Wie stark muss Brandt insgesamt umbauen? Die Neue lobt die Mannschaft in Frankfurt und Düsseldorf über den grünen Klee, sagt aber auch: "Ich will gar nicht abstreiten, dass uns das Thema Unternehmenskultur in den nächsten Monaten noch intensiv beschäftigen wird."

Brandt, die vor ihrem Job bei Vizeum auch auf Kundenseite gearbeitet hat (Europcar und Reckitt Benckiser), ist das Parade-Beispiel für eine "Power-Frau"- die Mutter von vier Kindern legt ein Tempo vor, das einen schon mal überfordern kann. Sie selbst sagt über ihren Führungsstil: "Was womöglich manchen irritiert, ist, dass ich sehr tief in die Details gehe, wenn ich ein Thema wirklich verstehen will." Ob das für die Mitarbeiter nicht ganz schön anstrengend sei? "Ja, aber auch für mich. Ich empfinde eine solche Arbeitsweise einfach als sehr inspirierend und als die beste Methode, seine Mitarbeiter wirklich kennenzulernen."
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Bild: Mindshare

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Was hat Brandt nun genau vor, was sind ihre Ziele? In ihrem Antrittsinterview nennt sie knapp drei Monate nach ihrem Start bei Mindshare erste Schwerpunkte:

Erstens:

Mindshare will seine nationale Kundenbasis ausbauen, was Pitches betreffe sein man "absolut ehrgeizig". Damit das auch klappt, tritt zum 1. Juli ein weiterer Hochkaräter seinen Dienst in Frankfurt an: Stefan Uhl. Der war schon mal 19 Jahre bei Mindshare, bevor er dann 2013 zu Starcom wechselte, wo er eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte hinlegte. Uhl wird Deutschlandchef - und damit neben Brandt, die auch für Österreich und die Schweiz sowie die strategische Ausrichtung zuständig ist, eine ganz zentrale Rolle spielen.

Zweitens:

Mindshare Germany soll im internationalen Network an Gewicht gewinnen. Brandt: "Eine Sache, die mich sicherlich intensiv beschäftigen wird, ist Deutschland als zweiten europäischen Hub neben London aufzubauen."

Drittens:

Unter den inzwischen fast schon legendären CEOs Paul Vogler und Christof Baron legte Mindshare Wert auf eine möglichst große Eigenständigkeit gegenüber der Group-M-Holding - das führte bisweilen zu Verdruss in Düsseldorf, trug aber auch zur Profilierung von Mindshare im Markt bei. Unter Christian Scholz (heute bei der Agentur Initiative) und danach Sebastian Hupf (der gerade nach Düsseldorf zurückgekehrt ist) rückte die Agentur immer näher an Group M - eine Entwicklung, die sich unter Brandt fortsetzen wird. Wie genau das Verhältnis zwischen Group M und den Einzelagenturen zukünftig ausgestaltet werden soll, ist derzeit eines der großen Themen in Düsseldorf. Sobald ein Nachfolger für Matthias Brüll, den scheidenden Deutschlandchef von Group M, gefunden ist, dürfte hier einiges klarer werden.

Was fällt sonst noch auch? Interessant ist, wie Brandt über die Offenheit und Transparenz bei Group M schwärmt - so richtig passt das nicht zu dem Bild, das man gemeinhin von dem übermächtigen Marktführer hat. Und dann hat Brandt noch einen kleinen Gruß an ihren früheren Arbeitgeber Dentsu Aegis: "Wenn ich überlege, wie stolz wir in Wiesbaden auf bestimmte digitale Produkte waren, und ich das mit dem vergleiche, was ich bei Mindshare vorfinde - das ist schon eine andere Liga."
Christof Baron
Bild: Mindshare

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Ausschnitte aus dem Interview mit Katja Brandt, das in voller Länge nachzulesen ist in der aktuellen Printausgabe von HORIZONT:

"Wir entwickeln hier kein Modell Katja Brandt, darum geht es nicht. Wir können auf sehr gute Baupläne von Mindshare Global und Group M aufsetzen. Die gilt es maximal gut umzusetzen und für uns richtig zu interpretieren. Genau das wurde unter Sebastian Hupf begonnen und wird nun fortgesetzt."

"Man kann nicht erwarten, dass sich um uns herum alles rasend schnell ändert, wir selbst aber unsere Geschäftsmodelle und Strukturen so lassen können, wie sie sind. Wir befinden uns in einem permanenten Veränderungs-Modus. Nichts bleibt, wie es ist."

"Als mein Wechsel von Vizeum zu Mindshare bekannt wurde, war der Tenor: Viel Spaß, das wird kompliziert. Tatsächlich habe ich hier aber unglaublich motivierte Leute vorgefunden, die wirklich für die Agentur brennen. Aber ich will gar nicht abstreiten, dass uns das Thema Unternehmenskultur in den nächsten Monaten noch intensiv beschäftigen wird. Und ich muss ja auch selbst noch besser reinkommen. Was womöglich manchen irritiert, ist, dass ich sehr tief in die Details gehe, wenn ich ein Thema wirklich verstehen will. Danach ziehe ich mich aber auch wieder zurück und gebe den Mitarbeitern großen Freiraum."

"Mindshare hat traditionell ein sehr starkes internationales Geschäft, da sind wir wirklich top. Als weltweit zweitgrößte Mediaagentur haben wir Zugriff auf sehr viel Expertise und Ressourcen. Ich finde: Dieses Asset nutzen wir bisher zu wenig im nationalen Geschäft. Das werden wir sicher ändern. Vor allem im deutschen Mittelstand, der vor gewaltigen Herausforderungen bei der digitalen Transformation steht, sehe ich ein sehr großes Potenzial für uns."

"Group M hat in diesem Jahr M-Platform gestartet, auf der alle digitalen Produkte der Gruppe abgebildet werden. In dieser Dimension habe ich das noch nirgends gesehen. M-Platform ist eine sehr gute Basis, auf die wir als Mindshare aufsetzen können. Und das ist eben nicht irgendeine Theorie oder Strategie, sondern reale Praxis. Wir profitieren deutlich von den vielen Daten- und Digital-Spezialisten der Group M."

"Der Wettbewerb wird härter, klar. Ein Unternehmen wie Accenture hat unbestritten eine große Kompetenz und nach der Übernahme von Sinner Schrader durchaus das Potenzial, eine noch stärkere Rolle zu spielen - allerdings nur dann, wenn sie Sinner Schrader richtig einsetzen. Ob Mediaagenturen eine Zukunft haben oder nicht, liegt aber schon zuallererst an uns selbst. Letztlich geht es bei Media ja nicht darum, Werbeinventar noch ein bisschen günstiger einzukaufen, sondern um den besten Mitteleinsatz und um Markenverständnis. Und da haben wir gegenüber Angreifern wie Accenture oder SAP zweifellos einen sehr großen Vorsprung."

"Natürlich versuchen Google, Facebook, Amazon und auch Apple, ihren Einflussbereich ständig auszuweiten. Unsere Aufgabe als Mediaagenturen ist es, eine Gesamtschau zu ermöglichen und für Transparenz zu sorgen. Das sehen die Kunden genauso."

"Natürlich sprechen Werbungtreibende gerne direkt mit Google und Facebook, aber das gilt ja auch für uns als Agentur: Auch wir möchten so nah wie möglich an diesen Unternehmen dran sein und immer als Erste wissen, was sie gerade entwickeln. Aber das ändert nichts daran, dass wir am Ende einen objektiven Blick auf die Sache haben und die Kunden neutral beraten."

"Wir erleben Facebook und Google als sehr offen und ehrlich. Die großen US-Player wissen, dass sie nichts gewinnen, wenn sie sich unnahbar und überlegen geben. Die Zusammenarbeit mit Google und Facebook ist heute sehr partnerschaftlich."

"Mir ist wichtig, Mindshare noch erfolgreicher zu machen, wir wollen neue Kunden gewinnen, wir wollen wachsen und das beste Set-Up für unsere Kunden bieten. Global gesehen ist Mindshare ganz an der Spitze. Ich will jetzt nicht sagen, dass wir das in Deutschland auch werden wollen, aber ich bin schon sehr überzeugt davon, dass wir hier noch Luft nach oben haben."

"Was mich besonders fasziniert, ist Geschwindigkeit, das war schon immer so. Wir wollen schnell Dinge bewegen, wir wollen schnell vorankommen und Ergebnisse liefern. Wovon ich dabei unglaublich profitiere, ist die Nähe zu unserem Global CEO Nick Emery. Wenn ich ihm sage, was ich vorhabe und was ich dazu brauche, räumt er mir die Autobahn frei."

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