Grey Bilanz 2015 Weniger Umsatz, höhere Profitrate, Marke Gramm weg

Dienstag, 08. Dezember 2015
Grey-Chef Dickjan Poppema
Grey-Chef Dickjan Poppema
Foto: Grey

Aus kreativer Sicht war 2015 das beste Jahr in der Geschichte der deutschen Grey-Gruppe. Die WPP-Tochter konnte insgesamt 14 Cannes-Löwen gewinnen und landet in allen einschlägigen Kreativrankings in den Top 10. Wirtschaftlich fällt die Bilanz nicht ganz so gut aus – trotz der nach eigenen Angaben mehr als 40 Neugeschäftserfolge.

Der Grund: Grey hat erst in diesem Jahr die Auswirkungen des Allianz-Verlusts richtig zu spüren bekommen. Das Mandat wurde im Herbst 2014 von Ogilvy & Mather übernommen. Außerdem hat sich der langjährige Kunde Karstadt im Juli dieses Jahres verabschiedet. Genaue Angaben, wie groß das Umsatzloch ist, das diese beiden Kunden gerissen haben, machte CEO Dickjan Poppema bei der Jahrespressekonferenz von Grey nicht. Aber allein das Volumen von Allianz wird auf einen mittleren einstelligen Millionenbetrag geschätzt. Die Folge: Grey muss in diesem Jahr einen Umsatzrückgang hinnehmen. Auch die zahlreichen Neugeschäfte (unter anderem Barmer GEK, Warsteiner, Heineken, DKMS und Tillman’s Toasty) können die Einbußen nicht kompensieren.

Besser lief es dagegen offenbar in Sachen Ertrag. So konnte die Agentur laut Poppema die Umsatzrendite leicht verbessern. Sie erreicht allerdings noch keinen zweistelligen Wert, wie eigentlich geplant. Konkrete Zahlen nennt die Agentur weder für Umsatz noch Ertrag – mit Verweis auf die Vorgaben der Muttergesellschaft. Zur Steigerung der Marge hat wohl nicht zuletzt beigetragen, dass Personalkosten reduziert wurden. So beschäftigt Grey aktuell 348 Mitarbeiter, das sind 14 weniger als vor einem Jahr. Zudem wurde das für Allianz betriebene Büro in München geschlossen.
„Nach unserem Erfolg in Cannes haben wir deutlich mehr Pitcheinladungen erhalten, zudem werden wir für größere Aufgaben angefragt.“
Dickjan Poppema
Besonders stolz sind Poppema und sein Kreativpartner Fabian Kirner auf die Award-Bilanz. Mit den national und international mehrfach ausgezeichneten Kampagnen für „Berlin Wall of Sound“ und Germanwings erreichte Grey das Ziel, in allen wichtigen Kreativrankings in die Top 10 zu kommen. Ursprünglich hatte die Anfang 2013 angetretene Führung dieses Ziel schon für 2014 ausgegeben, später aber auf 2015 korrigiert. Im kommenden Jahr will CCO Kirner den Platz in den Top 10 verteidigen, dann auch mit Arbeiten für wichtige Kunden wie Deichmann und Procter & Gamble. 

Gramm stirbt als eigene Marke

Weiter fortgesetzt hat die Führung in diesem Jahr auch den internen Umbau. So wird die Agentur Gramm – Keimzelle der Grey-Gruppe in Deutschland – als eigene Marke abgeschafft. Das Angebot wird unter dem Label Grey B2B fortgeführt, die Mitarbeiter (zuletzt knapp 20) bei der Stammagentur integriert. Geschäftsführer Frank Schrader, der auch COO der Gruppe war, hat das Unternehmen bereits Anfang November verlassen. Gramm-Kreativchef Uwe Köbbel dockt bei der Marke Grey Shopper an. Nachfolger von Schrader als COO der Gruppe wird Jochen Fischer, der seit kurzem als Geschäftsführer an Bord ist.

Für das kommende Jahr stehen die Zeichen auf Wachstum. Poppema hat sich mit der Agentur ein Umsatzplus von 5 Prozent vorgenommen. Die aktuelle Situation spreche dafür, dass dieses Ziel erreicht wird. „Nach unserem Erfolg in Cannes haben wir deutlich mehr Pitcheinladungen erhalten, zudem werden wir für größere Aufgaben angefragt“, sagt der CEO. Derzeit befinde man sich in insgesamt 16 Auswahlverfahren. Auch die Marge will Grey weiter steigern. Angepeilt ist eine zweistellige Umsatzrendite. mam   

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