"Gradmesser für Qualität" So bewerten deutsche Agenturchefs die Relevanz des ADC

Dienstag, 13. Mai 2014
Heute startet in Hamburg das ADC-Festival 2014
Heute startet in Hamburg das ADC-Festival 2014

Heute startet in Hamburg das ADC-Festival (13.-17.Mai) - und wie jedes Jahr geben sich die kreativen Köpfe des Landes die Klinke in die Hand. Nach der Umfrage unter Marketern hat HORIZONT.NET nun fünf deutsche Agenturgrößen dazu befragt, wie sie die nationale wie internationale Relevanz des ADC-Kreativwettbewerbs bewerten und was sie von dem neu eingeführten Publikumspreis halten.
Alexander Diehl
Alexander Diehl

Alexander Diehl, Managing Partner von KKLD, Berlin/New York

Sind die "Nägel" für Neugeschäft überhaupt noch relevant oder spielen internationale Auszeichnungen heute eine wichtigere Rolle? Für Agenturen, die ausschließlich im deutschen Markt arbeiten, sind die Nägel sicher ein wichtiges Vermarktungsinstrument. Für international ausgerichteten Agenturen wie KKLD sind internationale Awards logischerweise relevanter. Aber bei jedem Award stellt sich die Frage nach dem Sinn einer Teilnahme, wenn die Bewertung vor allem taktisch passiert, nach dem Motto: "Lob ich Dich, lobst Du mich."

Was hat es aus Ihrer Sicht mit dem neuen Publikumspreis auf sich? Hat dieser einen strategischen Wert oder ist er nur "Augenwischerei" für die Branche? Die Frage ist doch: Was ist das für ein Publikum? Die ADC-Ausstellung ist Werbung für Werber. Wenn die gesamte Branche dort gleichermaßen präsent und damit vertreten wäre OK. Letztlich ist der Publikumspreis ein PR-Instrument. Das ist nicht verwerflich, aber auch keine wirkliche Innovation.

Welche Rolle spielt der ADC aus Ihrer Sicht in Deutschland aktuell und welche sollte er spielen? Der ADC ist immer noch am Marken-Epos der 90er Jahre orientiert. Was aber macht gute Kommunikation Im Jahr 2014 aus? Sie muss Antworten geben auf den Medienwandel, sie muss Lösungen bieten für die digitale Revolution, die sich in Handel, Service und anderen Branchen abzeichnet, sie orientiert sich am Kunden, sie ist transparent. Diese Themen sind im ADC nicht bzw. zu wenig präsent. Wenn er relevanter werden soll, muss er sich schleunigst nach vorne orientieren, eigentlich sogar neu erfinden.


Bert Peulecke
Bert Peulecke

Bert Peulecke, CCO Saatchi & Saatchi Deutschland

Sind die "Nägel" für Neugeschäft überhaupt noch relevant oder spielen internationale Auszeichnungen heute eine wichtigere Rolle? Preise sind für Neugeschäft relevant. Dabei macht es allerdings keinen Unterschied, welche Farben die Preise haben oder welche Form. Wichtig ist, welchen Platz eine Agentur durch das Gewinnen von Awards in den Kreativ-Rankings belegt. Für deutsche Agenturen spielt der Nagel dabei eine wichtige Rolle, weil er durch einen hohen Multiplikator für Punkte im Ranking sorgt.

Was hat es aus Ihrer Sicht mit dem neuen Publikumspreis auf sich? Hat dieser einen strategischen Wert oder ist er nur "Augenwischerei" für die Branche? Neu ist die Idee vom Publikumspreis nicht. Einige Festivals verleihen ihn seit Jahren. Ich finde ein Publikumspreis sagt viel über die eigene Kritikfähigkeit eines Clubs aus. Schließlich lässt man neben der Meinung von hochdekorierten Juroren auch die Meinung des Publikums zu - und die fällt in aller Regel anders aus. Wir werden sehen, welche Anerkennung man dem Publikumspreis beimessen wird und welche Wirkung er auf unsere Kunden hat.

Welche Rolle spielt der ADC aus Ihrer Sicht in Deutschland aktuell und welche sollte er spielen? Der ADC spiegelt den Anspruch unserer Branche in Bezug auf Kreativität, Qualität und Wirkung unserer Arbeit wider. Das ist wichtig und soll auch so bleiben, weil wir damit vor allem unserem Nachwuchs Maßstäbe vermitteln, nach denen sie sich entwickeln sollten, wenn sie Erfolg haben wollen. Die gleichen Maßstäbe sollten auch stärker der Wirtschaft vermittelt werden. Da sehe ich eine wichtige Rolle des ADC für die Zukunft.


Oliver Frank
Oliver Frank

Oliver Frank, Executive Creative Director VCCP

Sind die "Nägel" für Neugeschäft überhaupt noch relevant oder spielen internationale Auszeichnungen heute eine wichtigere Rolle? Bestimmte Kategorien der ADC-Nägel wie "ganzheitliche Kommunikation" sind überaus relevant, um neue Kunden zu gewinnen oder um Aufmerksamkeit für die eigenen Kampagnen zu schaffen. Sicherlich sind internationale Awards für globale Kunden überzeugender, aber als Benchmark für Kommunikation im deutschen Markt haben die ADC-Nägel nach wie vor ihren Wert.

Was hat es aus Ihrer Sicht mit dem neuen Publikumspreis auf sich? Hat dieser einen strategischen Wert oder ist er nur "Augenwischerei" für die Branche? Der Publikumspreis ist zunächst einmal eine Möglichkeit, die Besucher der ADC-Ausstellung miteinzubeziehen - und daher keineswegs Augenwischerei. Über den strategischen Wert muss man hier nicht sprechen, da der Publikumspreis weder die Meinung der breiten Masse abbildet noch das Urteil von Spezialisten darstellt. Ich denke nicht, dass wir eine große Überraschung erleben werden, denn der ADC zeichnet in aller Regel auch die Kampagnen aus, die im Bild der Öffentlichkeit am stärksten überzeugen.

Welche Rolle spielt der ADC aus Ihrer Sicht in Deutschland aktuell und welche sollte er spielen? Der ADC setzt, wie erwähnt, nach wie vor die Standards für exzellente Kommunikation in Deutschland. Die Nägel dienen Agenturen und Kunden als Währung, mit der man den Wert seiner Arbeiten einschätzen und sich mit anderen messen kann. Auch für die Mitarbeiter von Agenturen ist der ADC ein wichtiger Indikator für die kreative Performance einer Agentur.

Nach einer schwierigen Zeit, in der Gold-Ideen für Kleinst- oder Nichtkunden den Wert eines ADC-Nagels in Frage gestellt hatten, ist der ADC wieder zur maßgeblichen Leistungsschau kreativer Kommunikation in Deutschland geworden. Hieran können sich auch die Agenturkunden, also die Unternehmen, orientieren, um ihre eigene Kommunikation auf höchstes Niveau zu heben. Dazu kann der ADC ruhig noch geiziger werden, indem er mehr mit Nägeln knausert, die Anzahl der Kategorien verringert und bei Neumitgliedern exklusiver wird. So lässt sich der Wert und die Relevanz einer Auszeichnung noch mehr steigern.


Andreas Pauli
Andreas Pauli

Andreas Pauli, CCO Leo Burnett

Sind die "Nägel" für Neugeschäft überhaupt noch relevant oder spielen internationale Auszeichnungen heute eine wichtigere Rolle? An der Bedeutung gemessen ist der ADC nach Cannes immer noch die wichtigste Kreativshow. Die einzelnen Awards steigern aber eher den Marktwert der jeweiligen Kreativen. Für Neugeschäft sind die Nägel meist nur mittelbar relevant, denn sie bringen Punkte in den Rankings und auf diese schauen wiederum viele Marketingverantwortliche.

Was hat es aus Ihrer Sicht mit dem neuen Publikumspreis auf sich? Hat dieser einen strategischen Wert oder ist er nur "Augenwischerei" für die Branche? Einen "Publikumspreis" kennt man von vielen Veranstaltungen auch außerhalb der Werbung. Insofern ist das nichts Neues. Und was die jeweiligen Besucher aus den entsprechenden Agenturen "liken" werden, wenn sie auf der Gewinnerliste sind, dürfte auch klar sein. Aber diese Neuerung erhöht immerhin den Spaßfaktor und intensiviert die Auseinandersetzung mit den einzelnen Arbeiten.

Welche Rolle spielt der ADC aus Ihrer Sicht in Deutschland aktuell und welche sollte er spielen? Der ADC ist der Gradmesser für die Qualität von Kommunikation in Deutschland. Allerdings finden zahlreiche ausgezeichnete Arbeiten immer noch nur in Nischen statt, während viele business-relevante Kampagnen, die in Deutschland laufen, im besten Fall mittelmäßig abschneiden. Große Marken zeigen oft zu wenig Mut. Dafür gibt es Gründe. Der ADC sollte es als seine Aufgabe ansehen, sich mit diesen auseinanderzusetzen. Gerne auch kontrovers.


Thomas Junk
Thomas Junk

Thomas Junk, Geschäftsführer Kreation Demodern

Sind die "Nägel" für Neugeschäft überhaupt noch relevant oder spielen internationale Auszeichnungen heute eine wichtigere Rolle? Für viele Marketingleiter in Deutschland ist der Nagel noch immer die Währung der Wahl, um die Qualität und Kreativität einer Agentur zu beurteilen. Zudem befindet sich der ADC gerade im Umbruch und schafft es langsam aber sicher, mehr Digital-Vertreter in die eigenen Reihen zu integrieren. Auch bei den Kategorien hat sich einiges getan, so dass hier die tatsächliche Gewichtung von Kampagnen besser abgebildet wird. Die Nägel spielen also nach wie vor eine wichtige Rolle. Die Strahlkraft eines Cannes-Löwen oder die communityspezifische Wertschätzung eines Favourite Website Award wird allerdings (noch) nicht erreicht.

Was hat es aus Ihrer Sicht mit dem neuen Publikumspreis auf sich? Hat dieser einen strategischen Wert oder ist er nur "Augenwischerei" für die Branche? Spannend ist diese Öffnung des ADC-Awards allemal. Welche validen Ergebnisse ein Mehrheits-Voting gegenüber einer jurierten Auszeichnung bringt, bleibt abzuwarten. Die "#FirstADC14 App" führt sicherlich zu mehr Interaktion mit den ausgezeichneten Arbeiten und macht die Resultate in sozialen Netzwerken stärker sichtbar. Das bringt die Ausstellung, die bisher nur von einem kleinen Kreis erlebt werden konnte, in einen größeren Kontext.

Welche Rolle spielt der ADC aus Ihrer Sicht in Deutschland aktuell und welche sollte er spielen? Der ADC ist nach wie vor eine Institution in Deutschland. Er vereint die kreativsten Köpfe, inspiriert und fördert den Austausch. Wenn auch weiterhin neue Vertreter aus nicht klassischen Kommunikations-Disziplinen hinzugewonnen werden können, wird er seine Vorherrschaft behaupten.
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