"Glückslos gezogen" Das neue Airbnb-Logo im Expertencheck

Freitag, 25. Juli 2014
Belò, das neue Logo von Airbnb (Bild: Airbnb)
Belò, das neue Logo von Airbnb (Bild: Airbnb)


Eigentlich soll das neue Logo von Airbnb die Werte "People, Places, Love, Airbnb" ausdrücken - doch bei den Menschen da draußen scheint etwas anderes anzukommen. Manche attestieren "Belo", so der Name des Logos, Ähnlichkeit zu menschlichen Geschlechtsteilen, wieder andere erkennen darin irgendwelche Fabelwesen. Wie beurteilen Design-Fachleute das neue Corporate Design des Zimmervermietungsportals? HORIZONT.NET hat zum Expertencheck gebeten.
Wie sich zeigt, kommt das Airbnb-Logo dabei gar nicht so schlecht weg. "Je länger man das Logo betrachtet, umso besser wird es", sagt etwa Patrick Märki, Creative Director bei KMS Team. Norbert Möller, Executive Creative Director der Peter Schmidt Group, findet gar, Airbnb habe "ein Glückslos gezogen". Indem der Betrachter das Logo im Geiste weitergestaltet, beginne die Identifikation. "Ich verspreche, bald lacht niemand mehr, jeder wird das Logo kennen", so Möller. Ein gelungenes, weil einfaches und klares Symbol, sieht Patrick Marc Sommer, Mitgründer der Designagentur Lange Sommer, auch Kreativdirektor Frank Röhrig (Vier für Texas) hat Spaß bei der Betrachtung.

Einzig Jürgen Siebert kippt etwas Wasser in den Wein: "Entweder haben die Designer des Markenzeichens zu viel nachgedacht, oder der Auftraggeber hat zu viel reingeredet", sagt der Marketingvorstand des Berliner Corporate Font-Dienstleisters Font Shop. Ein Rezept, wie Airbnb mit der Logo-Diskussion umgehen soll, hat Siebert allerdings schon parat: "Weitermachen! Die Debatte als kostenlose Einführungskampagne verbuchen und das neue Zeichen mit Leben füllen."

Hier die kompletten Antworten der Experten:

Patrick Marc Sommer, Co-Gründer LangeSommer

Patrick Marc Sommer, Co-Gründer LangeSommer
Ich finde das Logo sehr gelungen. Es ist ein einfaches und klares Symbol. Dadurch, dass es wie ein umgedrehtes Herz aussieht, wirkt es sehr menschlich und lässt sich spielerisch in unterschiedliche visuelle Sprachen übertragen – ohne dem Symbol zu schaden. Der Wiedererkennungswert ist sehr hoch. Das Symbol hat großes Potenzial! Vielleicht hätte man den Blauton des alten Logos mehr übernehmen können.
(Bild: Lange Sommer)


Patrick Märki, Creative Director, KMS Team

Patrick Märki, Creative Director, KMS Team
Das neue Logo von Airbnb irritiert auf den ersten Blick, weil man den Zusammenhang mit Zimmervermietungen nicht herstellt und das Logo eigentlich nicht zum Unternehmen passt. Das Bélo-Logo liegt für mich zwischen Büroklammer und Langnese. Je länger man das Logo aber betrachtet, umso besser wird es. Und es wirkt sehr schnell sehr einprägsam. Die Idee der Unendlichkeit und dass es jeder nachmalen kann ist super – eine geniale, einfache Form. Ein ganzheitlicher Gestaltungsansatz über das Logo hinaus hätte der Marke Airbnb sicher gut getan, um sich auch in Zukunft als Branchenleader zu positionieren.
(Bild: KMS Team)


Jürgen Siebert, Vorstand Marketing Font Shop

Jürgen Siebert, Vorstand Marketing Font Shop
Was kann schon schief gehen, wenn eine Unternehmensidee von Millionen Menschen geschätzt wird, mit Reisen und Urlaub zu tun hat, und dann auch noch die Assoziationen Luftmatratze, Übernachten und Frühstück im Namen trägt? Alles, im Fall von Airbnb. Entweder haben die Designer des Markenzeichens (es nennt sich Bélo) zu viel nachgedacht, oder der Auftraggeber hat zu viel reingeredet. Bélo will eigentlich ein Versal-A sein, soll aber auch für Mensch stehen, den Ort und Liebe und so simpel zu zeichnen sein, dass jeder es in den Sand malen kann. Herausgekommen ist ein Zeichen, das so beliebig ist, dass Menschen alles damit assoziieren, vornehmlich Geschlechtsmerkmale. Und jetzt? Weitermachen! Die Debatte als kostenlose Einführungskampagne verbuchen und das neue Zeichen mit Leben füllen.
(Bild: Norman Posselt)


Frank Röhrig, Creative Director Vier für Texas

Frank Röhrig, Creative Director Vier für Texas
Anscheinend geht es dem Logo nicht anders als den Wohnungen bei Airbnb: Es wird bewohnt und jeder hinterlässt seine Duftmarke. Mir macht's Spaß, dabei zuzusehen!
(Bild: Vier für Texas)


Norbert Möller, Executive Creative Director Peter Schmidt Group

Norbert Möller, Executive Creative Director Peter Schmidt Group
Airbnb hat mit seinem Logo ein Glückslos gezogen. Angeblich lacht das ganze Internet über den neuen Auftritt und über das neue Logo. Aber so ist es immer – jedes figürliche Logo setzt anscheinend kreative Ressourcen beim erstmaligen Betrachten frei und animiert zum selber Weitermalen. Damit beginnt doch schon die Identifikation. Ich finde, die Aufgabe, ein einfaches Logo und damit ein Zuhause für die Airbnb Kunden zu schaffen, wurde vortrefflich gelöst. Es sollte zwar mittlerweile für Gestalter verboten sein, in dieser gefühllosen Zeit, Gefühle mit Herzsymbolen auszudrücken, aber ein Unternehmen wie Airbnb kann sich mit seiner kommunikativen Macht einfach darüber hinwegsetzen. Ich verspreche, bald lacht niemand mehr, jeder wird das Logo kennen. Und die mediale Aufmerksamkeit ist unbezahlbar, Glückwunsch. Ich vergebe 5 Sterne, wenn das juristische Risiko, dass es ähnliche Zeichen gibt (wie z.B. automation anywhere), bewusst einkalkuliert oder geklärt wurde. Weil man auch bei diesem Thema schnell polemisieren kann, letztendlich aber Juristen entscheiden."
(Bild: Peter Schmidt Group)
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