"Getto Images" Warum Dojo abseitige Stockfotos auf T-Shirts druckt

Freitag, 30. September 2016
Dojo und Mvschi Kreuzberg verwandeln Stockfotos zu den Themen Selbstmord und Drogenmissbrauch in eine T-Shirt-Kollektion für Hipster
Dojo und Mvschi Kreuzberg verwandeln Stockfotos zu den Themen Selbstmord und Drogenmissbrauch in eine T-Shirt-Kollektion für Hipster
Foto: Dojo
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Getty Images Getto Joachim Bosse Werbebranche


Wenn aus Getty Images "Getto Images" wird: Gemeinsam mit dem Berliner Fashionlabel Mvschi Kreuzberg hat Dojo eine vierteilige T-Shirt-Kollektion entwickelt, die die Schattenseiten einer jeden Stockfoto-Datenbank ans Tageslicht bringt. Die (fast) authentischen Motive sind eine augenzwinkernde Reaktion auf eine Kampagne von Adobe.
Rund zwei Wochen ist es her, dass Adobe mit einer ungewöhnlichen Fashion-Kampagne daran erinnerte, wie unrealistisch die meisten lizenzfreien Fotos von Anbietern wie Getty, Shutterstock, Fotolia und Co. doch sind: Die Marke druckte die klischeehaftesten Motive - zum Beispiel ein förmlicher Händedruck, ein fröhliches Rentnerpaar vor einem Notebook oder zwei sich mit Boxhandschuhen gegenüberstehenden Geschäftsmännern - auf T-Shirts. Wer eines der limitierten Kleidungsstücke bestellen wollte, musste sich für eine kostenlose Testphase bei der Stockfoto-Datenbank von Adobe anmelden.
Die Shirts kann man im Online-Shop von Mvschi Kreuzberg vorbestellen
Die Shirts kann man im Online-Shop von Mvschi Kreuzberg vorbestellen (Bild: Dojo)
Bei der Kreativagentur Dojo, die gerade mit einem abgefahrenen Online-Spot für das junge Angebot von ARD und ZDF Funk für Aufsehen sorgt, war man zwar auch angetan von dem zweifellos überraschenden Auftritt von Adobe und dessen schwedischer Agentur Abby Priest. Doch noch mehr war man angefixt von der Frage, ob Kunden bei Stockfoto-Anbietern wirklich nur Bilder von der heilen Scheinwelt bekommen. Und was passiert eigentlich, wenn man mal auf die hinteren Suchergebnisse einer Datenbank blickt?
Die Aktion ist eine Reaktion auf die Stockfoto-Kampagne von Adobe
Die Aktion ist eine Reaktion auf die Stockfoto-Kampagne von Adobe (Bild: Dojo)
Das Ergebnis ist eine "4-Piece-Kollektion mit Motiven aus dem Darkroom der Stock-Archive von Getty Images", wie Dojo-Geschäftsführer Joachim Bosse gegenüber HORIZONT Online zu Protokoll gibt. Statt sonniger Klischees sollen die T-Shirt-Motive, die es bereits zum Vorbestellen im Online-Shop von Mvschi Kreuzberg gibt, die harte Realität der Werbebranche abbilden. "Adobe hat mit dem Vorwurf, andere Stock-Anbieter böten keine authentischen Fotos, etwas zu tief in den Lens-Flare geblickt. Deswegen wollten wir zeigen, dass Getty sehr wohl authentische Bilder hat", so Bosse weiter. "Wie zum Beispiel einen erfolgreichen Broker, der sich auf der Vorstandstoilette leger mit Crémant und Heroinschuss in die Mittagspause peitscht."

Der Weiterdreh der Adobe-Werbeaktion steht in der Tradition der grandiosen Sanifair-Parodie aus dem Sommer 2015. Damals verwandelte Dojo den skurrilen Imagespot des Unternehmens in ein herrliches Eigenwerbevideo und zeigte, wie bekloppt und schön zugleich es in den Büroräumen der Berliner Agentur zugeht. Bewarb sich Dojo damals noch proaktiv um den Sanifair-Etat, hofft man nun auf einen Auftrag von Getty Images, um die Marke "aus dem Kreuzfeuer der Unauthentizitäts-Vorwürfe zu befreien und der gesamten Branche den Stock aus dem Hintern zu ziehen" (Bosse). Dabei kann man nur alles Gute wünschen. tt
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