Geometry-Chefs "Wir wollen niemanden wegboxen"

Freitag, 25. Juli 2014
Stefan Knieß, Frank Wolfram und Christian Mommertz führen Geometry Global (v.l., Foto: Agentur)
Stefan Knieß, Frank Wolfram und Christian Mommertz führen Geometry Global (v.l., Foto: Agentur)

Vor gut einem Jahr hat WPP die Aktivierungs-Agentur Geometry Global gestartet. Sie entstand aus der Zusammenlegung von G2, Ogilvy Action und JWT Action. Darüber waren anfangs nicht alle der Beteiligten begeistert. Über die Entwicklung der Agentur in Deutschland hat HORIZONT mit den drei Chefs Stefan Knieß (CEO), Christian Mommertz (CCO) und Frank Wolfram (CTO) gesprochen. Stefan Knieß über die Akzeptanz der Agentur in der WPP-Gruppe: "Ich kann keine Widerstände mehr erkennen. Natürlich muss sich ein neues System erst einmal finden. Wir arbeiten sehr gut mit unseren Partnern zusammen. Die Bereitschaft, Themen gemeinsam anzugehen, nimmt zu."

Stefan Knieß über die Anbindung: "Wir sind ein eigenständiges Network innerhalb von WPP. Wir haben eigene Berichtslinien nach London und New York. Aber natürlich gibt es eine starke strategische Partnerschaft mit den ehemaligen Stakeholdern Ogilvy, Grey und JWT. Wir berichten jedoch weder an sie noch sind wir ihnen zugeordnet. Ogilvy ist ein genauso wichtiger Partner wie die anderen WPP-Agenturen."

Christian Mommertz über das Selbstverständnis der Agentur: "Wir haben es in unserer Industrie immer noch mit gegenseitiger Arroganz zwischen den Gewerken zu tun. In Zukunft werden nur die Agenturen erfolgreich sein, die kooperieren. Hinzu kommt: Das Spektrum von Aktivierung hat sich weit nach vorn geöffnet und dabei enorm vergrößert. Fragmentierte Touchpoints erfordern zukünftig eine andere Eloquenz und Exzellenz – vor allem kreativ –, um Verbraucher gezielt abzuholen und zu einem bestimmten Verhalten zu bewegen."

Frank Wolfram zur Silo-Struktur im Marketing: "Viele Unternehmen sind im Marketing in Silos organisiert. Die Verbraucher verhalten sich aber nicht entlang dieser Strukturen. Das führt dazu, dass unsere Auftraggeber nicht mehr wissen, an welcher Stelle sie das Geld ausgeben sollen. Unser Ansatz ist: Wir begleiten die Konsumenten auf dem gesamten Kaufentscheidungsweg und identifizieren die Stellen, wo man sie nachhaltig beeinflussen kann. Wenn Aktivierung also auch ein Silo ist, dann ein horizontales, das sich über verschiedene Bereiche und Disziplinen erstreckt."

Frank Wolfram zum Leistungsspektrum der Agentur: "Es geht uns um ganzheitliche Analyse und Verständnis, nicht darum, alles selbst zu machen. Deswegen sprechen wir uns ja für Kooperationen aus. Wir wollen niemanden wegboxen, sondern gemeinsam Lösungen finden. Es gibt viele geölte Prozesse, in die wir nicht eingreifen wollen. Was wir addieren, ist eine andere Denke. Das erfordert Transparenz, die bei vielen Agenturen leider noch nicht sehr ausgeprägt ist."

Christian Mommertz zur Kooperationsbereitschaft klassischer Agenturen: "Natürlich gibt es dort ein Bewusstsein dafür. Allerdings: Entweder erwarten Kunden dies von klassischen Agenturen nicht oder sie trauen es ihnen nicht zu. Das hat auch damit zu tun, dass das klassische Agenturmodell sein strategisches Mandat schon vor Jahren weitgehend abgetreten hat und vor allem für Umsetzung genutzt wird." mam

Das vollständige Interview lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 30/2014 vom 24. Juli.
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