Gender Debatte Streit zwischen Maurice Lévy und Martin Sorrell eskaliert

Mittwoch, 30. März 2016
Publicis-CEO Maurice Lévy keilt gegen WPP-Chef Martin Sorrell zurück
Publicis-CEO Maurice Lévy keilt gegen WPP-Chef Martin Sorrell zurück
Foto: Cannes Lions / Getty Images

Dass sich Martin Sorrell und Maurice Lévy vorsichtig ausgedrückt nicht sonderlich mögen, ist kein Geheimnis. Dennoch lässt die Wucht aufhorchen, mit der sich die Chefs von WPP und Publicis gerade wieder einmal gegenseitig verunglimpfen. Auslöser ist die Debatte über die Benachteiligung von Frauen und ethnischen Minderheiten in der Agenturwelt, die nach den Vorfällen um den früheren JWT-Chef Gustavo Martinez geführt wird.
Der Manager war von der Kommunikationschefin des Networks wegen sexistischer, rassistischer und antisemitischer Äußerungen verklagt worden. Lévy hatte dazu bei einer Konferenz des US-amerikanischen Agenturverbands 4A gesagt, aus einer Sicht handele es sich um einen Einzelfall, der sich nicht verallgemeinern lasse. Ein grundsätzliches Problem mit der Benachteiligung von Frauen sehe er nicht. Dem widersprach Sorrell wenig später bei der gleichen Veranstaltung. "Maurice neigt dazu, Fakten zu ignorieren und lässt seine Analysen nicht von Fakten trüben", sagte der WPP-Chef und verwies auf Statistiken über über den geringen Anteil von Frauen und ethnischen Minderheiten in Führungspositionen. Jetzt keilt Lévy zurück. In einem Schreiben an die Mitarbeiter seiner Gruppe, das "Adweek" vollständig veröffentlicht, wirft er dem WPP-Chef ein "außerordentliches Maß an Heuchelei" vor. Ausgangspunkt der ganzen Diskussion sei ein Vorgang, der sich in einer von WPP kontrollierten Firma abgespielt habe. Niemand in dem Konzern habe auf die Vorwürfe der Kommunikatonschefin reagiert, die ein Jahr lang versucht habe, intern Gehör zu finden. Er selbst habe in seinem Statement bewusst darauf verzichtet, WPP anzugreifen, "deren Reaktion in dieser Sache alles andere als glorreich war". Und dann die volle Breitseite: "Selten hat Martin Sorrell die Bezeichnung so verdient, die David Ogilvy ihm gegeben hat". Der Gründer von Ogilvy & Mather hatte seinerzeit im Zuge der Übernahme seiner Agenturgruppe durch WPP deren Chef Sorrell einen "abscheulichen kleinen Knilch" genannt.

JWT-CEO Martinez wurde vor zwei Wochen von WPP-Managerin Tamara Ingram abgelöst. Sie hat sich das Thema Diversity auf die Fahnen geschrieben. Bei einem ihrer ersten Auftritte als neue Agenturchefin sagte sie, dass dieses Thema nicht nur ihres sein werde, sondern das aller lokalen Manager der Gruppe. mam
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