Gender-Debatte HP verlangt von seinen Agenturen mehr Vielfalt in Führungspositionen

Donnerstag, 08. September 2016
HP ruft seine Agenturen zu mehr Diversity auf
HP ruft seine Agenturen zu mehr Diversity auf
Foto: The Verge

Der Hardware-Hersteller HP setzt die für ihn tätigen Agenturen unter Druck, mehr Frauen und Minderheiten in verantwortliche Positionen zu bringen. Das geht aus einem offenen Brief von HP-Marketingchef Antonio Lucio an die Werbedienstleister des Konzerns hervor. Demnach fordert der CMO seine Agenturen BBDO, Gyro, Fred & Farid, Porter Novelli und Fleishman-Hillard auf, binnen 30 Tagen Konzepte vorzulegen, wie sie sich beim Thema "Diversity" stärker engagieren wollen. Innerhalb eines Jahres sollen die Maßnahmen dann sichtbar werden.
Welche Konsequenzen Agenturen drohen, die sich nicht an die Vorgabe von HP halten, wird in dem Brief nicht ausdrücklich thematisiert. Aus dem Umfeld des Konzerns ist aber zu hören, dass bei Nichtbeachtung alle Möglichkeiten auf den Tisch kommen, im Zweifel auch die Trennung von Dienstleistern. "Frauen und farbige Menschen in Schlüsselpositionen zu bringen, ist nicht nur ein Wertethema, sondern eine zwingende Business-Notwendigkeit", heißt es in dem Schreiben des HP-Marketingchefs. Die Agenturen reagieren offiziell mit Verständnis für das Anliegen des Kunden und erklären, bereits in diesem Sinne zu handeln. "Herr Lucio kennt unsere Anstrengungen, innerhalb eines Jahres die Zahl unserer weiblichen kreativen Führungskräfte zu verdoppeln und unterstützt uns dabei", zitiert das "Wall Street Journal" den weltweiten Chef von BBDO Andrew Robertson. Von BBDO Germany war bislang keine inhaltliche Stellungnahme zu erhalten. Karen van Bergen, CEO der Omnicom PR Group, zu der auch Porter Novelli und Fleishman-Hillard gehören, erklärt auf Anfrage, Diversity sei für ihre Gruppe und deren Agenturen eine "Top-Priorität". Man unterstütze HP aus voller Überzeugung bei dieser wichtigen Initiative.

HP-CMO Lucio hat nach seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr – er kam seinerzeit von Visa – die Marketingabteilung seines neuen Arbeitgebers entsprechend der jetzt an die Agenturen gestellten Forderungen umgebaut. In seinem Brief weist er darauf hin, dass man sichergestellt habe, mindestens die Hälfte aller Führungspositionen im Marketing bei HP mit Frauen zu besetzen. In der Agenturbranche war die Gender-Diskussion zuletzt nach Äußerungen von Saatchi-Chairman Kevin Roberts wieder aufgeflammt. Nachdem er in einem Interview gesagt hatte, dass dieses Thema für ihn erledigt sei, hatte ihn die Publicis-Gruppe, zu der Saatchi & Saatchi gehört, beurlaubt. Kurz darauf trat Roberts zurück.  mam
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