Gebrauchtwagen-Umfrage unter Agenturköpfen Immer Ärger mit der alten Kiste

Mittwoch, 20. April 2016
In diesem Auto steckt viel Arbeit: Der Porsche von Florian Grimm
In diesem Auto steckt viel Arbeit: Der Porsche von Florian Grimm
Foto: Florian Grimm

Dass der Gebrauchtwagenan- und -verkauf voller Tücken sein kann, ist gemeinhin bekannt. Aber nicht jeder erlebt solche kuriosen Geschichten, wie führende deutsche Agenturchefs. In HORIZONT erzählen sie von ihren Erlebnissen.

Florian Grimm, CCO GGH Mullen Lowe: Himmel und Hölle

Florian Grimm, Geschäftsführer Grimm Gallun Holtappels
Florian Grimm, Geschäftsführer Grimm Gallun Holtappels
Ich habe mir in den USA einen alten Porsche gekauft. 911E, Baujahr 1969, mit Originalmotor und bis auf die Tatsache, dass er optisch kaum noch dem Original entsprach, sollte er ganz gut in Schuss sein. Leider stimmte das ganz und gar nicht. Die Kiste war eine Rostlaube und technisch ziemlich verschlimmbessert. Jede Reparatur hat für neue Hiobsbotschaften gesorgt. Nix mit "Schnell für den TÜV aufhübschen". Das Ding hat mir die Haare vom Kopf gefressen und sehr viel Arbeit gemacht, weil ich weltweit nach Ersatzteilen suchen musste. Klingt schrecklich, war es aber gar nicht. Das Irre war, dass ich mich über jede der vermeintlichen Hiobsbotschaften gefreut habe. Ich habe viel über das Auto gelernt und es war beglückend, dem Wachkomapatienten dabei zuzuschauen, wieder ein gesunder Prachtkerl zu werden. Nur wenig hat mir so viel Spaß gemacht. Finanziell purer Horror. Emotional genau das Gegenteil. Manchmal muss man es einfach machen und die Ratio in die Wüste schicken. Ich habe es bis heute nicht bereut. So ungefähr muss sich wohl Hans im Glück gefühlt haben.

Oliver Ramm, Bodenleiter Kreation Kolle Rebbe: Wenn der Golf zum Roquefort wird

Oliver Ramm
Oliver Ramm (Bild: Kolle Rebbe)
Ich habe bislang nur einmal einen Gebrauchtwagen verkauft. Zumindest fast. Einen Golf 2, der irgendwann mal weiß gewesen sein soll. Mit omagrauem Interieur, 90 (!!) PS und Schiebedach. Nur 220.000 km gelaufen, für schlappe 400 Mark. Nach zwei Wochen kam tatsächlich ein Interessent vorbei und wollte ihn anschauen. Da stand der Wagen bereits drei Wochen irgendwo in Eimsbüttel rum. Dummerweise mit offenem Schiebedach - was ich aber erst bei der Besichtigung bemerkte. Die Innenausstattung war mittlerweile blau-grün eingefärbt. Der Wagen war bis in den Aschenbecher hinein komplett mit flauschigem Schimmel überzogen und sah aus wie ein zwei Jahre gereifter Roquefort. Dummerweise roch er auch so. Der Typ hat den Wagen nicht genommen. Obwohl ich 10 Mark runtergegangen bin.

Torben Hansen, Geschäftsführer Philipp und Keuntje: 50 Kronen - mit 7 Jahren ein Vermögen!

Torben Hansen, Geschäftsführer Philipp und Keuntje
Torben Hansen, Geschäftsführer Philipp und Keuntje (Bild: PuK)
Unser Vater hat meinen großen Bruder und mich immer eingespannt, wenn er die alte Familien-Kutsche gegen eine neue tauschen wollte. Mein Bruder war der Wagen-Wäscher, ich der -Sauger. Es winkten ein paar Kronen mehr Taschengeld, wenn durch den scheckheftgepflegten Eindruck beim Verkauf der Preis stimmte. Außerdem sollte im Auto verlorenes Kleingeld uns zu gleichen Teilen gehören. Wir strengten uns also mächtig an beim cremefarbenen VW 411er und polierten und putzten uns die Hände wund. Unter einer Fußmatte fand sich der Notgroschen meines Vaters für unterwegs - 50 Kronen in Scheinen. Pflichtschuldigst wurden sie abgeliefert. Aber wir durften sie, völlig überrascht behalten - er stand natürlich zu seinem Wort.

Als nach einigen Jahren der metallicbraune Ford Granada 2.5i  seinen Ablöser finden sollte, legten wir also mit noch mehr Elan los. Leider ohne größere Geldfunde. Das wiederholte sich ein paar Mal. Und so habe ich heute den leisen Verdacht, der erste Schatz war vielleicht doch kein Zufall, sondern gezielt platzierter Motivator. Er hätte sich über die Jahre für den "Verkäufer" bezahlt gemacht.

Matthias Jahn, Geschäftsführer Sould: 2+ oder 3-

Mathias Jahn
Mathias Jahn (Bild: Sould)
Das Schöne am Thema Gebrauchtwagenhandel ist ja das Gefühl, mit Gleichgesinnten zu reden: Im Ansehen der Berufe stehen Werber etwa auf einer Stufe mit Versicherungsvertretern, Call-Center-Mitarbeitern und eben Gebrauchtwagenhändlern, das verbindet ungemein. Allerdings sind die Händler eben Vollblut-Händler und die Kreativen, nun ja, erzählen dann gern mal die Story vom letzten Dreh in Kapstadt. Dass das die anschließenden Verhandlungen nicht gerade erleichtert, habe ich zu spät gemerkt. Es ging um einen Peugeot 504 V6 Coupé von 1976. Leider wurden wir uns nicht darüber einig, ob der Gesamtzustand eine 2+ oder eine 3- ist. Händler verkaufen wohl öfter Autos, als ich welche kaufe, das bringt eine gewisse Routine im Abschmettern ehemals guter Argumente mit sich. Den Wagen habe ich dann trotzdem gekauft - etwa 2000 D-Mark zu teuer. Seitdem versuche ich, ehemalige Gebrauchtwagenhändler als Berater einzustellen. Hat aber nie geklappt. Ich glaube, das Gehalt war ihnen zu niedrig.
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