Gastkommentar Warum der GPRA-Pitchblog falsch ist

Montag, 19. Mai 2014
Bodo Bimboese: "GPRA geht zurück ins Mittelalter" (Foto: Markenzeichen)
Bodo Bimboese: "GPRA geht zurück ins Mittelalter" (Foto: Markenzeichen)
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Pitchblog Gastkommentar Thomas Strerath


In der vergangenen Woche hat die Gesellschaft Public Relations Agenturen (GPRA) den Pitchblog gestartet. Mit der Online-Plattform will sich die PR-Agenturlobby für faire und transparente Pitches einsetzen. Im Pitchblog werden Ausschreibungen mit zweifelhaften Rahmenbedingungen veröffentlicht - unter Nennung der jeweiligen Auftraggeber. Den Agenturen, die entsprechende Hinweise geben, wird Anonymität zugesichert. Bei Bodo Bimboese, Chef der Agentur Markenzeichen und Ex-GPRA-Vize, kommt das nicht gut an. In einem Gastkommentar für HORIZONT.NET formuliert er seine Bedenken.

Nur Transparenz ist das adäquate Mittel gegen Intransparenz

Die GPRA ist mit ihrem Pranger, an den öffentliche Institutionen und Unternehmen im Falle "unsauberer" Pitches gestellt werden sollen, zu weit gegangen. Oder besser gesagt: Zu kurz gesprungen. Ja, es ist mehr als ärgerlich, wenn Unternehmen zu unbezahlten Pitches einladen, mit unrealistischen Timings, reine Pro-forma-Pitches starten oder lediglich Idea-Fishing betreiben wollen. Das kennen wir schließlich alle zur Genüge.

Aber wenn das für die GPRA - mit Recht - so ein großes Thema ist, dann stellt sich doch zunächst die Frage, warum das Präsidium zugleich so sehr gegen die Pitchberater schießt, die eben eine gewisse Professionalität qua Job garantieren und es sogar vollbringen, Unternehmen unrealistische oder völlig überzogene Pitchprozesse auszureden. Richtig ist, Missstände anzusprechen und öffentlich zu machen, solange alle anderen Versuche, für faireres und kooperativeres Pitchgehabe zu sorgen, scheitern. Wie gut das funktionieren kann, hat uns unter anderem Thomas Strerath im Falle Deichmann-Jubiläum vorgemacht. Das hat Größe, das hat Wirkung.

Bodo Bimboese: Mit einem anonymen Pranger stößt sich die GPRA zurück ins Mittelalter. “
Mit einem anonymen Pranger jedoch stößt sich die GPRA zurück ins Mittelalter. Haben wir Agenturen es wirklich nötig, auf Intransparenz mit noch mehr Intransparenz zu reagieren und dem "Tipp-Geber", wie der Club die Denunzianten euphemistisch nennt, den Deckmantel der Anonymität überzuwerfen? Ich habe mich beim Lesen doch sehr fremd geschämt. Statt dem kleinlichen Duckmäusertum sollten wir aufstehen, selbstbewusst und mit offenem Visier für Verbesserungen kämpfen. Und wenn sich dann doch Agenturen finden, die sich solchen Pitchbedingungen mit Haut und Haaren unterwerfen, dann lasst sie doch machen -- mit diesen Kunden werden sie sicher nicht lange glücklich. Oder erfolgreich.

Man kann es aber auch anders machen. Souverän, clever, umsichtig. Dem GPRA-Präsidium empfehle ich, den Dialog mit den Pitchberatern zu intensivieren. Bei ihnen steht das Thema "faire Pitches" ebenfalls weit oben auf der Agenda. Anstelle jedoch lediglich mit nacktem Finger auf die schwarzen Schafe zu zeigen, beschäftigt man sich hier auch mit den positiven Beispielen und zeigt beiden Seiten, Agentur und Kunden, wie es besser oder gar richtig geht. Oder wirft einen Blick hinter die Kulissen und auf die Motivationen der Einkäufer, die bekanntlich an der Entwicklung der hiesigen Pitchkultur nicht ganz unbeteiligt sind.

Nun, dafür müsste man jedoch seine Berührungsängste überwinden und über seinen eigenen Schatten springen. Oder man springt doch weiterhin ein Stück zu kurz. Wenn wir Veränderungen wollen müssen wir vorangehen - und eben nicht zurück. Bodo Bimboese 
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