GWA-Herbstmonitor Agenturen bleiben optimistisch wie immer

Donnerstag, 23. Oktober 2014
GWA-Präsident Wolf-Ingomar Faecks relativiert die Prognose der Mitglieder
GWA-Präsident Wolf-Ingomar Faecks relativiert die Prognose der Mitglieder
Foto: Foto: Sapient Nitro

Allerorten werden gerade die Konjunkturprognosen für das laufende und nächste Jahr kassiert beziehungsweise nach unten korrigiert. Die nicht zu Schwarzmalerei neigende Bundesregierung geht für 2014 nur noch von einem Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent aus, 2015 erwartet sie ein Plus von 1,3 Prozent. Nichtsdestotrotz halten die im Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA organisierten Firmen an ihrem Optimismus fest.
Für 2015 gehen die GWA-Agenturen von einer satten Umsatzsteigerung von durchschnittlich 8,1 Prozent (!) aus. Selbst wenn man die aktuelle Inflationsrate von einem Prozent abzieht, bleibt unter dem Strich immer noch eine erstaunliche Wachstumserwartung. Ein genauerer Blick auf die Umfrage zeigt allerdings, dass die Agenturen zumindest in Bezug auf 2014 etwas vorsichtiger geworden sind. Statt von einem durchschnittlichen Umsatzplus in Höhe von 7,4 Prozent - wie bei der Befragung im Frühjahr - erwarten sie für das laufende Jahr "nur" noch einen Zuwachs von 5 Prozent. Zuzulegen scheinen laut GWA dabei vor allem die größeren Agenturen. Die Umsatzrendite hat sich zuletzt rückläufig entwickelt. Statt 10,2 Prozent (wie 2013) erwarten die Umfrageteilnehmer für dieses Jahr eine Marge von 9,8 Prozent. Im Frühjahr lag die Schätzung noch bei 12,8 Prozent. Ein Grund für den schlechteren Wert könnte sein, dass die Kunden schlicht weniger Geld bezahlen, ein anderer, dass Agenturen verstärkt in Neugeschäft und Personal investieren. So haben bei 55 Prozent der Befragten die Personalkosten zugenommen, 61 Prozent geben an, mehr Personal zu beschäftigen als im Vorjahr. Auf der anderen Seite sagen mit 40 Prozent allerdings etwas weniger Agenturen als zuletzt (42 Prozent), dass die Gesamtkosten gestiegen sind. Immerhin 30 Prozent geben an, dass die Kosten sogar abgenommen haben.

Ein Sonderthema des Herbstmonitors ist der Mindestlohn für Praktikanten. Die Ergebnisse sind wenig überraschend: Über 70 Prozent der Befragten sind sich einig, dass der Mindestlohn "ein funktionierendes System für Berufs- und Quereinsteiger gefährde." 65 Prozent gehen davon aus, dass der gesetztliche Mindestlohn zu einem Abbau von Praktikantenstellen führen wird. Gleichzeitig sagen zwei Drittel, dass ihr Geschäftsmodell nicht vom Mindestlohn für Praktikanten betroffen ist.

Am GWA-Herbstmonitor haben sich 74 der 106 Mitgliedsagenturen beteiligt. Das entspricht einer Quote von 70 Prozent. Die Befragung lief von Anfang September bis Anfang Oktober. mam

Update: Bei der Pressekonferenz zum GWA-Monitor hat Verbandschef Wolf-Ingomar Faecks erklärt, dass er die Wachstumsprognose von 8,1 Prozent für das Jahr 2015 für zu hoch hält. Es falle schwer, diese Zahl mit der allgemeinen Konjunkturentwicklung in Übereinstimmung zu bringen. "Es wirkt fast ein bisschen so, als würden einige Agenturen auf einer Insel der Glückseeligen leben", so Faecks. Für realistisch hält er einen um 2 bis 3 Prozentpunkte niedrigeren Wert. Um den Monitor aussagekräftiger und repräsentativer für die gesamte Branche zu machen, sollen bei künftigen Erhebungen die Angaben der Agenturchefs in den Kontext weiterer Konjunkturdaten gestellt werden.
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