GWA Agenturen legen um 6,5 Prozent zu / Effie-Untersuchungsbericht kommt nächste Woche

Dienstag, 15. März 2016
GWA-Chef Wolf Ingomar Faecks
GWA-Chef Wolf Ingomar Faecks
Foto: Sapient Nitro

Der Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA hat die halbjährliche Konjunkturumfrage unter seinen Mitgliedsfirmen veröffentlicht. Das Ergebnis: Die Umsätze der Agenturen sind im vorigen Jahr im Schnitt um 6,5 Prozent gestiegen. Das ist etwas weniger als 2014 (7,8 Prozent), aber mehr als im letzten Herbstmonitor vorhergesagt. Damals gingen die Befragten von einem Wachstum von 5,8 Prozent aus.
Am aktuellen Frühjahrsmonitor haben sich 69 von 102 Mitgliedern beteiligt. Mehr als zwei Drittel von ihnen melden für 2015 höhere Umsätze. 27 Prozent verzeichnen Umsatzrückgänge. Mit Blick auf einzelne Branchen erzielten vor allem die Agenturen die größten Umsatzzuwächse, die Kunden aus dem Automobilsektor betreuen (plus 7,2 Prozent). Dahinter rangieren die Agenturen mit Kunden aus den Bereichen Finanzdienstleistungen (plus 6,4 Prozent) und Nahrungs- und Genussmittel (plus 4,7 Prozent). GWA-Präsident Wolf Ingomar Faecks sagte bei der Vorstellung der Daten, es zeichne sich ab, dass die großen Agenturen stärker zulegen können als die kleinen. "Nischenaufstellungen funktionieren nicht mehr so gut wie früher. Außerdem führt die weitere Globalisierung des Geschäfts dazu, dass die kleinen Anbieter abgehängt werden", so Faecks. Er steht im Hauptberuf an der Spitze der Agentur Sapient Nitro, die zum Publicis-Konzern gehört.
„Nischenaufstellungen funktionieren nicht mehr so gut wie früher. “
Wolf Ingomar Faecks
Auf die Abfrage der Rendite hat der GWA im Frühjahrsmonitor verzichtet, ebenso auf die Prognose einer Wachstumsrate für das laufende Geschäftsjahr. "Wir wollten die Einstiegsschwelle so weit wie möglich absenken, damit sich möglichst viele Mitglieder an der Umfrage beteiligen", erläutert Faecks. Aufgegangen ist diese Rechnung nicht. Die Beteiligungsquote bleibt mit rund zwei Dritteln gleich. Einen Hinweis zur Geschäftserwartung 2016 enthält der Monitor aber doch. 62 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sie in diesem Jahr höhere Umsätze erzielen werden als 2015. Das ist eine deutliche Eintrübung. Bei der Befragung im Herbst vorigen Jahres waren noch 84 Prozent von höheren Umsätzen ausgegangen.

Weniger Optimismus zeigt auch die Auswertung des europäischen Geschäftsklima-Index für die deutsche Werbebranche, die erstmals Teil des Frühjahrsmonitors ist. Deutlich rückläufige Investitionen erwarten die Befragten demnach unter anderem in der für ihr Geschäft wichtigen Automobilbranche. Hier herrsche eine düstere Stimmung, so GWA-Chef Faecks, der unter anderem mit Einbrüchen bei den Werbeaktivitäten von Volkswagen rechnet. "Derzeit wird noch viel überlagert von den Investitionen in die Imagepflege. Wenn es aber die ersten Strafzahlungen gibt, werden die Werbegelder drastisch reduziert", sagt der Verbandschef voraus.

Noch keine neuen Erkenntnisse gibt es in der Effie-Affäre. Zwar hat die Kanzlei Oppenhoff & Partner inzwischen ihre Untersuchung beendet und den Abschlussbericht vorgelegt. Diesen will der GWA allerdings noch nicht veröffentlichen, sondern erst mit dem Verbandsvorstand und den Betroffenen die Inhalte sowie das weitere Vorgehen absprechen. Nach Auskunft von Präsident Faecks soll die Öffentlichkeit anschließend informiert werden, voraussichtlich in der kommenden Woche. Die Untersuchung wird von den beiden Vorständen Wolfgang Pachali (Wefra) und Thomas Eickhoff (Grabarz & Partner) koordiniert.

Zur Erinnerung: In der Sache geht es darum, ob der frühere GWA-Vizepräsident und Effie-Jurychef Thomas Strerath bei der nachträglichen Vergabe eines goldenen Effie an seine Agentur Jung von Matt (für Astra) die Regeln verletzt hat. Entsprechende Vorwürfe hatte Scholz & Friends-Chef Frank-Michael Schmidt in einem offenen Brief erhoben. mam
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