GPRA Vertrauensindex Facebook und Yahoo fallen durch, Wikipedia räumt ab

Dienstag, 05. Dezember 2017
So wirbt Facebook in eigener Sache
So wirbt Facebook in eigener Sache
© Facebook

Seit gut einem Jahr versucht Facebook, sein ramponiertes Image mit einer massiven Werbekampagne aufzupolieren. Doch der Effekt hält sich offenbar in Grenzen. Das legt zumindest eine repräsentative Umfrage des GPRA nahe. Im sogenannten Vertrauensindex des Verbandes der Kommunikationsagenturen schneidet das Social Network mit Abstand am schlechtesten ab. Das größte Vertrauen bringen die Deutschen mit Wikipedia einem nichtkommerziellen Anbieter entgegen.
Die anhaltende Debatte um Fake News, Social-Media-Mobbing und Meinungsmanipulation haben hierzulande deutliche Kratzer am Image des weltgrößten Social Networks hinterlassen. Laut der repräsentativen Erhebung, für die der GPRA vom 9. bis 11. Oktober 2017 gut 1000 Deutsche ab 14 Jahren befragt hat, hat Facebook hierzulande ein veritables Vertrauensproblem.

Vertrauen in den Datenschutz von Internet-Unternehmen

Quelle: GPRA
Bei den Themen "Ehrlichkeit der Aussagen" (hier vertrauen lediglich 22 Prozent der Befragten Facebook) sowie "Verantwortliches Handeln" (21 Prozent) und die "Einhaltung des Datenschutzes" (18 Prozent) schneidet kein Unternehmen schlechter ab als Facebook (siehe Charts). Nicht viel besser beurteilen die Deutschen Facebook in Sachen "Qualität und Service". Hier geht die rote Laterne zwar an Yahoo mit einem Wert von 35 Prozent. Doch auch in dieser Kategorie muss sich Facebook mit dem vorletzen Platz begnügen. 

Vertrauen in verantwortliches Handeln von Internet-Unternehmen

Quelle: GPRA
Aus Sicht von Thorsten Hebes, Geschäftsführer von Serviceplan PR & Content, ist Facebooks Vertrauenskrise hausgemacht. Der Internetriese reagiere immer erst, wenn etwas passiert sei, aber nie im Vorfeld. Erst jetzt, im Schatten staatlicher Untersuchungen zu möglichen Wahlkampfmanipulationen in den USA und nach jahrelangen Diskussionen über Fake News und Social-Media-Mobbing auf seinen Plattformen, bewege sich das Unternehmen. "Schweigen und Aussitzen sind niemals eine echte Handlungsoption. Im Gegenteil: Nur der schnelle und konsequente Dialog mit den Usern und der Öffentlichkeit hilft, Vertrauen aufzubauen und zu sichern. Hier haben viele Unternehmen gewaltigen Nachholbedarf", sagt Hebes, der beim GPRA den Vertrauensindex verantwortet. 

Vertrauen in den Qualität und Service von Internet-Unternehmen

Quelle: GPRA
Google, das hierzulande aufgrund andauernder Streitigkeiten mit der EU-Kommission ebenfalls immer wieder in die Schlagzeilen gerät, steht bei den Deutschen offenbar deutlich besser da. So liegt der Suchriese beim Thema "Ehrlichkeit der Aussagen" mit stolzen 56 Prozent auf Rang 2. Dieselbe Position erreicht Google beim Thema "Verantwortliches Handeln". Immerhin 48 Prozent der Befragten vertrauen Google in diesem Punkt. Lediglich bei den Themen "Qualität und Service" (Rang 4) und Datenschutz (Rang 5) gibt es für Google Luft nach oben. Vor dem Hintergrund, dass Google am meisten Daten über Internet-Nutzer sammelt und verarbeitet, kann sich das Ergebnis allerdings mehr als sehen lassen. 

Beim Thema Datenschutz liegen erwartungsgemäß die E-Commerce-Riesen vorn. Amazon erobert hier mit einer Zustimmung von 51 Prozent Rang 1, Ebay mit 48 Prozent Rang 2. 

„Fakt ist, das Vertrauen in Facebook und Co ist nachhaltig beschädigt.“
Thorsten Hebes
Das mit Abstand beste Image hat hierzulande Wikipedia. Stolze 71 Prozent der Befragten bezeichnen die Aussagen der nichtkommerziellen Website als ehrlich. 64 Prozent finden, dass Wikipedia verantwortlich handelt, 66 Prozent loben "Qualität und Service" von Wikipedia. Auch beim Thema Datenschutz (47 Prozent) schneidet Wikipedia ordentlich ab.

Dagegen kommen Kommunikations- und Nachrichten-Plattformen ebenfalls nur auf geringe Vertrauenswerte. Trotz hoher Zugriffszahlen konnte sich T-Online nur im Mittelfeld platzieren, während es für Web.de und Gmx.de jeweils Werte im unteren Drittel gab. mas
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