Fusion geplatzt Omnicom und Publicis blasen Merger ab

Freitag, 09. Mai 2014
Herbe Schlappe für John Wren (l.) und Maurice Levy
Herbe Schlappe für John Wren (l.) und Maurice Levy

Was sich in den letzten Wochen bereits andeutet hat, ist jetzt Realität: Die geplante Fusion der beiden Werbeholdings Publicis und Omnicom kommt nicht zustande. Wie die beiden Unternehmen in einer gemeinsamen Presseerklärung mitteilen, hat man sich in gegenseitigem Einvernehmen darauf verständigt, den Merger abzubrechen. Als Grund werden Probleme genannt, "die Transaktion in einem vernünftigen Zeitrahmen abzuschließen". Beide Seiten entbinden sich gegenseitig von den Verpflichtungen, die durch die Absage des Mergers entstehen. So muss weder Publicis noch Omnicom die für diesen Fall vertraglich fixierte Strafzahlung von 500 Millionen US-Dollar leisten. Die Entscheidung, den Deal ad acta zu legen, wurde von den Gremien beider Unternehmen einstimmig verabschiedet.

In dem gemeinsamen Statement erklären die Konzernchefs John Wren (Omnicom) und Maurice Levy (Publicis): "Die Herausforderungen, die es noch zu bewältigen galt, sowie der langsame Fortschritt haben für eine Unsicherheit gesorgt, die den Interessen beider Gruppen sowie ihrer Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre schadet. Deswegen haben wir gemeinsam entschieden, unabhängige Wege zu gehen. Wir bleiben natürlich Wettbewerber, aber bewahren großen Respekt voreinander."

Für Wren und Levy ist die Absage nicht nur peinlich, sondern auch eine herbe persönliche Schlappe. Beide hatten den Merger Ende Juli 2013 mit großer Geste bei einer Pressekonferenz über den Dächern von Paris angekündigt. Ursprünglich war vorgesehen, die Fusion bis Ende vorigen Jahres abzuschließen. Allerdings stellte sich bald heraus, dass dieses Timing unrealistisch war - trotz schneller Genehmigung durch die EU-Behörden. Später war von einem Abschluss im 1. Quartal, dann vom 3. Quartal 2014 die Rede. Zuletzt wurde gar kein fester Zeitpunkt mehr genannt. Probleme gab es unter anderem mit der Freigabe durch die chinesischen Kartellbehörden sowie bei steuerrechtlichen Fragen. Außerdem konnten sich die beiden Unternehmen wohl nicht auf die Besetzung zentraler Führungspositionen, wie zum Beispiel den Finanzchef, und den formalen Ablauf des Zusammengehens einigen.

Die verantwortlichen Akteure bemühen sich um Schadensbegrenzung. Publicis-Chef Levy betont, der Merger sei "immer eine Chance und nie ein Muss" gewesen. Dennoch sei die Entscheidung, den Prozess jetzt abzubrechen weder erfreulich noch leicht zu treffen, aber notwendig. Wie groß der Imageschaden ist, den die beiden CEOs nehmen werden, bleibt abzuwarten. Bislang stehen sie unangefochten an der Spitze ihrer jeweiligen Unternehmen. Mit dem geplatzten Merger ist ihr Nimbus allerdings angekratzt. Sowohl Wren als auch Levy haben die Situation falsch eingeschätzt - und das über einen langen Zeitraum. Hinzu kommt, dass auf beiden Seiten erhebliche Kosten durch das bisherige Mergerverfahren entstanden sind. Das dürfte den Aktionären nicht gut gefallen. Publicis hat für heute Vormittag eine Telefonkonferenz angesetzt.

An dem Sinn der vorgesehenen Fusion waren zuletzt immer mehr Zweifel aufgekommen. Außer im Mediabereich war nicht klar, welche Vorteile der Deal Kunden und Mitarbeitern bringen sollte. Lachender Dritter bei dem Ganzen ist WPP-Chef Martin Sorrell. Er bleibt mit seiner Gruppe jetzt die Nummer 1 unter den Werbeholdings. Sorrell hatte sich von Anfang an skeptisch zu den Fusionsplänen geäußert und zuletzt immer wieder auf die ungelösten Probleme hingewiesen. Auch persönlich dürfte ihm die Niederlage der Rivalen ein Vergnügen sein: Sorrell gilt nicht gerade als Freund von Levy und Wren. mam
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