Friedrich von Zitzewitz "Es gibt schon genug Quatschköpfe in unserer Branche"

Freitag, 06. Januar 2017
Friedrich von Zitzewitz
Friedrich von Zitzewitz
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Friedrich von Zitzewitz Jürgen Kersting Serviceplan


Seit Anfang dieser Woche ist Friedrich von Zitzewitz, Ex-Kreativchef von Plan.Net und danach Mitglied des Creative Boards von Serviceplan, als Teilhaber bei der Hamburger Agentur Johannsen und Kersting an Bord. Mit seinem Einstieg firmiert die Agentur um und trägt künftig auch seinen Namen im Label. Der 48-Jährige löst den bisherigen Kreativchef Jürgen Kersting ab. Im Interview erklärt er, was ihn an der neuen Aufgabe reizt.
Herr von Zitzewitz, wieso wechselt man als einer der führenden Kreativen bei Deutschlands größter Inhaberagentur Serviceplan zu einer Agentur, die kaum jemand kennt?
Ich habe ja nicht bei der größten Inhaberagentur gearbeitet, weil sie die größte Inhaberagentur ist, sondern weil die Aufgaben spannend waren. Nach fast zehn Jahren musste aber noch mal etwas Neues passieren. Ein Wechsel in eine andere Großagentur hätte das nicht erfüllt, denn viele von denen kenne ich schon. Einige Ihrer Kollegen reizt eine Aufgabe im Ausland. Sie nicht?
Doch, durchaus, zumal ich mich da noch nicht ausprobiert habe. Aber mit einer fünfköpfigen Familie ist dieser Schritt nicht so leicht. Zwei Teenager reißt man nicht so einfach aus ihrem sozialen Umfeld. Wir haben es in meiner Zeit als Plan.Net-Kreativchef ja noch nicht mal nach München geschafft – für einen Hamburger ist das fast wie Ausland.

Also warum dann Johannsen und Kersting – nur wegen Hamburg?
Nein. Zum einen wollte ich etwas Eigenes machen, selbstbestimmt und unabhängig. Zum anderen kenne ich die Agentur durch meinen Bruder, der hier seit vielen Jahren arbeitet. Wir haben schnell festgestellt, dass die Konstellation gut passt.

Was genau meinen Sie?
Mir gefällt, wie hier die Dinge angepackt werden. Die Agentur rennt nicht jedem Trend hinterher, sondern überlegt erst, wie das Problem lautet und welche Lösung es dafür gibt. Es gibt schon genug Quatschköpfe in unserer Branche, die immer neue Buzzwords erfinden, denen sie dann hinterherhecheln müssen.

Nicht jede neue Entwicklung ist zwangsläufig nur ein Buzzword.
Das stimmt. Aber wir alle haben uns in den letzten Jahren viel zu sehr auf einzelne Mechaniken und Umsetzungstechniken konzentriert, vor allem im Digitalen. Dabei ist aus dem Blick geraten, was das eigentliche Produkt von Agenturen ist: gute Ideen, Bilder und Texte.

Sie treten also nicht an, um einer eher traditionell aufgestellten Agentur digitale Impulse zu geben?
Wie gesagt, wir müssen uns auf unser Handwerk konzentrieren, unabhängig von den Kanälen. Nur so wird man der eigentlichen Aufgabe von Kommunikation gerecht. Und so wie die Agentur aufgestellt ist, haben wir eine sehr gute Basis, auch wenn wir an der digitalen Flanke das eine oder andere ergänzen können. Dennoch: Digital ist hier kein weißer Fleck, von dem noch keiner gehört hat.

Was wollen Sie denn als Erstes anpacken?
Ein Feld, das ich stärker beackern möchte, ist alles rund um das Thema Bewegtbild. Hier wollen wir die Kompetenzen ausbauen, indem wir unsere Mitarbeiter trainieren und bei Bedarf auch Partner reinholen. Ich kenne in diesem Bereich sehr viele Leute. Vor allem haben wir Kunden, für die das interessant ist.

Bei Serviceplan haben Sie viele Pitches geführt. Wollen Sie auch hier das Neugeschäft ankurbeln? Natürlich wollen wir wachsen und Neugeschäft gewinnen. Aber bei einer Agentur dieser Größe wäre es fatal, jeden Monat in einen Pitch zu laufen. Das würde den Laden aus der Kurve tragen.
Interview: mam
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