Frauenquote Gesetz für Aufsichtsräte – Agenturen und Leitmedien hinken hinterher

Mittwoch, 26. November 2014
Superfrauen haben noch lange keinen Superjob
Superfrauen haben noch lange keinen Superjob
Foto: Danomyte_Fotolia

In den größten deutschen Unternehmen soll ab 2016 jeder dritte Aufsichtsratsposten mit einer Frau besetzt sein. Das hat die schwarz-rote Koalition beschlossen. Unternehmen, die nicht mitziehen, werden sanktioniert. Können sie keine geeignete Kandidatin finden, bleibt der Posten unbesetzt – soweit die gemeinsame Erklärung der beiden SPD-Minister Manuela Schwesig (Frauen) und Heiko Maas (Justiz). Von einer solchen Regelung können Frauen in der Kommunikationsbranche nur träumen.

In Agenturen ist in den vergangenen Jahren der Anteil von Frauen in Führungspositionen sogar gesunken. Laut der HRM-Studie des Gesamtverbands Kommunikationsagenturen (GWA) sind die Frauen zwar klar in der Überzahl in Agenturen – sie stellen 62 Prozent der Mitarbeiter. Zu sagen haben sie aber deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen, denn die sitzen wesentlich häufiger im Chefsessel: Nur 12,1 Prozent der Frauen aber 27,4 Prozent der Männer arbeiten bei den Dienstleistern in Führungspositionen.

Der Anteil von Frauen in Führungspositionen ist in den vergangenen fünf Jahren auf allen hierarchischen Levels zurückgegangenen: Waren 2009 noch 4 Prozent der Frauen im General Management tätig, sind es 2014 nur noch 2,9 Prozent. Im mittleren Management ist die Zahl von 12 auf 9 Prozent und auf der Ebene der Team- beziehungsweise Projektleiter von 25 auf 23,5 Prozent zurückgegangen. Einzig in der Gruppe der Mitarbeiter ohne Personalverantwortung ist die der Anteil weiblicher Mitarbeiter gestiegen, von 46 auf rund 57 Prozent.

Auch die deutschen Leitmedien sind größtenteils weit davon entfernt, ihren hochqualifizierten weiblichen Mitarbeitern dieselbe Förderung angedeihen zu lassen wie deren männlichen Kollegen. Anders lässt es sich jedenfalls nicht erklären, dass einzig die „Zeit“ mit 35,5 Prozent weiblichen Führungskräften die 30-Prozent-Hürde geschafft hat, die die Journalistinnen-Initiative Pro Quote seit Jahren fordert. Laut der regelmäßigen Erhebung von Pro Quote, die zuletzt im Juni 2014 den Anteil von Frauen in den Chefsesseln von Titeln wie „Stern“, „Bild“, „Spiegel“ und „Süddeutsche“ erhoben hat, sind zwar immerhin überall mittlerweile wenigsten mehr als 10 Prozent der Führungsposten mit Frauen besetzt. Aber die „Welt“ rangiert beispielsweise mit 11,3 Prozent auf dem aktuell letzten Platz, den lange die „Süddeutsche“ innehatte. Dort hat man sich mittlerweile immerhin auf 14,5 Prozent vorgearbeitet. ems

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