Frank-Michael Schmidt zur Effie-Affäre "Niemand kann sich wirksam selbst zum Gesetz erklären"

Donnerstag, 31. März 2016
Scholz & Friends-Chef Frank-Michael Schmidt
Scholz & Friends-Chef Frank-Michael Schmidt
Foto: Scholz & Friends

Kurz vor Ostern hat der GWA das Rechtsgutachten der Kanzlei Oppenhoff & Partner zur Effie-Affäre veröffentlicht. Das inzwischen allseits bekannte Ergebnis: Philipp und Keuntje darf den goldenen Effie für Astra trotz Einsendefehlern behalten. Die nachnominierte Agentur Jung von Matt nicht. Sie hat den Award nach Auffassung der Anwälte nie gewonnen. Das festzustellen, war das zentrale Anliegen von Scholz & Friends-Chef Frank-Michael Schmidt, der die Untersuchung mit seinem offenen Brief Ende vorigen Jahres ins Rollen brachte. Im Interview erläutert er, wie er das Prüfergebnis und die Reaktion von Jung von Matt darauf beurteilt.
Das Rechtsgutachten des GWA gibt Ihnen in wesentlichen inhaltlichen Punkten Recht. Empfinden Sie Genugtuung?
Meine Initiative war mit konkreten Forderungen verbunden. Diese sind durch das GWA-Gutachten und seine Konsequenzen vollständig erfüllt. Die Anstrengungen des Jury-Vorsitzenden, die im Ergebnis dazu führten, seine Agentur öffentlich mit einem goldenen Effie zu "belohnen", sind allesamt für irregulär erklärt worden. Es ist eine gute Nachricht für die Branche, dass der GWA die Kraft zur Aufklärung hatte und nun unmissverständlich klargestellt ist, dass definierte Regeln gelten und sich niemand wirksam selbst zum Gesetz erklären kann. Es war also richtig, die Vorwürfe in einem offenen Brief zu formulieren?
Es war richtig, auf Aufklärung zu drängen. Ich hatte keine interne Chance mehr gesehen; deshalb die Entscheidung, das Thema öffentlich zu machen. Ohne meine Initiative wäre die irreguläre Vergabe bis heute wahrscheinlich weder der Effie-Jury noch dem GWA-Vorstand noch der Fachöffentlichkeit bekannt.

Im Gutachten steht aber auch, dass die Einreichung von PuK teilweise fehlerhaft war. Spielt das für Sie gar keine Rolle?
Das spielt für die Rechtslage keine Rolle. Aber nicht nur formaljuristisch, sondern auch moralisch hat Philipp und Keuntje nach 16 Jahren exzellenter Arbeit für Astra den goldenen Effie verdient. Spätestens jetzt ist Zeit für eine große Gratulation statt kleinlicher Kommentare.

Jung von Matt betont, dass sich keine Anhaltspunkte für Vorwürfe wie Amtsmissbrauch, Täuschung, Bedrohung und Manipulation ergeben haben. Müssen Sie sich bei Herrn Strerath entschuldigen?
Ich habe strenge Kritik an einem Jury-Präsidenten geübt, der sowohl die Regeln als auch seine eigene Befangenheit übersehen hat. Meine These lautete, dass die Verleihung des goldenen Effie an Jung von Matt nicht regelkonform erfolgt und damit unwirksam ist. Das alles ist durch das Gutachten von Oppenhoff & Partner bestätigt worden. Wofür sollte ich mich entschuldigen?
Thomas Strerath
Bild: Alexander Hassenstein / Getty Images

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Nun, das Gutachten rügt keine Compliance-Verstöße.
Weil sie nicht Gegenstand der juristischen Untersuchung waren und damit durch das Gutachten weder bestätigt noch entkräftet werden konnten. Individuelles Fehlverhalten sowie mögliche Rechtsfolgen standen nicht im Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses. Aus der nicht erfolgten Prüfung einen Freispruch abzuleiten, ist eine durch die Fakten des Gutachtens in keiner Weise gedeckte Schlussfolgerung.

Die Agentur kündigt an, auf mögliche juristische Schritte gegen Sie zu verzichten. Hatten Sie Angst, verklagt zu werden?
Zu keinem Zeitpunkt. Angst ist – ebenso wie Gier – kein guter Ratgeber. Der Versuch, meine begründete Kritik an der irregulären Vergabe des goldenen Effie auf die Ebene einer persönlichen Auseinandersetzung zu ziehen, ist gescheitert. Glücklicherweise leben wir in einem Land, in dem die Geltung von Regeln ein hoher Wert und die Meinungsfreiheit ein hohes Gut sind. Niemand sollte Angst haben, wenn er auf Missstände hinweist und niemand sollte schweigen, wenn es darum geht, Fairplay einzufordern.

Jung von Matt erweckt in seiner Pressemitteilung den Eindruck, die eigenen Ziele zumindest teilweise erreicht zu haben. Wie sehen Sie das?
Es steht jedem frei, eine Niederlage als Erfolg und implizit festgestelltes Fehlverhalten als Freispruch zu interpretieren. Auch das deckt die Meinungsfreiheit. Glauben muss man es deswegen noch lange nicht. Man darf auch sprachlos darüber staunen.
Interview: Mehrdad Amirkhizi

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Anmerkung der Redaktion: Thomas Strerath hat das Angebot, auch mit ihm ein Wortlautinterview zum Ausgang der Effie-Affäre und der Position von Jung von Matt zu führen, dankend abgelehnt.
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