Frank Behrendt zur Agenturdebatte "Ich meine das nicht nur so, ich lebe das"

Mittwoch, 07. Oktober 2015
Agenturchef Frank Behrendt, Fischer-Appelt, bleibt bei seinen Tipps für ein entspanntes Berufsleben
Agenturchef Frank Behrendt, Fischer-Appelt, bleibt bei seinen Tipps für ein entspanntes Berufsleben
Foto: John M.John/fischerAppelt
Themenseiten zu diesem Artikel:

Frank Behrendt Agenturdebatte fischerAppelt AG


Kritik an seinen "Ratschlägen, wie man locker durchs (Berufs)leben kommt", ficht Frank Behrendt nicht an. Der Fischer-Appelt-Chef steht dazu und lädt auch seine kritischen Mitarbeiter zur Diskussion ein, erklärt er im Interview mit HORIZONT Online.

Wie ernst meinen Sie, was Sie in "10 ernsthafte Ratschläge, wie man locker durch (Berufs)leben kommt!" formuliert haben? Das meine ich nicht nur so, ich lebe das. Aber um das auch nochmal ganz klar zu sagen: Das ist kein Allheilmittel für alle und jeden, es ist MEIN Weg. Den habe ich jetzt mal geteilt - gedacht eher als Insider für die kleine feine Clap-Community, nun ist es ein großes Thema geworden. So geht das heute in der digitalen Welt, da wird man selbst als Kommunikationsprofi auch mal richtig überrascht.  Meine Tipps sind eher als Impuls zu verstehen, nicht als Copy-Paste-Vorlage. Wenn der eine oder andere dann etwas an seinem Status Quo verändert und seine persönliche Balance etwas mehr ins Gleichgewicht bekommt freut mich das sehr.

Wie haben Kunden Ihrer Agentur auf das Papier reagiert? Ich habe extrem viel positive Resonanz bekommen. Viele Kunden kennen mich zudem seit vielen Jahren, die wissen dass ich zu 100 Prozent so bin und vielleicht sind sie ja auch gerade deshalb meine Kunden.
„Viele Kunden kennen mich zudem seit vielen Jahren, die wissen dass ich zu 100 Prozent so bin und vielleicht sind sie ja auch gerade deshalb meine Kunden.“
Frank Behrendt
Und Ihre Mitarbeiter? Es ist alles dabei an Reaktionen – und das ist völlig okay. Ich hab die Tipps schließlich nicht aufgeschrieben, um intern beklatscht zu werden. Jeder der Lust hat sich damit auseinanderzusetzen kann das tun. Und wer mit mir drüber sprechen oder diskutieren will – meine Tür steht immer offen. Und da ich keiner bin der große Distanz aufbaut, passiert das auch fortlaufend. Die Mitarbeiter sind ja auch alle in sozialen Netzwerken unterwegs, werden von Freunden, Kollegen, Eltern - sogar Oma und Opa wie ich gerade erfuhr - angesprochen. Plötzlich ist der Chef kein abstrakter Vertreter einer Hierarchiebene mehr – sondern ein Mensch auf Augenhöhe. Damit fühle ich mich ehrlich gesagt sehr wohl.

Sollen Ihre Mitarbeiter ihren Job wirklich nicht lieben? Wie viel Engagement erwarten Sie von ihnen? Ich bleibe dabei: Ich liebe Menschen und keinen Job. Trotzdem mache ich ja meinen Job sehr gerne, hoch professionell und auch mit Leidenschaft. Aber ich persönlich finde, es braucht Distanz zwischen der Arbeit und dem engsten privaten Umfeld. Aber nochmal: Wenn es andere anders halten und ihren Job lieben, völlig okay. Was meine Erwartungshaltung an die Mitarbeiter betrifft erwarte ich, dass sie ihren Job professionell und mit viel Engagement machen, damit unsere Kunden das bekommen, was sie von einer Top-Agenturmarke wie Fischer-Appelt zu Recht erwarten. Aber: Ich wünsche mir genauso, dass unsere Mitarbeiter glückliche Menschen sind und eine gute Balance zwischen Arbeit und Privat hinbekommen. Deshalb interessieren mich auch in Bewerbungsgesprächen eher andere Dinge als rein fachliche. Viele sind überrascht, was ich da für Fragen stelle, aber so bin ich halt. 
„Es ist doch klar, dass man mit solchen Thesen polarisiert. Damit kann ich ganz wunderbar leben.“
Frank Behrendt
Ärgern Sie sich über Kritik, Ihre Thesen seien "eitle Eigen-PR und gehaltvoll wie Ratgeber aus der trivial-esoterischen Ecke"? Also wenn ich mich darüber ärgern würde, müsste ich ja zum Entspanungscoaching (lacht). Es ist doch klar, dass man mit solchen Thesen polarisiert. Damit kann ich ganz wunderbar leben. Ich finde es vielmehr grossartig, dass über meinen kleinen Impuls so viel und auch mal kontrovers diskutiert wird. Das zeigt doch, dass ich einen Nerv getroffen habe und das passiert wahrlich nicht jeden Tag.

Interview: Eva-Maria Schmidt

Meist gelesen
stats