"Football is coming hoam" Wie eine Agentur-Praktikantin dem FC Bayern ein Motto auf den Leib schneiderte

Donnerstag, 15. August 2013
Sarah Wirth im Bayern-Shirt mit ihrer Kreation darauf (Foto: privat)
Sarah Wirth im Bayern-Shirt mit ihrer Kreation darauf (Foto: privat)


Sarah Wirth ist derzeit Praktikantin bei der Berliner Agentur Dieckertschmidt, die unter anderem für Adidas arbeitet. Was viele nicht wissen: Die 21-Jährige ist verantwortlich für die Headline, welche die Spieler von Bayern München nach ihren Sieg im Champions-League-Finale auf T-Shirts präsentierten. Nun kommt noch ein Film mit dem selben Titel in die Kinos: "Wembley - Football is coming hoam" startet am 22. August in den deutschen Lichtspielhäusern. Wie es dazu kam und wie sie sich damit fühlt, erzählt Sarah im Interview mit HORIZONT.NET. Wenn "Football is coming hoam" im Kino anläuft (Wo überall, steht auf der Seite des FC Bayern), wird auch Sarah Wirth im Publikum sitzen, der die griffige Titelzeile einst eingefallen war. So richtig fassen kann die Studentin der Marketingkommunikation an der Design Akademie in Berlin ihr Glück noch nicht.

HORIZONT.NET: Und, Schock schon verdaut?
Sarah Wirth: Ich glaube, den werde ich nicht so schnell verdauen. Aber es ist ja ein schöner Schock.

Wie hast Du überhaupt erfahren, dass Deine Headline es auf das Siegershirt der Bayern geschafft hat?
Dazu muss man sagen, dass ich das Champions-League-Finale natürlich am Bildschirm verfolgt habe, aber wahrscheinlich habe ich zu schnell ausgeschaltet, denn die T-Shirts habe ich nicht mehr gesehen. Jedenfalls hat mir mein Chef Stefan Schmidt dann ein Foto von dem Shirt geschickt und dazu geschrieben, dass ich das für meine Mappe nehmen könne. Erst da habe realisiert, was passiert ist - und bin natürlich total ausgerastet.

Konntest Du in Erfahrung bringen, wie Adidas die Zeile ausgewählt hat?
Laut Briefing sollten wir eigentlich eine Gratulations-Anzeige für Bayern München gestalten, die dann in der Zeitung gekommen wäre. Irgendwie ist die Copy dann aber in ein Retail-Meeting bei Adidas geraten, wo sie schließlich für das Siegershirt ausgewählt wurde. Also quasi über einen Umweg.

Und nun trägt auch noch der kommende Kinofilm diesen Titel.
Ja, ich kann es selber noch gar nicht richtig glauben. Ich habe den FC Bayern schon vor längerer Zeit auf Facebook geliked und habe dort jetzt natürlich auch die Ankündigung gesehen. Ich habe auf das Bild geklickt und gesehen, dass der Film den Titel "Wembley: Football is coming hoam" trägt - einfach nur Wahnsinn! Damit hätte ich nie gerechnet.

Womit hast Du denn gerechnet, als Du das Praktikum angetreten hast?
Ich wollte auf jeden Fall etwas machen, wo ich meiner Kreativität freien Lauf lassen kann - texten zum Beispiel. Von der Agenturbranche wusste ich vorher nicht sehr viel, ich bin eigentlich komplett erwartungslos an die Sache herangegangen.

Und wie lautet die Bilanz?
Dass mir diese Arbeit großen Spaß macht und ich in einer kleinen Agentur sehr viel lernen kann. Und ganz offensichtlich mache ich meinen Job nicht allzu schlecht. Natürlich ist es manchmal auch sehr stressig, aber solche Dinge wie jetzt mit dem FC Bayern machen jeden Ärger wett.

Heißt das, Du willst auch künftig in einer Agentur arbeiten?
Abwarten. Prinzipiell kann ich mir das schon vorstellen, ich möchte mich jetzt aber noch nicht festlegen. Erst einmal will ich mein Studium beenden, dann sehen wir weiter. Interview: Ingo Rentz

Update

Eine gute Idee hat in der Regel mehrere Mütter und Väter - so war es auch hier. Nach Veröffentlichung des Interviews erreichte uns die Mail von Sebastian Esche, Grafikdesigner bei Adidas. Esche weist darauf hin, dass er mit der Inhouse-Unit BU GRFX im Wesentlichen für die Erstellung des Winner-Tees der Bayern verantwortlich war. Die Vorschläge von Dieckertschmidt waren Esche und seinen Kollegen nicht bekannt - ebenso umgekehrt.

Der Dritte im Bunde ist das Münchner Stadtmodelabel Franzmünchinger, das bereits Anfang Mai 2013 ein eigenes T-Shirt mit dem Slogan "Football is Coming Hoam" vertrieben hat.
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