Filmakademie Baden-Württemberg Wie aus einem peinlichen Thema eine grandiose Geschichte entstehen kann

Montag, 15. Juni 2015
Am Meer endet für den Protagonisten eine große Sehnsuchtsreise
Am Meer endet für den Protagonisten eine große Sehnsuchtsreise
Foto: Filmakademie Baden-Württemberg

"Der alte Mann und das Meer" ist eigentlich der Titel eines Romans von Ernest Hemingway aus dem Jahre 1952. Studenten der Filmakademie Ludwigsburg haben den Satz nun auf ihre Weise interpretiert. Herausgekommen ist ein Spot, der ein weit verbreitetes Problem auf äußerst unterhaltsame Weise auf den Punkt bringt.
Ein wenig sieht der Mann, der in dem Spot die Hauptrolle spielt, ja aus wie ein alter Seebär: Zottelbart, dicker Wollpulli, Fellmütze. Mit dem Ozean hat er jedoch nur am Rande zu tun: Der Spot beginnt damit, wie der Protagonist in aller Seelenruhe ins Meer pinkelt. Wie es dazu kam, zeigt anschließend eine große Rückblende, die den Zuschauer einmal quer durch Deutschland bis ins Allgäuer Bergland führt:
Auch wenn es vielleicht einen Tick zu lange dauert, bis die Pointe kommt: Wer hätte gedacht, dass im Thema Blasenschwäche derart großes Storytelling-Potenzial verborgen liegt? Entwickelt wurde die herrliche Geschichte von Regisseur Bernd Faass und dem Werbetexter Michael Allocca. An der Umsetzung waren neben Faass die Producer Finn Neubert und Dominko Gudelj sowie Kameramann Markus Gebhart beteiligt. Um Visual Effects und digitale Postproduktion kümmerten sich Henning Nolte (Leithaus Filmproduktion) und Moritz Ripprich (Walking on the Moon). Die Rolle des Mannes mit der starken Blase übernahm Max Reimann.

Das Thema des Spots ist weiter verbreitet als man zunächst glaubt - was auch daran liegt, dass viele Betroffene ihr Problem aus Scham verschweigen. Das wollen die Macher des Films ändern: "Wir wollen Männer mit Blasenschwäche als Helden darstellen, und nicht als inkontinente Rentner. Dass acht Millionen Menschen an Blasenschwäche leiden, lässt sich vermutlich nicht ändern. Wie damit umgegangen wird aber schon. Ein bisschen Lockerheit kann dem Thema und dem Produkt sicher nicht schaden" , so Gudelj über den Spot.

Dass "Der alte Mann und das Meer" jemals regulär zum Einsatz kommt, ist allerdings unwahrscheinlich. Bei der Arbeit handelt es um einen nicht-kommerziellen Werbefilm, der ohne Absprache mit Granu Fink zustande kam. Solche so genannten Spec-Spots entwickelt der Filmnachwuchs, um auch ohne offiziellen Auftrag zu zeigen, was man so drauf hat. Häufig wird die Arbeit von den jeweiligen Unternehmen anschließend gelobt - zu bezahlten Schaltungen kommt es jedoch selten.

Die Ludwigsburger Studenten hoffen jedoch darauf, dass Granu Fink Mut beweist: "Ich bin überzeugt davon, dass eine Auflockerung dem Produkt gut tut", so Producer Neubert. Man habe bereits versucht, mit dem Arzneimittelhersteller in Kontakt zu treten, allerdings erfolglos. "Wir würden uns aber nach wie vor sehr über ein Gespräch mit dem Unternehmen freuen!" ire
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