Film Lions Grand Prix für Volvo und Harvey Nichols / Zweimal Bronze für Deutschland

Samstag, 21. Juni 2014
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Ganz leer gehen die deutschen Agenturen am letzten Festivaltag nicht aus. In der Kategorie Film können sie wenigstens zwei Bronze-Löwen gewinnen. Die beiden Trophäen gehen an die Mercedes-Arbeit "Chicken" von Jung von Matt und an Scholz & Friends für die Valmano-Kampagne im Auftrag von Epic Companies. Den Grand Prix in der Königskategorie gibt es gleich zweimal: In der Sparte TV-Spots geht er an "Sorry, I spent it on myself" von Adam & Eve DDB London für Harvey Nichols, in der Sparte Internet-Filme an "The Epic Split" von Forsman & Bodenfors für Volvo.
"Wir haben ein sehr guten, einen großartigen Jahrgang gesehen", würdigt Jurypräsident Amir Kassaei, weltweiter Kreativchef von DDB, die eingereichten Arbeiten. Insgesamt hat die Jury 105 Löwen vergeben - zwei Grand Prixs, 13-mal Gold, 29-mal Silber und 61-mal Bronze. "Wir sind sehr glücklich und stolz auf dieses Ergebnis", so Kassaei. Trotz aller technischen Entwicklung zeige sich einmal mehr, dass das Medium Film wie kein zweites dazu geeignet sei, Emotionalität zu erzeugen und Menschen zu bewegen. Die Jury habe sich zudem bemüht, die Arbeiten auszuzeichnen, die Marketingprobleme lösen. "Die Cannes Lions sind kein Kunst-Festival", unterstreicht der 45-Jährige.

Der Volvo-Film "Epic Split" galt als großer Favorit auf den Grand Prix. "An diesem Film kommt man einfach nicht vorbei", sagt der deutsche Juror Martin Pross, bislang Kreativchef bei Scholz & Friends und demnächst freiberuflich tätig. Die Arbeit löse die gestellte Aufgabe auf eine sehr überraschende Weise und mit einer beeindruckenden Umsetzungsqualität. Auch die Entscheidung für Harvey Nichols fällt nicht vom Himmel. Der Film hat in Cannes schon in mehreren anderen Kategorien abgeräumt. Bei den Internet-Filmen hat es neben "Epic Split" zwei weitere Kandidaten für den Grand Prix gegeben: "First Kiss" von Durable Goods für Wren und "Sounds of Honda" von Dentsu. In der TV-Kategorie waren für den Grand Prix unter anderem auch der Nike-Film "Possibilities" von Wieden + Kennedy sowie die Old-Spice-Kampagne von derselben Agentur im Rennen.

Das deutsche Ergebnis fällt mit zwei Bronze-Löwen wieder einmal relativ bescheiden aus. Das ist keine Überraschung. In dieser Kategorie tun sich die hiesigen Teilnehmer traditionell schwer. Daraus macht auch Juror Pross keinen Hehl - "die Bilanz für Deutschland ist schwach", sagt der Kreative. Seine Erklärung dafür: Das "Pflichtenheft", das deutsche Agenturen in Werbefilmen abarbeiten müssten, sei oft viel zu lang. "Deutsche Gründlichkeit hilft beim Thema Film nicht", so Pross. "Wir müssen leider akzeptieren, dass andere Länder Emotionalität besser können als wir", so seine Analyse.

Ein weiterer Punkt, auf den Pross hinweist: Die in Deutschland zur Verfügung stehende Spotlänge sei oft viel zu kurz. "Bei uns wollen die Kunden einen 15-Sekunden-Film mit einer tollen Idee, von dem dann 10 Sekunden ein Packshot gezeigt werden muss." Durch die von der Mediaseite vorgegeben Formate würden viele gute Ideen von vornherein ausgeschlossen. Darüber hinaus fehle den Beteiligten oft der Mut. So würden nach einer Arbeit wie Harvey Nichols alle Handelskunden nach solch einer Idee rufen. "Aber wenn eine deutsche Agentur so etwas beispielsweise Karstadt vorgeschlagen hätte, hätte sie sich gleich einen neuen Kunden suchen können", glaubt Pross.

Auch der deutsche Juror findet das Niveau des Filmwettbewerbs beeindruckend hoch. Genervt ist er einzig von Arbeiten, die mit Emotionalität arbeiten, ohne dass es einen Bezug zur Marke gibt, für die geworben wird. "Davon gibt es leider viel zu viele", erklärt Pross. Herausragend seien die Filme, denen es gelinge, die Brücke zwischen der emotionalen Ansprache und den Produkten oder Marken zu schlagen. mam
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