Film Craft Jury vergibt keinen Grand Prix

Samstag, 21. Juni 2014
Die Jury um Präsident Brian Carmody vergibt keinen Grand Prix (Foto: Cannes Lions)
Die Jury um Präsident Brian Carmody vergibt keinen Grand Prix (Foto: Cannes Lions)


Bei den Film Craft Lions gibt es in diesem Jahr keinen Grand Prix. Die Jury um den Vorsitzenden Brian Carmody hat sich nach langer Diskussion dazu entschlossen, die höchste Auszeichnung nicht zu vergeben. Als Grund nennt der Chef der US-Produktionsfirma Smuggler, dass diesmal keine Arbeit dabei gewesen sei, die alle anderen überragt hätte.
In der engeren Auswahl für den Grand Prix standen fünf Beiträge. Allerdings haben sich die Juroren darauf verständigt, nicht zu verraten, welche. Den Verzicht auf einen Grand Prix sieht Carmody nicht als negatives Signal für die Branche. Im Gegenteil: Es habe viele sehr gute Filme gegeben und man habe sogar mehr mit Gold ausgezeichnet als von ihm erwartet. Insgesamt gibt es in dieser Kategorie 66 Löwen: 16 Gold, 22 Silber und 28 Bronze - bei 135 Finalteilnehmern. Zu den Gold-Gewinnern gehören "The Epic Split" von Forsman & Bodenfors (Produktion: Folke) für Volvo Trucks, "Honda Illusions" von McGarry Bowen in London (Georgeous/The Mill) und "Cook's Range" von Wieden + Kennedy und Blink Productions, ebenfalls in London.

Die meisten Preise gehen dennoch einmal mehr in die USA. Die US-Teilnehmer holen 31 Löwen, davon sieben in Gold, zehn in Silber und 14 in Bronze. Auf Platz 2 folgt Großbritannien mit 17 Löwen - je fünf in Gold und Silber und sieben in Bronze. Die deutschen Agenturen und Produktionen gehen leer aus. Sie hatten keine einzige der 81 Einreichungen ins Finale bringen können.

Dennoch will die deutsche Jurorin Kerstin Heffels, Producerin bei Heimat, nicht von einem enttäuschenden Ergebnis sprechen. "Wir haben jede Menge tolle Talente in Deutschland, die weltweit gebucht werden. Ich bin mir sicher, dass bei den prämierten Arbeiten viele deutsche Kreative involviert waren", sagt Heffels. In diesem Zusammenhang weist sie darauf hin, dass man die Kategorie Film Craft ohnehin nicht durch die nationale Brille betrachten könne: "Ein Film wird heute mit Leuten aus verschiedenen Ländern umgesetzt. Die Arbeit ist ein Gesamtwerk von vielen." Gleichzeitig räumt Heffels ein, dass Deutschland vor allem im Vergleich mit den USA und Großbritannien hinterherhinkt. Das dürfte auch mit den deutlich höheren Produktionsbudgets in diesen Ländern zu tun haben.

Durchaus problematisch findet Heffels das Kategoriensystem innerhalb der Sparte Film Craft, weil es die Vergleichbarkeit erschwere. Zudem sei es nicht ganz leicht, Spezialkategorien wie beispielsweise Schnitt zu bewerten. Darüber hinaus müsse man sich immer wieder vor Augen führen, dass man nicht die Idee, sondern ausschließlich die handwerkliche Umsetzung bewerten dürfe. Auch diese Trennung ist laut Heffels nicht immer ganz leicht einzuhalten. Zuletzt hatten einige deutsche Kreative, unter anderem Nordpol-Gründer Lars Rühmann erklärt, dass "der Hype" um die Idee vorbei sei und es in der Kommunikation künftig vor allem auf exzellente handwerkliche Umsetzung ankomme. mam
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