FDP-Kampagne Heimats provokantes Werbecomeback für die Liberalen

Donnerstag, 11. Dezember 2014
Steht ihren Mann: Die FDP-Spitzenkandidatin für Hamburg Katja Suding
Steht ihren Mann: Die FDP-Spitzenkandidatin für Hamburg Katja Suding
Foto: FDP Hamburg

Die FDP sorgt in Hamburg derzeit für Stirnrunzeln: Die dortige Spitzenkandidatin für den Bügerschaftswahlkampf Katja Suding wird auf einem Plakatmotiv der Partei als "Unser Mann für Hamburg" präsentiert. Die Arbeit stammt von Heimat. Die Berliner Werbeagentur betreut die Liberalen nicht nur in der Hansestadt, sondern ab sofort auch auf Bundesebene.
"Die Freien Demokraten haben sich ein Jahr auf den Prüfstand gestellt und sich in dieser Zeit verändert", sagt der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner. Nun will man auch kommunikativ wieder in die Offensive gehen. "Um unser liberales Selbstverständnis und unsere Agenda jetzt auch an die Wähler im Wartestand zu kommunizieren, war Heimat als genauso kreative wie mutige Agentur erste Wahl. Wir haben richtig Lust auf die Zusammenarbeit." Bereits im Jahr 2000 war Heimat für die FDP tätig. Damals entwickelte die Agentur die Kampagne für den Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen, der mit dem Wiedereinzug der Liberalen in das Parlament endete. Die Kampagne unter dem Motto "NRW braucht Tempo" war damals stark auf die Themen Bildung und Verkehr zugeschnitten - und erregte durch enorm provozierende Motive Aufmerksamkeit. Am Ende sprangen für die FDP 9,8 Prozent der Stimmen heraus.

Das "Friesennerz-Motiv" mit Katja Suding aus dem Bürgerschaftswahlkampf 2011
Das "Friesennerz-Motiv" mit Katja Suding aus dem Bürgerschaftswahlkampf 2011 (Bild: FDP)
An diese Zeiten wollen die FDP und Heimat nun offenbar anknüpfen. Sowohl im Bund als auch auf Landesebene steht die Partei derzeit nicht besonders gut da. Am 15. Februar steht die Wahl zur Hamburger Bürgerschaft an - dann will die FDP mit einem guten Ergebnis die Trendwende einleiten. Dabei setzt man auf die Spitzenkandidatin Katja Suding. Die 38-jährige war bereits 2011 Spitzenkandidatin der Partei für den Bügerschaftswahlkampf - und erzielte zuvor nicht erwartete 6,7 Prozent der Stimmen. Ausschlaggebend dafür war unter anderem die Wahlkampagne, die Suding im so genannten Friesennerz (gelber Regenmantel) zeigte (Kreation: Von Mannstein).

War die damalige Kampagne noch recht eindeutig, so sorgt der Startschuss für die aktuelle Wahlkampagne vielerorts für Stirnrunzeln: "Unser Mann für Hamburg" ist auf dem Motiv zu lesen, das eine entschlossen dreinblickende Suding im schwarzen Rolli zeigt. "Wir haben absichtlich einen provozierenden Aufschlag mit dieser Kampagne gewählt, die natürlich in den kommenden Wochen mit politischen Botschaften weitergeht", sagt Claas Voigt, stellvertretender FDP-Landesvorsitzender. "Wir wollten an den Erfolg des Friesenerz-Motives mit Katja Suding von vor vier Jahren anknüpfen ohne es zu kopieren und das ist uns gelungen."

Gedacht war das Motiv wohl als Spiel mit Rollenklischees, immerhin haben es Frauen im Politbetrieb hier und da nach wie vor schwer - trotz Kanzlerin Angela Merkel.
Im Netz ernten die FDP und Suding jedoch neben viel Unverständnis auch Häme. "Sieht aus wie Conchita Wurst ohne Bart", meint etwa ein User auf Twitter. Die Ortskonkurrenz von den Grünen ließ es sich nicht nehmen, einen Gegenentwurf mit der eigenen Spitzenkandidatin zu liefern:
In punkto Aufmerksamkeit dürfte die FDP ihr Ziel allerdings erreicht haben: Katja Suding und die Liberalen haben sich ins Gespräch gebracht. Im Folgenden dürften viele Bewohner der Hansestadt ganz genau darauf schauen, was die Partei und ihre Spitzenkandidatin in den kommenden Wochen bieten. Entscheidend dürfte dabei allerdings sein, die eigene Botschaft mit den passenden Inhalten aufzuladen. Denn Aufmerksamkeit ist nicht alles. ire
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