FCB-Chef Daniel Könnecke "Wir fahren noch mit Stützrädern"

Donnerstag, 12. November 2015
Daniel Könnecke ist seit Juli CEO der deutschen Interpublic-Tochter
Daniel Könnecke ist seit Juli CEO der deutschen Interpublic-Tochter
Foto: FCB Hamburg
Themenseiten zu diesem Artikel:

Daniel Könnecke Interpublic FCB


Seit einem halben Jahr ist Daniel Könnecke CEO der deutschen Interpublic-Tochter. Im Gespräch mit HORIZONT gewährt der 37-Jährige einen ersten Blick hinter die Kulissen und verrät, was er in dieser Zeit bereits alles verändert hat, wie er das kreative Produkt stärken und der Agentur zu neuem Schwung verhelfen will. Außerdem kündigt Könnecke an: Bis die Branche "das neue FCB Hamburg" kennenlernt, wird es nicht mehr lange dauern.
Ihre ersten sechs Monate als einer der jüngsten CEOs einer klassischen Agentur sind herum. Wie viele graue Haare sind in dieser Zeit dazugekommen? Ich glaube kein einziges. Dagegen sind meine Haare ganz schön lang geworden. Ich war seitdem nicht mehr beim Friseur. Keine Zeit mehr oder Bequemlichkeit? Die Wahrheit dürfte irgendwo dazwischenliegen. Ich arbeite nach wie vor 60 bis 65 Stunden in der Woche. Was sich aber geändert hat: Meine Arbeit beschäftigt mich mehr – auch nach Dienstschluss. Neue Aufgabenbereiche wie Finanzen, Administration, Organisation sind hinzugekommen. Da muss ich mich erst einmal hineinarbeiten. Das macht Spaß, ist aber natürlich auch eine zusätzliche Herausforderung.

Seit Ihrem Einstieg bei FCB hat man noch nicht sehr viel von der Agentur gehört. Täuscht der Eindruck? Das sehen Sie richtig. Ich habe die Zeit genutzt, um zunächst Mitarbeiter und Kunden kennenzulernen und habe mir einen Überblick über Strukturen und Arbeitsabläufe verschafft.

Welche Erkenntnisse haben Sie daraus gezogen? Es gibt noch viel zu tun. Wir arbeiten daran, unsere Denkstrukturen und Arbeitsweisen zu verändern und werden ganzheitlicher an Kundenbriefings herangehen. Der Wille zur stetigen Weiterentwicklung muss sich fester verankern. Das klingt banal, ist es aber nicht. Auch interne Themen wie Wertschätzung der Mitarbeiter möchten wir in Zukunft noch mehr in den Mittelpunkt stellen.

„FCB muss ein Kollektiv werden.“
Danniel Könnecke, CEO von FCB Hamburg
Was kann man dafür tun? Ich habe recht schnell neue Prozesse eingeführt und kleine agile Teams installiert, in denen Strategen, Berater, Kreative und Technikexperten an einem Tisch sitzen. Diese arbeiten autark und können autonom Entscheidungen treffen, wodurch sie viel schneller zum Ergebnis kommen als früher. Die einzelnen Mitarbeiter merken, wie wichtig sie für die Agentur sind. Das hat Signalwirkung. FCB muss ein Kollektiv werden.

Klingt nach einer Mammutaufgabe. Sie ist zumindest noch lange nicht erledigt. Wir optimieren die Prozesse immer wieder, probieren aus, sammeln Erfahrungen. Eine solche Arbeitsweise ist kein Zauberwerk, aber für FCB neu. Es ist wie Fahrradfahren lernen. Momentan fahren wir noch mit Stützrädern.

Eine Agentur, die mit Stützrädern fährt – das dürften Ihre Auftraggeber nicht so toll finden. Deswegen machen wir das aktuell auch erst einmal nur bei Neukunden, die die alten Strukturen, in denen wir bislang gearbeitet haben, nicht kennen.

Apropos Neukunden: Die Umweltschutzorganisation WWF und das niederländische Hotelportal Zoover konnten Sie bereits präsentieren. Gibt es weitere Mandate? Ich kann stolz sagen: Ja. Wir haben direkt die New-Business-Maschine angeworfen und bereits sechs von sieben Pitches gewonnen.

Wer sind die anderen? Das kann ich noch nicht verraten. Nur so viel: Die Unternehmen kommen aus den Branchen Online, TV, Fashion, Finance und Food. Bis auf Zoover, das wir als Leadagentur betreuen, sind das alles Projektetats mit einem erheblichen Digitalanteil.
Interview: Jessica Becker


Das vollständige Interview lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 46/2015 vom 12. November, die auch auf Tablets oder - nach einmaliger Registrierung - als E-Paper gelesen werden kann. Nicht-Abonnenten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen.
Meist gelesen
stats