Eschborn-Affäre Staatsanwaltschaft ermittelt gegen PR-Berater Jürg Leipziger

Mittwoch, 07. Januar 2015
PR-Urgestein Jürg Leipziger
PR-Urgestein Jürg Leipziger
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Jürg Leipziger Eschborn Wilhelm Speckhardt


Seit Tagen beschäftigt die regionalen Medien in Frankfurt ein bizarrer Streit in Hessens reichster Kommune Eschborn. Mittendrin im Geschehen: PR-Berater Jürg Leipziger. Wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt nun offiziell bestätigt, ermittelt sie gegen einen "Frankfurter Kommunikationsberater" und den früheren Bürgermeister von Eschborn wegen des Verdachts der Untreue. Dabei handelt es sich um Leipziger und Wilhelm Speckhardt (CDU). In diesem Zusammenhang wurden die Büroräume der Agentur Leipziger & Partner durchsucht.
Das Verfahren ist durch eine Anzeige der Stadtverwaltung ins Rollen gekommen. Hintergrund ist die Beratertätigkeit von Leipziger für Eschborn. Mit seiner Agentur hat er die Stadt seit 2010 bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt. Der Vertrag war pro Halbjahr bei 70.000 Euro gedeckelt, das Gesamtvolumen für den Zeitraum bis Mitte 2014 beläuft sich auf rund 600.000 Euro. Jetzt fehlen im Rathaus offenbar Belege, aus denen die genaue Tätigkeit von Leipziger und seiner Agentur hervorgeht. Ein Sprecher der Stadt erklärt auf Anfrage, dass zwar der Vertrag mit Leipziger und auch Rechnungen vorhanden seien, allerdings keine konkreten Stundenabrechnungen und Leistungsnachweise.
„Sämtliche Leistungen sind minutiös nach Datum, Ort, Inhalt und Thema dokumentiert und halbtags sowie tageweise abgerechnet worden.“
Jürg Leipziger
Leipziger, 71, kann das nicht nachvollziehen. "Sämtliche Leistungen sind minutiös nach Datum, Ort, Inhalt und Thema dokumentiert und halbtags sowie tageweise abgerechnet worden", erklärt er gegenüber HORIZONT. Besonders wundert ihn, dass die Verwaltung unter dem neuen Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) die Unterlagen nicht kennen will. Schließlich habe Geiger in seiner damaligen Funktion als Erster Stadtrat den Vertrag mit Leipziger mitunterschrieben und auch die Rechnung für das 1. Halbjahr beglichen. Das Honorar für das 2. Halbjahr 2014 hat der PR-Berater nun vor Gericht eingeklagt. Die Verhandlung findet Ende Januar vor dem Landgericht Frankfurt statt. Die Stadt Eschborn hatte den Vertrag mit der Agentur außerordentlich gekündigt und sieht keinen Grund für eine weitere Zahlung.

Das angebliche Verschwinden von Unterlagen aus dem Rathaus in Eschborn beschäftigt seit Wochen die Frankfurter Medien. Inzwischen sind Teile davon wieder aufgetaucht - abfotografiert auf CDs. Diese liegen den Ermittlungsbehörden vor und werden dort gesichtet. Wer die Aufnahmen gemacht hat, steht noch nicht offiziell fest. Im Verdacht steht der neue Bürgermeist Geiger (FDP), der angeblich belastendes Material gegen seinen Vorgänger gesammelt hat. Ein Ermittlungsverfahren gegen Geiger wegen Verletzung von Dienstgeheimnissen war Ende Dezember eingestellt worden. Ob ein neues Verfahren eingeleitet wird, ist derzeit nicht bekannt. Inzwischen gibt es erste Rücktrittsforderungen an Geiger.

Der Schweizer Leipziger ist ein Urgestein der PR-Branche. Seine erste Agentur in Deutschland gründete er 1970. Sie entwickelte sich zu einer der Top-Adressen der Branche und war Anfang der 90er Jahre Marktführer. Damals beschäftigte Leipziger & Partner mehr als 200 Mitarbeiter. Die Agentur war zudem eine Art Kaderschmiede der deutschen PR-Agenturszene. Später setzte ein kontinuierlicher Abstieg ein. 2011 musste eine Nachfolgefirma einen Insolvenzantrag stellen. mam

Update: Über seinen Rechtsanwalt Ulrich Endres hat Bürgermeister Mathias Geiger inzwischen erklären lassen, dass er "zur eigenen Archivierung gewisse Aktenteile fotografiert und auf CD gebrannt hat".
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