Erste Arbeit von BBDO Mozilla erinnert Onliner mit drastischem Stunt an Datensicherheit

Mittwoch, 09. Dezember 2015
Der gemütliche Würfel wurde für die Besucher zu einem Auktionshaus für Daten
Der gemütliche Würfel wurde für die Besucher zu einem Auktionshaus für Daten
Foto: Mozilla / Screenshot Youtube

Wenige Tage nach dem Pitchgewinn ist die erste Kampagne von BBDO Düsseldorf für Mozilla angelaufen. In der Kampagne geht es um Datensicherheit; ein Thema, das Mozilla im Zuge der Einführung des neuen Firefox-Browsers stark vorangetrieben hat. Im Mittelpunkt der Kampagne steht ein Online-Video, dass mit einer drastischen Maßnahme deutlich macht, welchen Risiken die Nutzer im Netz ausgesetzt sind.
Schauplatz des Films ist ein anonymer Würfel auf der Hamburger Reeperbahn. Darin: Gemütliche Polstermöbel, ein Fernseher und natürlich ein W-Lan-Netz. Wer sich darin einwählte, erlebte allerdings sein blaues Wunder - und bekam auf überspitzte, aber eindringliche Art und Weise vermittelt, wie weit die Datensammelwut im Internet gehen kann. Mit dem Experiment möchte Mozilla nach eigenem Bekunden ein Bewusstsein für die Online-Privatsphäre schaffen.
Gegenüber HORIZONT Online bestätigt ein BBDO-Sprecher, dass BBDO Düsseldorf für die Kampagne verantwortlich ist. Die Agentur hatte sich den Etat im Spätsommer in einem Pitch gesichert und sich dabei gegen Mitbewerber wie Razorfish und VCCP durchgesetzt. Als Lead-Agentur für Europa wird BBDO Düsseldorf die Kampagne für die Firefox-Kernmärkte Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und Polen entwickeln. Zudem wird die Kampagne auch im Firefox-Mutterland USA eingesetzt. Neben dem Video gehören dazu Online-Banner, die unter anderem auf Spiegel Online geschaltet werden. Verantwortlich für die Kampagne sind CEO Dirk Bittermann, CCO Darren Richardson, Andy Wyeth (Creative Director), Fabian Pensel (Art Director), Ramon Scheffer (Copywriter), Ralf Sieke (Senior Strategic Planner), Patrick Holtkamp (Executive Digital Director) und Nadia Leytes (Account Director). Die Kampagne beinhaltet zudem einen recht eindeutigen Seitenhieb gegen andere Internet-Unternehmen wie Google und Facebook. Zu Beginn des Films heißt es: "Das Internet war mal für uns alle gedacht. Doch die großen Konzerne haben die Kontrolle übernommen. Und machen die Menschen seitdem zum Produkt." Der implizite Vorwurf: Konzerne, deren Geschäftsmodell auf Online-Werbung basiert, sammeln ungefragt Nutzerdaten, um diese dann vermarkten zu können.

Mozilla will diesem Modell mit der jüngsten Generation des Internet-Browsers Firefox etwas entgegensetzen: Nämlich mehr Kontrolle für den Nutzer. Der Browser (Marktanteil in Deutschland: rund 40 Prozent, Tendenz sinkend) verfügt über eine Tracking Protection, mit der verhindert werden soll, dass Werbedienstleister das Surfverhalten der User nachverfolgen und Nutzerprofile anlegen.
Das Update sorgte allerdings für für viel Verunsicherung in der Werbebranche: Wer im privaten Modus surft, bekommt praktisch keine Werbung mehr angezeigt. Eine generelle Absage an Online-Werbung sei dasallerdings nicht, wie Mozilla-Managerin Denelle Dixon-Thayer gegenüber HORIZONT Online versicherte: Werbung sei eine zentrale Aktivität im kommerziellen Internet, erklärte sie im Interview.

Dieser Haltung verlieh Mozilla im Rahmen der BBDO-Kampagne erneut Nachdruck. Nachdem der Stunt abgedreht war, fand in dem Glaskasten eine Podiums-Diskussion zum Thema Datenkontrolle statt, an der auch Mozilla-Manager Winston Bowden, Senior Manager Firefox Product Marketing, teilnahm. Dabei sagte er: "Wir sind kein Gegner von Onlinewerbung. Sie ist eine legitime Einnahmequelle und Garant für hochspannenden Inhalt im Web. Was allerdings nicht sein kann, ist eine Verfolgung der Nutzer ohne ihr Wissen – oder sogar selbst dann, wenn diese sich aktiv dagegen entscheiden. Das offene und freie Web ist ein hohes Gut, das wir beschützen sollten. Die Nutzer müssen wieder die Kontrolle über ihre Daten erhalten." ire
Die Marktanteile führender Browser in Deutschland
Die Marktanteile führender Browser in Deutschland (Bild: Statista)


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