Eklat beim ADC Jury-Zoff wegen Hornbach-Projekt von Heimat

Mittwoch, 10. Mai 2017
Mit diesem Motiv wirbt Hornbach für die Ausstellungseröffnung
Mit diesem Motiv wirbt Hornbach für die Ausstellungseröffnung
© Hornbach

Ein ADC-Wettbewerb ohne Streitigkeiten, Diskussionen, Skandale? Undenkbar! So gibt es auch dieses Jahr einen Fall, der die Gemüter erhitzt. Und dabei geht es ausgerechnet um eine Arbeit von Heimat für den Vorzeigekunden Hornbach. Das Dreamteam ist normalerweise dafür bekannt, beim ADC zu den großen Gewinnern zu gehören. 

Dieses Jahr zählen sogar gleich mehrere Hornbach-Einsendungen zu den großen Wettbewerbsfavoriten, darunter "Projekt Germany". Hier geht es um das Engagement des DIY-Marktes im Umfeld des deutschen Pavillons bei der Biennale in Venedig 2016, wo Werbung eigentlich ein absolutes No-Go ist. Deutschland hatte damals mehrere Mauern des umstrittenen historischen Pavillons aus dem Jahr 1938 eingerissen, um damit Gastfreundlichkeit im Hinblick auf die Flüchtlingssituation zu symbolisieren.


Hornbachs Auftritt in diesem Kontext sollte Aufbruchstimmung und das Gefühl für einen gemeinschaftlichen Neustart symbolisieren. Der "Stern" hatte vor etwas mehr als einem Jahr als erstes über die Plakate an der Pavillon-Baustelle berichtet, die wiederum Sprüche aus der Hornbach-Herbstkampagne 2015 aufgegriffen hatten - zum Beispiel: "Wenn hier 16 Nationen zusammenarbeiten, dann geht das auch im Rest der Welt" oder "7000 Sprachen, aber nur ein Weg, den Nagel in die Wand zu hauen."
Die ADC-Juroren störten sich bei dem eingereichten Casefilm offenbar an mehreren Formalien. Einige Angaben darin seien falsch beziehungsweise irreführend, was die Art der Zusammenarbeit zwischen Hornbach, Heimat, der Bundesrepublik Deutschland sowie dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) unter Leitung von Generalkommissar Peter Cachola Schmal, Kurator Oliver Elser und Koordinatorin Anna Scheuermann betrifft. Kurzum: Die Einsendungen wurde zunächst lang und breit zerredet, ja, sogar eine Disqualifizierung stand zur Debatte.

Am Ende stellte sich heraus, dass offenbar doch alles den Regularien entspricht. Die Arbeit blieb im Rennen. Aber es dürfte jedem, der schon mal Mitglied einer Kreativjury war, klar sein, dass zu diesem Zeitpunkt bei den meisten die Zweifel schon so groß waren, dass sie lieber nicht mehr für die Einsendung stimmten. Ob es trotz allem doch noch für einen "Trostnagel" gereicht hat, wird sich erst morgen Abend bei der Preisverleihung herausstellen.
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Bild: Hornbach

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Solche Debatten sind typisch für den deutschen ADC, bei dem ganz gerne mal besonders kritisch auf Arbeiten geschaut wird, die international ein Selbstläufer sind. Diese Erfahrung musste letztes Jahr auch Ogilvy mit dem Projekt "Mein Kampf - gegen Rechts" machen. Beim deutschen ADC gab es dafür nur drei magere Bronzemedaillen, beim ADC of Europe den Grand Prix. Für die Beteiligten Agenturen ist diese Erfahrung zuweilen sehr frustrierend, aber vielleicht macht am Ende auch gerade das den Reiz des ADC aus, der, wie Myles Lord von DDB gestern noch in der großen Jury-Umfrage anmerkte, "immer eine harte Nuss ist, die es zu knacken gilt." bu

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