Effie-Affäre Nach Absage des Ältestenrats: GWA will jetzt externe Kanzlei beauftragen

Samstag, 05. Dezember 2015
GWA-Chef Wolf Ingomar Faecks setzt jetzt auf externe Aufklärung
GWA-Chef Wolf Ingomar Faecks setzt jetzt auf externe Aufklärung
Foto: Sapient Nitro

Neue Wendung in der Affäre um die Effie-Vergabe: Anders als noch vor kurzem gegenüber den Mitgliedern angekündigt, will der GWA zur Aufklärung der Manipulationsvorwürfe nun doch nicht den Ältestenrat und die Jury einberufen. Stattdessen soll Anfang kommender Woche eine unabhängige Anwaltskanzlei mit der Prüfung der Vorgänge beauftragt werden.
Das hat Verbandspräsident Wolf Ingomar Faecks in einem neuen Schreiben an die Mitgliedsagenturen angekündigt. Die Kanzlei soll mögliche Regelverstöße der handelnden Personen untersuchen, ausdrücklich auch die Rolle von Faecks. Er hatte das Vorgehen des mittlerweile zurückgetretenen Jurychefs Thomas Strerath gebilligt. Diesem werden von Scholz & Friends-Chef Frank-Michael Schmidt Verstöße gegen die Effie-Spielregeln und Manipulationen zugunsten seiner Agentur Jung von Matt vorgeworfen. Die Einschaltung einer externen Kanzlei wurde nicht zuletzt deshalb nötig, weil der GWA-Ältestenrat abgewunken hatte. "Aus meiner Sicht existiert das Gremium nicht mehr", hatte das bisherige Mitglied Ingo Krauss erklärt und zugleich betont, nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Anschluss an die anwaltliche Prüfung soll nun auch die Funktion und Besetzung des Ältestenrats geklärt und gegebenenfalls neu geregelt werden.

Die Kanzlei soll nicht nur das Verhalten der Akteure überprüfen - laut Auskunft von Faecks auch inwieweit die von Schmidt erhobenen Vorwürfe rechtlich problematisch sind -, sondern ebenfalls die Rechtmäßigkeit der Einreichung und Auszeichnung des betroffenen Astra-Cases. Von der Beurteilung soll dann abhängen, ob - wie bislang geplant - die Effie-Jury noch einmal zusammenkommt. Zudem plant GWA-Chef Faecks, der inzwischen von einem Ausflug mit Verbandskollegen ins Silicon Valley zurückgekehrt ist, einen Kodex zum Umgang der Agenturen untereinander zu entwickeln.

Im Folgenden der komplette Brief an die Verbandsmitglieder:

Liebe Mitglieder,

ich möchte Sie nun nach meiner Rückkehr aus den USA informieren, was ich plane, um die Effie-Krise rund um den Astra-Case umgehend, rückhaltlos und transparent aufzuklären.

Wir werden kommende Woche eine unabhängige Anwalts-Kanzlei damit beauftragen, den gesamten Sachverhalt objektiv und neutral zu überprüfen. Ziel ist es dabei, genau zu analysieren, inwieweit von den handelnden Personen gegen Regularien verstoßen wurde. Das schließt auch ausdrücklich meine gegenüber Thomas Strerath getätigten Billigungen im Verlauf des Verfahrens ein.

Gegenstand der Prüfung ist dabei sowohl die Einreichung des Cases durch PuK, der gesamte Jurierungsprozess und auch die Korrektheit der im offenen Brief von FM Schmidt erhobenen Anschuldigungen. Es muss ebenfalls geprüft werden, ob die Prämierung des Astra-Cases mit einem goldenen Effie so bestehen bleiben kann oder unter Prüfung aller Optionen gegebenenfalls korrigiert werden muss. Von dieser Beurteilung wird auch abhängen, wie und ob die Jury in die Heilung der Vorgänge eingebunden werden wird.

Darüber hinaus soll überprüft werden, inwieweit das Vergabesystem künftig verbessert werden kann, um vergleichbare oder anders gelagerte Fälle in Zukunft besser handhaben zu können. Im Anschluss werden wir zu einer außerordentlichen  Mitgliederversammlung zur Aufarbeitung des Vorfalls einladen, in der ebenfalls die Funktion und Besetzung des Ältestenrats überprüft und gegebenenfalls neu geregelt werden wird.

Als weitere Maßnahme werde ich die Entwicklung eines Kodex zum Umgang von Agenturen untereinander initiieren. Dazu möchte ich gerne die aktuellen Akteure sowie weitere Vertreter der Branche wie die Presse und andere Verbände einladen mitzuwirken. Außerdem werde ich versuchen, die Streitparteien zu Beilegung des Konflikts mit vernünftigen Mitteln zu bewegen.

Ich werde Sie über den Verlauf der weiteren Schritte voll transparent informiert halten. Mir liegt sehr am Herzen, diese Krise im Sinne des Verbands und seiner Mitglieder und im Sinne der Glaubwürdigkeit des Effies umgehend und rückhaltlos zu überwinden.

Mit freundlichen Grüßen
Dank Lufthansa-Flynet aus den Wolken über dem Atlantik

Wolf Ingomar Faecks
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