Effie-Affäre Gold für Jung von Matt ist unwirksam / GWA-Chef Faecks will Vertrauensfrage stellen

Donnerstag, 24. März 2016
Beim Effie 2015 gewann die Astra-Kampagne Gold in der Kategorie Evergreen
Beim Effie 2015 gewann die Astra-Kampagne Gold in der Kategorie Evergreen
Foto: Timmo Schreiber

Mit Spannung ist das Ergebnis des juristischen Gutachtens erwartet worden, jetzt liegt es vor: Die nachträgliche Vergabe eines goldenen Effie an die Agentur Jung von Matt für die Astra-Kampagne ist unwirksam. Das hat die Untersuchung der Kanzlei Oppenhoff & Partner ergeben. Demnach sei die Nachnominierung schon deshalb unzulässig, weil Jung von Matt nicht fristgerecht als Einreicher genannt wurde. Die Agentur Philipp und Keuntje, die den Preis laut Juryentscheid zunächst allein gewonnen hatte, darf die Trophäe behalten. GWA-Präsident Wolf Ingomar Faecks, der in einem Schreiben an alle Mitglieder eigene Fehler in der Angelegenheit eingesteht, bietet an, die Vertrauensfrage zu stellen.

Doch der Reihe nach. Worum geht es eigentlich? Die Kanzlei sollte den Astra Case untersuchen, der beim Effie 2015 in der Kategorie Evergreen mit Gold ausgezeichnet wurde. Von der Jury wurde die Einreichung von Philipp und Keuntje prämiert. Durch eine nachträgliche Intervention der Agentur Jung von Matt, deren Vorstand Thomas Strerath auch Vorsitzender der Effie-Jury war, wurde diese Agentur ebenfalls als Gold-Gewinner behandelt. Begründung: Die Einreichung von Philipp und Keuntje enthielt Motive aus der Zeit, als der Etat noch bei Jung von Matt betreut wurde.

Die Kanzlei kommt in ihrer Untersuchung zu einem eindeutigen Ergebnis. Die Vergabe an Jung von Matt sei zu keinem Zeitpunkt wirksam gewesen. Als Rechtsrahmen zieht sie neben der vom damaligen Jurychef Strerath formulierten "Bedienungsanleitung" den Paragraphen 661 BGB heran, der das Vorgehen bei Preisausschreiben regelt. Als solches sei der Effie Award zu bewerten, so die Experten von Oppenhoff & Partner. Auf Basis dieser Vorgaben sei eine Nachnominierung ausdrücklich unzulässig. Aussagen des GWA, Jung von Matt habe auch einen goldenen Effie gewonnen, entsprachen also zu keiner Zeit der tatsächlichen Rechtslage, folgern die Juristen.
Thomas Strerath
Bild: Alexander Hassenstein / Getty Images

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Die Vergabe an Philipp und Keuntje, auch wenn sie auf Basis einer fehlerhaften Einreichung zustande kam, sei dagegen unanfechtbar, weil ihr eine bindende Juryentscheidung zugrunde lag. "Eine gesonderte Entscheidung anderer Beteiligter außerhalb der Jury, wem der Preis zu verleihen war, war daher weder erforderlich noch zulässig", heißt es in dem Gutachten, das der Verband allerdings nur auszugsweise und nicht vollständig veröffentlicht. Warum sich der GWA für dieses Vorgehen entschieden hat, ist unklar. Randbemerkung: Der DFB hatte vor kurzem das komplette Rechtsgutachten der Kanzlei Freshfields öffentlich zugänglich gemacht, die die Vorgänge um fragwürdige Zahlungen rund um die WM-Vergabe 2006 untersucht hatte.

Weniger eindeutig sind die Schlussfolgerungen von Oppenhoff & Partner in Bezug auf die handelnden Personen. Zu Compliance-relevanten Verhaltensweisen könne man nur teilweise Feststellungen treffen, so die Juristen. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass Jurychef Strerath und Verbandspräsident Wolf Ingomar Faecks Fehler bei der Bewertung des Falles gemacht haben. Insbesondere der Interessenkonflikt von Strerath hätte erkannt werden und dazu führen müssen, dass sich der JvM-Manager nicht mit der Sache befasst.

Dass es in dem Prozedere zum Bruch von Verschwiegenheitspflichten durch Strerath oder andere Beteiligte gekommen ist, könne man weder ausschließen noch bestätigen, heißt es in dem Gutachten. Keine Anhaltspunkte ließen sich jedoch für ein absichts- und planvolles Vorgehen zum Verheimlichen von Handlungen feststellen - zumindest nicht bei der nachträglichen Änderung der Finalisten-Liste. Entsprechende Anschuldigungen hatte Scholz & Friends-Chef Frank-Michael Schmidt in einem offenen Brief erhoben, in dem er Strerath öffentlich Manipulationen vorwarf.

Diesen Punkt des Gutachtens stellt Jung von Matt in einer eigenen Pressemitteilung in den Vordergrund. Dort heißt es: "... dass die Vorwürfe von Frank-Michael Schmidt gegen den Jury-Vorsitzenden Thomas Strerath hinsichtlich Amtsmissbrauch, Täuschung, Bedrohung und Dokumentenmanipulation keine Bestätigung fanden bzw. ausdrücklich ausgeschlossen wurden". Gleichzeitig kündigt die Agentur an, "sich daraus ergebende mögliche juristische Schritte gegen Frank-Michael Schmidt" nicht wahrzunehmen.
Thomas Strerath
Bild: Jung von Matt

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Anders als bislang von Co-Gründer Jean-Remy von Matt angekündigt, akzeptiert die Agentur die Vergabe an Philipp und Keuntje, auch wenn diese auf Basis einer fehlerhaften Einreichung zustande gekommen sei. Zudem akzeptiert sie - "unabhängig von der inhaltlichen Richtigkeit" - dass sie selbst nicht ausgezeichnet werden könne, da die Agentur nicht fristgemäß als Urheber genannt wurde. Darüber hinaus bedauert Vorstand Strerath noch einmal "seine Fehleinschätzung über seinen Interessenkonflikt und das gemeinsame Vorgehen mit Wolf Ingomar Faecks". Strerath hatte unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe seine GWA-Ämter niederlegt.

Auch Faecks hat sich in der Angelegenheit nicht mit Ruhm bekleckert. In einem Schreiben an die Mitgliedsfirmen bittet er um Entschuldigung für sein Verhalten. Seine Reaktionen auf den Sachverhalt als solchen und die Nachfragen von Schmidt seien nicht angemessen beziehungsweise unzureichend gewesen. Gleichzeitig betont er, dass er "zu keinem Zeitpunkt etwas verheimlichen oder inkorrekt handeln wollte".

Trotzdem will er Konsequenzen ziehen - für den Verband und persönlich. Der GWA wird die Effie-Regularien mit juristischer Hilfe überarbeiten. Faecks persönlich bietet den Mitgliedern an, auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung die Vertrauensfrage zu stellen. Sollten die Agenturchefs dies wünschen, werde eine solche Versammlung einberufen. Mit der Aufklärung des Vorgangs und für die Zusammenarbeit mit der Kanzlei waren die beiden Vorstände Thomas Eickhoff und Wolfgang Pachali verantwortlich.

Bestätigt darf sich unterdessen S&F-Chef Schmidt fühlen. Seine Forderungen wurden weitgehen erfüllt. Die Agentur Jung von Matt hat keinen Anspruch auf den goldenen Effie und soll laut Empfehlung der Juristen aus allen Siegerlisten, dem Effie-Buch und entsprechenden Rankings gestrichen werden, in denen sie im Zusammenhang mit dem Astra-Case genannt wird. mam        

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