Effie-Affäre GWA will Jury nochmals einberufen / Ältestenrat-Mitglied Krauss lehnt ab

Freitag, 04. Dezember 2015
Die Effie-Jury soll entscheiden, ob Jung von Matt Gold behalten darf
Die Effie-Jury soll entscheiden, ob Jung von Matt Gold behalten darf
Foto: GWA

Seit Anfang der Woche kennt die Agenturbranche fast nur ein Thema: Die Effie-Affäre und den Rücktritt von Jurychef Thomas Strerath von allen Ämtern im GWA. Er war von Scholz & Friends-CEO Frank-Michael Schmidt beschuldigt worden, seiner Agentur Jung von Matt einen goldenen Effie für den von Philipp und Keuntje eingereichten Astra-Case zugeschanzt zu haben. Über die Vorwürfe, Regelverstöße und mögliche Motivlagen ist viel gesprochen und geschrieben worden. Weniger darüber, wie es jetzt weitergeht.
Noch ist das Ausgangsproblem der Affäre nicht gelöst: Darf Jung von Matt den goldenen Effie als "beteiligte Agentur" behalten oder nicht? Jetzt zeichnen sich die nächsten Schritte ab – und damit weitere Probleme. GWA-Chef Wolf Ingomar Faecks hat in einer Mail an alle Mitglieder angekündigt, "hinsichtlich der abschließenden Klärung des Sachverhalts und des Verhaltens aller beteiligten Personen" sowohl den Ältestenrat als auch die Effie-Jury einzuberufen. Das heißt im Klartext: Mit der Frage nach dem goldenen Effie soll sich noch einmal die Jury befassen. Über die Regelverstöße von Strerath, aber auch mögliches Fehlverhalten von Schmidt - der die schweren persönlichen Vorwürfe in einem offenen Brief vorgebracht hat – soll der Ältestenrat befinden.
Thomas Strerath
Bild: Jung von Matt

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Nun ist die Sache mit dem Ältestenrat aber nicht so leicht. Er kann nicht einfach loslegen, sondern muss von einer der Streitparteien angerufen werden. Dies ist nach Auskunft der GWA-Geschäftsstelle inzwischen geschehen. Dennoch gibt es ein Problem: "Ich gehe davon aus, dass der Ältestenrat nicht mehr existiert", sagt Ex-Agenturchef Ingo Krauss, der zuletzt zusammen mit Reiner Erfert und Georg Baums dem Gremium angehörte. Ein seit zwei Jahren geplantes Gespräch mit Präsident Faecks über die Rolle und Funktion des Ältestenrats habe bis heute nicht stattgefunden. "Sollte ich angesprochen werden, ob ich jetzt in der aktuellen Angelegenheit aktiv werden will, würde ich nein sagen", teilt Krauss mit. Erfert und Baums waren nicht zu erreichen.

Damit ist unklar, wie es in dem Streit zwischen Strerath und Schmidt weitergeht. Eigentlich ist der Ältestenrat dafür zuständig, Streitigkeiten zwischen Mitgliedsagenturen zu schlichten und Verstöße gegen die Satzung oder Beschlüsse der Mitgliederversammlung zu ahnden. Dafür stehen ihm die Instrumente Verwarnung, Rüge und Ausschlussempfehlung zur Verfügung. Dass es sich um einen Konflikt zwischen Agenturen handelt, hat Scholz & Friends-Chef Schmidt aber ausdrücklich verneint. Es gehe ihm ausschließlich um die Regelverstöße des bisherigen Effie-Juryvorsitzenden, nicht um die Agentur Jung von Matt. Aus deren Umfeld ist wiederum zu hören, dass der offene Brief von Schmidt auf Tatbestände wie "üble Nachrede" juristisch geprüft wird. Für weiteren Konfliktstoff ist also gesorgt.

Verbandspräsident Faecks hat inzwischen eingeräumt, dass er in das Vorgehen Streraths involviert war. Gleichzeitig bezeichnet er die Nachnominierung Jung von Matts in seinem Schreiben an die Mitgliedsagenturen als formellen Fehler und diese Entscheidung "in ihrer Art und Form" als nicht richtig. Sie hätte ohne Beteiligung von Strerath und unter Einbeziehung der Jury erfolgen müssen. Auch die Agentur Philipp und Keuntje gesteht in einer Mail an die Effie-Juroren zu, dass sie in der ursprünglichen Einreichung einen Fehler gemacht hat, als sie Jung von Matt nicht erwähnte. Man werde aber nicht unwidersprochen akzeptieren, "wenn Philipp und Keuntje öffentlich zum Sündenbock gemacht werden soll", heißt es in der Mail.

Sollte die Effie-Jury Jung von Matt die Gold-Auszeichnung aberkennen, droht neuer Ärger. Dann dürfte es nicht bei dem Rücktritt von Strerath als Jurychef und Verbandsvorstand bleiben. Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass in diesem Fall Jung von Matt aus dem GWA austritt. Nach Serviceplan wäre damit eine weitere Großagentur nicht mehr Mitglied im Verband. Präsident Faecks, der in der Sache bislang auch keine sonderlich gute Figur gemacht hat, ahnt, welche Konsequenzen die ganze Geschichte jetzt schon hat: "Leider spielt dieses öffentliche Scharmützel all den Kritikern in die Hände, die uns und dieser Branche öffentliche Zerfleischungslust vorwerfen." mam
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