Manipulationsvorwurf Thomas Strerath antwortet F.M. Schmidt - und verteidigt Recht auf geistiges Eigentum

Montag, 30. November 2015
Thomas Strerath hat dem offenen Brief von Frank-Michael Schmidt geantwortet
Thomas Strerath hat dem offenen Brief von Frank-Michael Schmidt geantwortet
Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images

Das ist ein offener Brief, der es in sich hat: Frank-Michael Schmidt, CEO von Scholz & Friends, wirft dem Effie-Juryvorsitzenden Thomas Strerath Manipulationen bei der Wertung der diesjährigen Preisträger vor. Stein des Anstoßes ist der mit Gold ausgezeichnete Astra-Case von Philipp und Keuntje, für den JvM als "beteiligte Agentur" ebenfalls die volle Punktzahl vom Veranstalter Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA bekommen hat. Mittlerweile hat Strerath geantwortet - geht aber nicht explizit auf den Manipulationsvorwurf ein.
Die Intervention von Schmidt ist nicht zuletzt vor dem Hintergrund der vorige Woche von JvM-Manager Rapahel Brinkert ausgerufenen Ethik-Debatte bemerkenswert. Brinkert hatte ein flammendes Plädoyer für mehr Selbstwertschätzung der Agenturen untereinander gehalten. "Lasst uns aufhören, uns gegenseitig im Sandkasten mit Dreck zu beschmeißen", so seine Forderung.
Frank-Michael Schmidt, CEO von Scholz & Friends
Frank-Michael Schmidt, CEO von Scholz & Friends (Bild: Scholz & Friends)
Auf genau diese Initiative bezieht sich Schmidt nun in seinem offenen Brief an Strerath und erklärt, dass zur Selbstwertschätzung auch gehöre, "... Reden und Handeln in Einklang zu bringen sowie die Regeln des Anstands ebenso einzuhalten wie die des Verbands". Was dem Ansehen der Branche schade, sei, "im Scheinwerferlicht als Moralapostel aufzutreten und im Dunkeln alle Regeln zu brechen". Harte Worte. Doch worum geht es eigentlich genau? Um die Vergabe des goldenen Effie für die Astra-Kampagne in der Kategorie "Evergreen". Hier war die Agentur Philipp und Keuntje als langjähriger Betreuer geehrt worden. Nach der Preisverleihung wurde bekannt, dass auch JvM als "beteiligte Agentur" ausgezeichnet wird. Auf ihrer Website feierte die Kreativschmiede den Case als eigenes Effie-Gold. Zu Unrecht, wie Scholz & Friends-Chef Schmidt findet. Er ist sich sicher, dass die Wertung für JvM nur durch eine irreguläre Intervention von Jurychef Strerath zustande gekommen ist. In dem Brief an seinen Kollegen heißt es: "Du hast [...] Dein Amt als Juryvorsitzender gebraucht, um hinter dem Rücken der Jury und im toten Winkel der öffentlichen Aufmerksamkeit der Agentur Jung von Matt eigenhändig einen goldenen Effie zu verleihen".

Zur Begründung führt Schmidt an, dass Strerath regelwidrig und nach Ablauf sämtlicher für Interventionen vorgesehenen Fristen den Geschäftsführer von Philipp und Keuntje dazu überredet habe, einer Nennung von JvM in den Credits zuzustimmen. Noch schwerer wiegt die zweite Anschuldigung: Schmidt wirft Strerath eine Manipulation der Shortlist vor. Das entsprechende Dokument vom 30. September sei am 7. Oktober nachträglich zugunsten von JvM geändert worden - und das, obwohl die Satzung des Effie Nachnominierungen nach Abschluss der Einreichung ausdrücklich verbiete. "Durch diese Manipulation wurde die Illusion geschaffen, dass der goldene Effie für Jung von Matt in der Kategorie Evergreen rechtmäßig sein könnte", schreibt Schmidt.

In seinem Brief fordert der Agenturmanager unter anderem, den Effie für JvM zu streichen und der Agentur die Punkte im Ranking des GWA abzuerkennen. Ausdrücklich nicht davon betroffen ist die Auszeichnung für Philipp und Keuntje und den Kunden Carlsberg. Sie seien die alleinigen Preisträger.

Eine Rücktrittsforderung an Strerath vom Amt des Jurychefs und als Verbandsvorstand findet sich in dem Schreiben nicht. Gleichwohl geht der Verfasser hart mit seinem Kollegen ins Gericht und spricht von "Gutsherrenart" und "Vorspiegelung falscher Tatsachen". Der Effie sei "kein Selbstbedienungsladen des Juryvorsitzenden", so Schmidt. Mit der vorige Woche beschworenen Harmonie in der Agenturlandschaft könnte es nach diesem Brief also schon bald wieder vorbei sein. Strerath war bislang nicht für ein Statement erreichbar. mam

Der offene Brief von Frank-Michael Schmidt an Thomas Strerath zum Download (PDF)

Update: Inzwischen gibt es eine Antwort von Thomas Strerath auf den offenen Brief von Frank-Michael Schmidt - ebenfalls in Form eines offenen Briefs ( Die Replik von Thomas Strerath (PDF)). In diesem macht der Effie-Jurychef zunächst deutlich, dass er sich kaum über die Ausführungen von Schmidt gefreut habe. Letztlich würden sie ihm aber helfen. Nämlich dabei, ein Thema anzusprechen, das für die gesamte Kreativbranche von großer Bedeutung sei: das Recht am geistigen Eigentum. Die Astra-Kampagne sei ein Evergreen, der in seiner Form mit Layout und Claim bei Jung von Matt entstanden sei. Das sehe auch Hartwig Keuntje, Co-Gründer von Philipp und Keuntje, so. Er und Jean-Remy von Matt hätten sich in einem kurzen Telefonat schnell darauf geeinigt, dass man in der Einreichung "17 Jahre lang frisch und dagegen" den entsprechenden Fehler korrigiert. In Abstimmung mit GWA-Präsident Wolf Ingomar Faecks habe Strerath diese Änderung gern akzeptiert. Auf die Manipulationsvorwürfe von Schmidt geht der JvM-Vorstand nicht ein. Nur so viel: Der Ältestenrat des GWA möge prüfen, ob ein Fehlverhalten beziehungsweise eine Verletzung der formal-juristischen Regeln und der Satzung vorliege.
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