Edelman Trust Barometer Vertrauen in Unternehmen, NGOs und Medien sinkt

Dienstag, 20. Januar 2015
Der schnelle technologische Wandel überfordert viele Menschen
Der schnelle technologische Wandel überfordert viele Menschen
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Die Globalisierung und der immer schnellere technologische Wandel verunsichert viele Menschen. In Deutschland ist die Angst vor Innovationen besonders deutlich ausgespägt. In der Folge sinkt auch das Vertrauen in Unternehmen, NGOs und Medien. Als der Fels in der Brandung erscheint vielen Menschen dagegen die Bundesregierung. Das geht aus dem aktuellen Trust Barometer 2015 der PR-Agentur Edelman hervor.
Für die 15. Ausgabe seiner jährlichen Erhebung hat die Agentur erstmals das Vertrauen in Innovationen unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse zeigen, dass immer mehr Menschen dem rasanten technologischen Wandel skeptisch gegenüberstehen. 51 Prozent der Befragten in 27 Ländern gehen die Veränderungen um sie herum zu schnell. In Deutschland sind die Vorbehalte gegenüber Innovationen besonders stark ausgesprägt: Hier liegt der entsprechende Anteil sogar bei 57 Prozent. Für Unternehmen und ihre Kommunikation eine Herausforderung: "Unternehmen stehen damit vor einem Balanceakt: Sie müssen innovativ sein, um ihre Zukunft abzusichern. Gleichzeitig laufen sie Gefahr, ihre Kunden zu verlieren, wenn sie Geschäftsideen, Produkte und Dienstleistungen zu schnell weiter entwickeln und nicht ausreichend erklären", sagt Susanne Marell, CEO von Edelman Deutschland.

Der mangelnde Glaube an Innovationen ist aber nur ein Anzeichen für einen allgemeinen Vertrauensrückgang in gesellschaftliche Institutionen in Deutschland. So ging der Trust Index insgesamt um 7 Prozentpunkte auf 50 Prozent zurück. Vor allem das Vertrauen in Unternehmen (minus 12 Prozentpunkte), NGOs (minus 10 Prozentpunkte) und Medien (minus 9 Prozentpunkte) ist signifikant gesunken. Immerhin: Das Vertrauen in die Bundesregierung legte um einen Prozentpunkt auf 50 Prozent zu - laut Edelman im Langzeitvergleich ein sehr hoher Wert.

"Nachdem die deutsche Wirtschaft in den Augen der Menschen in den vergangenen Jahren ein Garant für Stabilität war, sehen wir in den Ergebnissen des Trust Barometers 2015 wieder deutlich mehr Unsicherheit", erklärt Susanne Marell. "Neben der instabilen Lage in der Gesamtwirtschaft, zum Beispiel durch die Folgen der Ukraine- und der Euro-Krise, trägt die Skepsis der Deutschen in Bezug auf Innovationen zu diesem signifikanten Vertrauensrückgang bei."

Die vertrauenswürdigsten Branchen sind Technologie-Unternehmen, Hersteller von Unterhaltungselektronik und die Automobilindustrie. Die schlechtesten Vertrauenswerte haben der Finanzsektor, Banken und die Medienbranche.

Vor allem die traditionellen Medien haben Vertrauen eingebüßt. So halten in Deutschland nur noch 66 Prozent der Befragten Zeitungen, Zeitschriften und den Rundfunk für glaubwürdig - 11 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Schwacher Trost: Die entsprechenden Vertrauenswerte für Suchmaschinen (47 Prozent), Nachrichtenwebsites und Blogs (36 Prozent), soziale Medien (31 Prozent) und unternehmenseigene Publikationen (30 Prozent) liegen noch deutlich darunter. International haben Suchmaschinen mit 64 Prozent die traditionellen Medien mit 62 Prozent als glaubwürdigste Quelle dagegen erstmals abgelöst.

Für das Edelman Trust Barometer befragt die PR-Agentur in 27 Ländern jeweils 1000 Personen aus der allgemeinen Bevölkerung und 200 Meinungsführer (USA und China jeweils 500). Insgesamt wurden für die 15. Ausgabe der Erhebung 33.000 Menschen befragt. dh
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