Dmexco Google-Manager Lehne: "Wir werden definitiv keine Mediaagentur gründen"

Donnerstag, 17. September 2015
Lars Lehne, Google Deutschland
Lars Lehne, Google Deutschland
Foto: Alexander Hassenstein
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Thomas Koch versteht sich als Enfant terrible der deutschen Mediaszene. Das wurde einmal mehr bei der von ihm moderierten Dmexco-Podiumsdiskussion "Wer ist der Media Owner der Zukunft?" deutlich. Koch bemühte sich redlich, die Diskussionsteilnehmer zu provozieren. Wirklich gelungen ist ihm dies allerdings nicht. Viele seiner kleinen und großen Sticheleien wurden entweder ausweichend beantwortet oder schlicht ignoriert.
Vor allem die Breitseiten gegen Mediaagenturen und ihre veränderte Rolle als Händler verpufften. Weder OWM-Chefin Tina Beuchler, noch "Bild"-Managerin Donota Hopfen, Lars Lehne von Google, Thorsten Ahlers von Otto und schon gar nicht Dentsu-Aegis-Chef Zoja Paskaljevic wollten einstimmen. Von mangelnder Transparenz im Mediabusiness könne keine Rede sein, genauso wenig von einem Vertrauensverlust, betonte Paskaljevic, ohne dass ihm einer seiner Mitdiskutanten widersprach. Lediglich Google-Manager Lehne kritisierte einmal vorsichtig, dass die Mediaagenturen die Konzentration auf den Einkauf in den vergangenen Jahren womöglich etwas übertrieben haben. Dass Google selbst Ambitionen habe, stärker im Mediabusiness Fuß zu fassen, dementierte Lehne deutlich: "Sonst werde ich immer gefragt, wann wir eine Werbeagentur gründen. Das machen wir definitiv nicht. Genauso wenig planen wir, eine Mediaagentur aufzubauen." Stattdessen wolle man Mediaagenturen, die "tolle Partner" seien, bei der digitalen Transformation helfen. Überhaupt sei es das vorrangige Ziel von Google, "die Welt zu einem besseren Platz zu machen", so Lehne in bester Silicon-Valley-Terminologie.

Zur Frage, wer denn nun Media Owner der Zukunft sei - traditionelle Medienhäuser, Unternehmen oder vielleicht sogar Agenturen - gab es nicht viel Erhellendes. "Bild"-Managerin Hopfen unterstrich wenig überraschend, dass sie ihr Verlagshaus und ihren Titel weiter in einer führenden Rolle sieht. Mit 37 Millionen Menschen, die in Deutschland inzwischen über sämtliche Knäle erreicht würden, habe man eine größere Präsenz als Facebook (35 Millionen) und Youtube (28 Millionen). Einig waren sich die Diskutanten darin, dass es in Zukunft viel weniger darauf ankomme, wer nun Media Owner sei, sondern darauf, wem die Daten gehören. Das betonte vor allem OWM-Chefin und Nestlé-Managerin Tina Beuchler. Die von ihrem Verband geäußerte Kritik am Zustand der Digitalwerbung wollte sie auf dem Podium nicht weiter vertiefen.

Auch Otto-Mann Ahlers, der gerade die Otto Media Group aufbaut, unterstrich: "Werbung und Daten gehören zusammen." Google-Manager Lehne gab zum Abschluss noch einen interessanten Hinweis: Für ihn haben die Medienhäuser bei Inhalten weiter die Nase vorn. "Bei den Werbeträgern müssen wir aber auf Amazon aufpassen", so Lehne. mam
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