Digitalagenturen Accenture schluckt Sinner Schrader

Montag, 20. Februar 2017
Matthias Schrader bleibt auch nach der Übernahme Chef
Matthias Schrader bleibt auch nach der Übernahme Chef
Foto: Sinner Schrader

Die großen Beratungsunternehmen machen sich zunehmend im Agentur-Business breit - allen voran Accenture. Nachdem zuletzt auch McKinsey, Deloitte Digital und IBM mit Zukäufen auf sich aufmerksam gemacht haben, sorgt nun Accenture ein weiteres Mal für Schlagzeilen. Die Beratungsfirma übernimmt mit Sinner Schrader einen der renommiertesten deutschen Digitaldienstleister - und lässt sich den Deal rund 100 Millionen Euro kosten.

Mit einem Honorarumsatz in Höhe von 47,8 Millionen Euro belegte Sinner Schrader im Ranking der größten Internetagenturen 2016 den 6. Platz. Jetzt bekommt der Dienstleister einen neuen Eigentümer.

Matthias Schrader 2017
Bild: Sinner Schrader

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Wie die Digitalagentur mitteilt, übernimmt Accenture 62 Prozent der Sinner-Schrader-AG-Aktien - und legt dafür 9 Euro pro Aktie auf den Tisch. Verkäufer sind Mitgründer und CEO Matthias Schrader, Finanzchef Thomas Dyckhoff und weitere Aktionäre. Darüber hinaus plant Accenture, den übrigen Aktionären ein öffentliches Übernahmeangebot zum gleichen Preis vorzulegen. Damit wird Sinner Schrader mit rund 103 Millionen Euro bewertet. 
Mathias Gehrckens
Bild: D-Group

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Mit der Übernahme will die Beratungsfirma ihre Sparte Accenture Interactive in Deutschland ausbauen. In einer bereits unterzeichneten Vereinbarung über die zukünftige Zusammenarbeit wurde festgehalten, dass Sinner Schrader und Accenture Interactive künftig gemeinsame Lösungen für digitale Transformation entwickelt wollen. Dabei gehe es um eine Kombination von Beratung, Design und Technologie.

Auch wenn Matthias Schrader seine Anteile verkauft, ist seine Ära als Chef nicht beendet - im Gegenteil. Der Vereinbarung zufolge bleibt Schrader CEO von Sinner Schrader und übernimmt nach einer Übergangsperiode auch die Führung des kombinierten Agenturgeschäfts von Accenture Interactive in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Marke Sinner Schrader soll - anders es in einber ersten Stellungnahme hieß, erhalten bleiben. Nach dem Erwerb der Aktienmehrheit soll Sinner Schrader mit der Tag-Line „part of Accenture Interactive“ ergänzt werden.

Klaus, Manfred_Plan.net
Bild: Plan.net/Serviceplan

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Schrader ist nicht der einzige Manager von Sinner Schrader, der an Bord bleibt. Das Führungsteam der Agentur solle das "bestehende Führungsteam von Accenture Interactive mit neuen Kompetenzen verstärken", heißt es ind er Mitteilung. Der Aufsichtsrat von Sinner Schrader habe der Vereinbarung bereits zugestimmt.

Der aktuelle Chef von Accenture Interactive, Rainer Balensiefer, wird in einer Übergangszeit weiterhin die Führung von Accenture Interactive in Deutschland, Österreich und der Schweiz innehaben und sich um die Koordinierung, die Zusammenarbeit und die Integration des Geschäfts von und mit Sinner Schrader kümmern, erfuhr HORIZONT Online. Nach dieser Übergangszeit werde  er  "eine prominente Führungsrolle" im Digitalbereich von Accenture in Deutschland, Österreich und der Schweiz einnehmen. 

Sinner Schrader beschäftigt derzeit rund 500 Mitarbeiter in Hamburg, Berlin, Frankfurt, München, Prag und Hannover. Zu den größten Kunden der Agentur zählen die Allianz, Audi, BMW, die Comdirect Bank, Ergo, Telefonica, TUI, Unitymedia und Volkswagen.

Sinner Schrader ist nicht der erste Zukauf von Accenture im Agenturgeschäft. Im Juni 2016 hatte das Unternehmen die auf digitale Transformation spezialisierte Consultingfirma D-Group übernommen, im November schluckte Accenture zudem die Londoner Agentur Karmarama

Damit befindet sich Accenture in guter Gesellschaft. So hat IBM im vergangenen Jahr mit Aperto und Ecx.io gleich zwei Digitalagenturen gekauft. Zudem stieg Deloitte Digital 2014 bei Flow Interactive ein, und McKinsey schnappte sich 2015 die Agentur Lunar. Auch Capgemini hat vor kurzem die Übernahme der Agentur Idean angekündigt. mas

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