Digitalagentur R/GA eröffnet eine Niederlassung in Berlin / Gründer Bob Greenberg über seine Pläne

Freitag, 01. Juli 2016
Agenturgründer Bob Greenberg will weltweit expandieren
Agenturgründer Bob Greenberg will weltweit expandieren
Foto: R/GA

Die Zuschauer der Cannes-Serie „Le Petit Lion“ wissen es schon: Die US-Digitalagentur R/GA will nach Deutschland kommen. CEO Bob Greenberg und Euroapchef James Temple haben exklusiv mit HORIZONT über ihre Expansionspläne gesprochen.

Bereits im September soll das neue Büro in Berlin-Mitte eröffnen. Die ersten beiden Kunden sind schon an Bord: Mit Metro arbeitet R/GA an einem Accelerator-Programm für Start-ups in der Gastronomie und Hotellerie. Der zweite Kunde darf noch nicht genannt werden. Fest steht, dass es sich um ein globales Unternehmen mit deutschem Headquarter handelt, das R/GA als internationalen Partner für den Bereich Employer Branding ins Boot geholt hat. Die Agentur ist aktuell mit acht Niederlassungen für diesen Konzern tätig.

HORIZONT-Redakteurin Bärbel Unckrich hat  Bob Greenberg in Cannes
Bild: HORIZONT

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Im Interview mit Greenberg stellte sich heraus, dass es geradezu verwunderlich ist, dass R/GA erst jetzt – 39 Jahre nach Unternehmensgründung – nach Deutschland kommt. Greenberg ist ein großer Fan von deutschem Design und der Bauhaus-Architektur. Auf Letzterem basiert sogar das Agenturmodell von R/GA, das in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene Evolutionsstufen durchlaufen hat: Gestartet als Produktionsfirma mit Fokus auf Special Effects, entwickelte es sich zum digitalen Designstudio über eine Digitalagentur bis hin zur heutigen Struktur, die eine Mischung aus Agentur, Technologiedienstleister, Innovationstreiber und Beratungsunternehmen ist.
James Temple ist Europachef von R/GA
James Temple ist Europachef von R/GA (Bild: R/GA)
R/GA erzielt rund 60 Prozent seines Umsatzes mit dem digitalen Agenturgeschäft, 30 Prozent entfallen auf die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen sowie das interne Accelerator-Programm. Die restlichen 10 Prozent kommen aus dem Consulting-Bereich, wo sich Greenberg als Konkurrenz zu traditionellen Firmen wie Accenture, Pricewaterhouse Coopers und Deloitte betrachtet. Insbesondere das Consulting Business soll in den kommenden Jahren signifikant ausgebaut werden. In Deutschland will R/GA alle drei Geschäftsbereiche anbieten. Die Gespräche mit potenziellen Geschäftsführer-Kandidaten laufen auf Hochtouren. Hier ist allerdings noch nichts spruchreif. Der Europachef betont, dass die Agentur auf jeden Fall mit einem deutschen Management-Team starten will. Die Agenturgröße wird von den Aufgaben abhängen, die auf die Niederlassung warten. Das europäische Headquarter in London startete vor elf Jahren mit fünf Angestellten. Inzwischen sind es 350. Aktuell entsteht ein neues Bürogebäude für 500 Mitarbeiter in dem angesagten Londoner Stadtteil Shoreditch. 

Die Interpublic-Tochter setzt derzeit global auf Wachstum. Noch im Juli wird ein Büro in Tokio eröffnet. Neben Deutschland soll dieses Jahr noch Dubai folgen. Damit wären es 17 Niederlassungen rund um den Globus. Aktuell beschäftigt die Agentur rund 2000 Mitarbeiter, davon sind 950 in New York beschäftigt.

Die New Yorker Niederlassung hat Anfang dieses Jahres nicht zuletzt durch ihren Umzug für Schlagzeilen gesorgt. In der Nähe des Hudson River ist ein digital vernetztes Hightech-Büro entstanden, das Maßstäbe im Bereich Spatial Design setzen soll. Auf Basis der eigenen Erfahrungen will Greenberg dieses Geschäftsfeld nun ausbauen. Während der Cannes Lions, bei denen R/GA vorige Woche zehn Löwen gewonnen hat, hielt Greenberg einen Vortrag zu diesem Thema. Der 68-Jährige ist überzeugt davon, dass „Connected Design“ bezogen auf physikalische Räume eines der wichtigsten Zukunftsthemen ist. Mit R/GA will er die Bereiche Design und Architektur auf innovative Weise verknüpfen. Vier Kunden, ebenfalls noch nicht spruchreif, konnte er dafür bereits begeistern. bu

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