Die neuen Havas-Chefs im Interview "Es fehlt ein klares Profil"

Donnerstag, 29. September 2016
Eric Schoeffler (l.) und Thomas Funk stehen an der Spitze der deutschen Havas-Gruppe
Eric Schoeffler (l.) und Thomas Funk stehen an der Spitze der deutschen Havas-Gruppe
Foto: Havas
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Sie standen zusammen an der Spitze von DDB Germany, jetzt leiten Thomas Funk und Eric Schoeffler die Geschicke der französischen Networkagentur Havas in Deutschland - und in weiteren europäischen Märkten. Im Interview erläutern sie die Gründe für ihren Wechsel, sagen, wie sie Havas aktuell sehen und welche Pläne sie mit der Agentur haben.

Die Havas-Chefs über ...

... ihren Wechsel:
Thomas Funk: Ich habe mich bei DDB sehr wohlgefühlt. Trotzdem kam ich an den Punkt, wo DDB mein Bedürfnis nach Veränderung nicht erfüllen konnte. Da war das Angebot von Havas, eine Rolle auf europäischer Ebene zu übernehmen, sehr reizvoll. Ich habe die Verantwortung für 15 verschiedene Agenturen in Zentral- und Osteuropa sowie der Türkei mit insgesamt mehr als 1000 Mitarbeitern. Hinzu kam, dass man uns sehr viel Gestaltungsspielraum zugesichert hat. Das ist schon ein Unterschied zu den anderen internationalen Networks.
Eric Schoeffler: Ich war 17 Jahre bei DDB. Die Frage nach einem Wechsel hat sich eigentlich nie gestellt, weil sich immer intern Perspektiven ergeben haben. Aber es kam der Punkt, an dem ich mich gefragt habe, ob ich das noch die nächsten 15 Jahre weitermachen oder mein Wissen auch mal anderswo einbringen möchte. Mir wurde in den Gesprächen mit Havas schnell klar: Man trifft hier auf Menschen, die ein klares Ziel haben, die einem aber gleichzeitig die Möglichkeit zur freien Entfaltung lassen.
So sieht das neue Logo von Havas aus
So sieht das neue Logo von Havas aus (Bild: Havas)
... den Unterschied zu anderen Networks:
Funk: Man merkt schnell, dass Freiheit hier nicht nur eine Floskel ist. Havas ist die größte inhabergeführte Agentur der Welt. Dieser direkte Kontakt zu Yannick Bolloré als Chairman und CEO ist schon ein massiver Unterschied. Gleichzeitig wissen wir, dass das Netzwerk nicht weniger ambitioniert ist als andere. Aber mit weniger Fokus, kurzfristig Ergebnisse zu produzieren. Es geht vor allem um den langfristigen Erfolg.
... ihre Aufgabe bei Havas:
Funk: Um es deutlich zu sagen: Havas hat heute kein klares Profil. Unsere Aufgabe ist, die Agentur bekannter, begehrter und zukunftsorientierter zu machen. Gerade der hohe Integrationsgrad, den wir schon haben, ist nicht jedem bekannt. Das Angebot ist das richtige, wir müssen es aber noch besser vermarkten. Was sicherlich fehlt, ist ein klares Kreativprofil. Das zu ändern, gehört zu den Aufgaben von Eric.

... die Bedeutung von Awards:
Schoeffler: Eine reine Fokussierung auf Awards kann nur falsch sein. Trotzdem wissen wir, dass wir im Ranking stattfinden müssen. Solange das Spiel auch darüber definiert wird, muss man Havas in diesen Listen finden. Wobei Top 5 momentan nicht mein Ziel ist. Wichtiger finde ich, dass wir Arbeiten haben, über die die Menschen reden. Und zwar nicht nur in unserer Branche, sondern die Leute auf der Straße. Das muss der Maßstab sein.

... ihre Idee für die Marke Havas:
Schoeffler: Wir haben einen internen Leitsatz formuliert. Wir wollen die interessanteste Agentur Deutschlands sein – nicht die größte oder kreativste, nein, die interessanteste. Das ist ein sehr anspruchsvolles Ziel, weil es einen zwingt, sich jeden Bereich anzuschauen und sich zu fragen, was notwendig ist, um diesen Anspruch zu erfüllen. Wir müssen weder ständig technische Innovationen herausbringen noch müssen wir die Nummer 1 im Kreativranking werden. Aber Havas muss sowohl für Kunden als auch für Mitarbeiter und Talente im Markt interessanter sein als die Konkurrenz. Das ist eine tolle Herausforderung.

... ihre Neugeschäftsbilanz und die wirtschaftlichen Ziele:
Funk: Ich verstehe auch nicht, warum Eric in den drei Wochen, in denen er jetzt hier ist, noch nichts konvertiert hat. Dass ich das nach gut vier Monaten nicht hinbekommen habe, war zu erwarten (lacht). Spaß beiseite: Wir sind gut angekommen, haben uns intensiv mit dem Status quo und unserer Roadmap beschäftigt. Darüber hinaus gab auch einige interessante Neugeschäftskontakte. In Anbetracht des Potenzials und der Leistungsfähigkeit der Agentur ist unser Ziel schon, den Umsatz in den nächsten vier bis fünf Jahren zu verdoppeln. Das geht natürlich nicht nur mit organischem Wachstum. mam

Das vollständige Interview lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 39/2016 vom 29. September
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