Die "Lügenpresse" wehrt sich Wie Jung von Matt eine Pegida-Demo crashte

Mittwoch, 07. Oktober 2015
Jung von Matt mogelte die iKiosk-Werbung unter die Teilnehmer der Pegida-Demo
Jung von Matt mogelte die iKiosk-Werbung unter die Teilnehmer der Pegida-Demo
Foto: Jung von Matt

Die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung gewinnt wieder an Zugkraft: In Dresden nahmen am Montag Schätzungen zufolge bis zu 9000 Menschen an einem der so genannten Abendspaziergänge teil. Was sie nicht wussten: Sie bildeten die Kulisse für eine Guerilla-Kampagne von Jung von Matt/Spree für Axel Springers iKiosk.
Die Berliner Agentur ist seit Juni dieses Jahres für die Werbekampagne des Online-Kiosks verantwortlich. Der digitale Zeitungs- und Zeitschriftenkiosk wird dabei unter dem Motto "Die neue Pressefreiheit" angepriesen, das Key Visual der Kampagne ist eine blaue Faust, die ein Smartphone oder Tablet in die Höhe streckt. Im Rahmen der Kampagne wurden bereits mehrfach aktuelle Ereignisse aufgegriffen, wie etwa der Millionentransfer Kevin de Bruynes vom VfL Wolfsburg zu Manchester City. Die Botschaft: Die Presse sollte ruhig unbequem sein, das Lesen nicht. Wie passt das Ganze nun zu Pegida? Nun: Die selbst ernannten Hüter des Abendlandes haben mit der Presse so ihre Probleme. Die Anhänger der Bewegung beschimpfen die hiesige Medienlandschaft gerne pauschal als "Lügenpresse", die nicht wahrheitsgetreu über Probleme mit Migration und Integration berichte. Der Begriff wurde sogar zum "Unwort des Jahres 2014" gewählt.

Am vergangenen Montag verwandelten iKiosk und Jung von Matt diese Hass-Botschaft in feine Ironie: Mit einem Lito-Mobil fuhren Mitarbeiter zum Ort der Kundgebung - mit durchaus mulmigem Gefühl, wie es aus der Agentur heißt. Das Fahrzeug trug ein Plakat mit der Botschaft: "Die ganze Lügenpresse in einer Hand". Nach Auskunft der Agentur sei das Motiv aus Sicherheitsgründen nur ein paar Sekunden für die Demo-Teilnehmer sichtbar gewesen. Der eine oder andere "Abendspaziergänger" dürfte das Plakat jedoch wahrgenommen haben.
So sah es an jendem Abend in Dresden aus - im Hintergrund der Litho-Wagen mit der iKiosk-Botschaft
So sah es an jendem Abend in Dresden aus - im Hintergrund der Litho-Wagen mit der iKiosk-Botschaft (Bild: Jung von Matt)
Die Vorsicht der Agenturmitarbeiter war durchaus angebracht: Bei den vergangenen Pegida-Kundgebungen wurden Journalisten mehrfach Opfer von tätlichen Angriffen durch Teilnehmer der Demos. Die Landesverbände des Deutschen Journalisten-Verbands in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben deswegen die Politik zu entschlossenem Auftreten gegenüber der Pegida-Bewegung in Dresden und dem Leipziger Ableger Legida aufgefordert. "Die Aufputschung von teilweise tausenden Anhängern der Bewegungen mit den Rufen ,Lügenpresse' ist nicht nur für alle Medienvertreter unerträglich. Sie beschädigt die Demokratie, schafft eine Stimmung der Verunsicherung in der Bevölkerung und provoziert Handlungen bis hin zum Einsatz von Gewalt", heißt es in dem gemeinsamen Schreiben. ire
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