Deutsche Agenturchefs auf der Dmexco "Brauchen einen neuen Schlag Mensch"

Donnerstag, 19. September 2013
Die vier Agenturchefs diskutierten über die Herausforderungen der digitalen Welt für die Branche
Die vier Agenturchefs diskutierten über die Herausforderungen der digitalen Welt für die Branche

Immer neue Herausforderungen in der digitalen Welt erfordern neue Maßnahmen - wie die Werbungtreibenden diese Aufgaben in einer sich permanent wandelnden Umgebung meistern können, war Thema in der hochkarätig besetzten Diskussionsrunde unter den deutschen Agenturchefs Thomas Strerath (Ogilvy), Marcel Loko (Zum Goldenen Hirschen), Arno Lindemann (LLR) und Alexander Ewig (Wunderman). Lindemann plädierte dabei gleich zu Beginn für gutes Content Marketing - das sei beispielsweise etwas, was der Kunde sehen wolle. Dabei müsse ein Schwerpunkt auf einem höheren Investment in Qualität liegen - "auch in der Machart", wie der CCO betont. Günstige Virals zu produzieren reiche in der Werbung nicht aus. Dieser Meinung schloss sich Alexander Ewig, COO bei Wunderman, an: "Es geht im Netz nicht nur um Reichweite." Vielmehr müssten die richtigen Kunden gezielt angesprochen werden. "Das ist die Währung von digitaler Werbung", so Ewig.

Im Zuge seiner Kritik an den Tags zuvor veröffentlichen OWM-Forderungen an die Werbewirtschaft sprach sich Ogilvy-&-Mather-CEO Thomas Strerath für eine Abkehr vom klassischen Kampagnendenken aus: "Im Internet ist der Nutzer immer präsent, da brauchen wir keine Kampagne mehr, die für ein paar Wochen auf diesen oder jenen Kanälen geschaltet ist." Die klassische Werberdenke sei überholt, da der Konsument eine völlig neue Rolle in der digitalen Welt einnehme. Marcel Loko (Zum Goldenen Hirschen) sprang Strerath zur Seite und nannte Red Bull als leuchtendes Beispiel, das neben einzelnen Content-Höhepunkten wie "Red Bull Stratos" permanent mit einem eigenen TV-Sender präsent sei.

Konkret bedeute das für die Agenturen insbesondere, sich nach einem "neuen Schlag Mensch" (Ewig) umzusehen, spezialisierten Talenten, die neu geschaffene Job-Profile in den Kreativagenturen ausfüllen können. "Wir stecken gerade in einem Transformationsprozess mit dem Ziel, den neuen Anforderungen gerecht zu werden." Dabei müssten die Agenturen oft selbst erst lernen, was ein solcher "Digital Head" mitbringen müsse.

Einig war sich die Runde dabei, dass in diesem noch länger andauernden Lernprozess Dinge ausprobiert werden und Fehler gemacht werden dürfen - idealerweise mit einem toleranten Kunden. Die digitale Werbung sei tatsächlich Neuland, wie Strerath unterstrich, neues Kunden- und Kaufverhalten bedeuteten neue Herausforderungen für die Branche. Aus den Augen verlieren dürften die Werbungtreibenden laut Strerath dabei eines nicht: "Marketing bedeutet Mehrwerterzeugung und nicht, Produkte mit möglichst billigen Maßnahmen zu verkaufen." tt
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