Designierter FCB-Chef Könnecke "Ich hatte nicht geplant, CEO zu werden"

Freitag, 24. April 2015
Daniel Könnecke übernimmt im Sommer den Chefposten bei FCB Hamburg
Daniel Könnecke übernimmt im Sommer den Chefposten bei FCB Hamburg
Foto: Agentur
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FCB Daniel Könnecke Interpublic Dentsu


Die Überraschung war groß, als das FCB-Netzwerk Anfang voriger Woche einen neuen CEO für den deutschen Markt präsentierte. Daniel Könnecke, 36, soll ab Sommer das Gesicht der Interpublic-Agentur im deutschen Markt sein. Er war zuletzt als Kreativchef für die Dentsu-Agentur Isobar tätig. Im Gespräch mit HORIZONT schildert er, wie er zunächst einen ganz anderen Job im Kopf hatte und welche Baustellen er anpacken will.

FCB Hamburg hat mehrere Umbauten erlebt, gilt aber immer noch nicht als besonders attraktiv. Was reizt Sie an dem Job – außer, dass Sie jetzt wieder in Ihrer Heimatstadt arbeiten können? Der Grund, bei Dentsu aufzuhören, war in der Tat, dass ich wieder zurück in die Heimat wollte. Ich habe einfach gemerkt, dass mein Herz an Hamburg hängt. Außerdem kam nach mehr als drei Jahren der Wunsch auf, etwas Neues zu machen.

Das allein erklärt noch nicht die Entscheidung für FCB. Ich finde es spannend, zu einer Agentur zu gehen, die international eine große Strahlkraft hat, ihre PS in Deutschland aber – warum auch immer – noch nicht richtig auf die Straße bringt. Das war bei Dentsu genauso. Mich reizen Challenger-Marken. Ich bin fest davon überzeugt, dass FCB großes Potenzial hat und möchte dabei helfen, dieses Potenzial besser zur Entfaltung zu bringen.

Sie haben bislang als Kreativer gearbeitet und werden jetzt CEO. Was qualifiziert Sie dafür? Ach, wissen Sie, solche Schubladen haben mich noch nie sonderlich interessiert. Bei Dentsu war ich für meine Kunden nicht nur der Kreative, sondern auch Berater und Stratege. Dass ein Etat profitabel geführt werden muss, ist mir ebenfalls nicht neu. Aber ich mache keinen Hehl daraus, dass ich nicht geplant hatte, CEO zu werden. Das hatte ich nie im Kopf. Ich dachte eher, dass FCB jemanden sucht, der Digital- und Kreativkompetenz verbindet und dabei hilft, das Angebot zu erweitern. Dafür hätte ich ebenfalls gut gepasst.

Wieso hätte? Weil mir der weltweite Networkchef Carter Murray relativ schnell gesagt hat, dass er mich nicht als Kreativen einstellen möchte. Da war ich im ersten Moment sehr überrascht. Dann hat er mir vorgeschlagen, dass ich CEO werde. Auf diese Idee wäre ich selbst wie gesagt nie gekommen. Aber je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto klarer ist mir geworden, dass ich die Aufgabe unbedingt anpacken will.

Worin besteht denn aus Ihrer Sicht die Aufgabe? Es geht vor allem darum, das kreative Produkt zu schärfen und ganzheitlicher zu machen. FCB Hamburg ist in Sachen Markenführung top, das Gleiche gilt für die klassische Werbung. Was vielleicht noch fehlt, sind echte kreative Highlights, die die gesamte Klaviatur moderner Kommunikation nutzen. Dabei denke ich auch an Themen wie Produkt- und Servicedesign. Damit müssen sich Agenturen noch stärker befassen.

Für Wachstum und Neugeschäft zu sorgen gehört nicht dazu? Natürlich geht es am Ende auch darum. Das zu leugnen wäre Quatsch. Und Wachstum erzielt man heute nicht nur mit den Bestandskunden, sondern mit Neugeschäft. Um ehrlich zu sein, ist das sogar die Hauptaufgabe. Ich halte Wachstum für extrem wichtig für die Weiterentwicklung einer Agentur und ihrer Mitarbeiter. Nur so kommen neue Aufgaben hinzu, die einen besser machen. Nicht so gut gefällt mir dagegen der Gedanke, dass man ausschließlich wachsen muss, um reicher zu werden.
Interview: Mehrdad Amirkhizi

Das vollständige Interview lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 17/2015 vom 23. April, die auch auf  Tablets oder - nach einmaliger Registrierung - als E-Paper gelesen werden kann. Nicht-Abonnenten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen.

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