"Das ist Berlin" Wie aus einem simplen Werbebriefing ein Stück deutsches Kulturgut wurde

Freitag, 07. Juli 2017
Im Musikvideo zu "Das ist Berlin" spielt der Gorilla eine zentrale Rolle
Im Musikvideo zu "Das ist Berlin" spielt der Gorilla eine zentrale Rolle
Foto: Berliner Morgenpost

Es hört sich an wie aus dem Drehbuch: Im vergangenen Jahr launchte die "Berliner Morgenpost" ihre neue Kompaktausgabe und beauftragte die Stammagentur Römer Wildberger dafür mit einer Einführungskampagne. Die bestand zum Großteil aus einer musikalischen Liebeserklärung mitsamt Musikvideo, aber gänzlich ohne Markennennung - kein Jahr später ist das Stück "Das ist Berlin" aus der Hauptstadt nicht mehr wegzudenken und sogar zum Lernstoff am Goethe-Insitut geworden.
Seit neun Jahren arbeitet Alex Römer mit seiner Agentur Römer Wildberger bereits für den Kunden "Berliner Morgenpost", hat für die Tageszeitung die Kampagne "Das ist Berlin" erschaffen und damit diverse Auszeichnungen gewonnen. So verselbstständigt wie seine Arbeit aus dem vergangenen Herbst hatte sich zuvor allerdings noch keine: Für den Launch der Tabloid-Variante der "Morgenpost" sollte Römer eine Einführungskampagne kreieren - und erschuf dafür neben eher gewöhnlichen Werbemitteln kurzerhand eine eigene Berlin-Hymne.
Gemeinsam mit Stephan Moritz von Mokoh Music sowie Sänger und Komponist Nico Rebscher gründete er das Musikprojekt "Endlich August" (Römer: "Der Monat, in dem Berlin am schönsten ist.") und produzierte das Stück. Die Verantwortlichen bei der "Berliner Morgenpost" seien begeistert gewesen - und dass, obwohl im Text von "Das ist Berlin" nicht ein einziges Mal der Name des Auftraggebers genannt wird. "Es sollte kein vordergründiger Reklamesong sein, dafür aber universell einsetzbar", sagt Römer. Die Folge: Inzwischen kennt fast jeder Berliner den Track, spätestens, nachdem die Radiostation 104.6 RTL aufmerksam wurde und "Das ist Berlin" in ihre Hot Rotation aufnahm.
Mittlerweile ist der Song Bestandteil der Cheerleader-Choreografien bei den Handballern der Füchse Berlin und den Basketballern von Alba - und auch die ein oder andere Marke bediente sich (unerlaubt) an dem Song, um ihn etwa in ihrer Telefonwarteschleife zu spielen. Den Ritterschlag erhielt die Kampagne aber vom Goethe-Institut: Der gemeinnützige Verein fragte an, ob er "Das ist Berlin" als Weihnachtsgruß an wichtige Partner schicken dürfe; inzwischen ist der Text des Lieds sogar Stoff der Unterrichtseinheiten des Instituts. In Ruanda, New York oder Thailand erlernen nun also Interessierte mit dem Songtext die deutsche Sprache. Beim ADC gewann die Kampagne auch in diesem Jahr wieder einige Nägel, darunter einen in der Kategorie Text für Römers Zeilen - dass Musikstücke ausgezeichnet werden, ist eine Rarität. Das Musikvideo dazu (Produktion: David Mohn von Noyz R Uz Films; Regie: Tim Stoffel) läuft nach wie vor in Berliner Kinos vor der Hauptvorstellung - mit Hinweis auf den Absender "Berliner Morgenpost" - sowie auf den digitalen Kanälen. Die im Clip auftauchenden Gorillas, "quasi unsere Markenbotschafter", so Römer, sind auch Bestandteil diverser weiterer Online-Spots zur Unterstützung des Tabloid-Formats.
Übrigens hat "Endlich August" inzwischen schon nachgelegt und für 104.6 RTL ebenfalls einen Track realisiert: "Ich will nicht irgendwer sein" ist eine Liebeserklärung der Gattung Radio an die Hörer. Und sobald die drei vielbeschäftigten Köpfe Römer, Moritz und Rebscher wieder gemeinsam Zeit finden, soll es weiter gehen mit dem Projekt. Römer sagt: "Wir sind uns einig: wir machen wieder einen gemeinsamen Song." fam
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